Zinssensitivität IV/V: Wie Bank­aktien auf Zins­änderungen reagieren

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Der Krieg in der Ukraine stoppte die Aufwärtsbewegung bei den Bankaktien zwar abrupt. Die Wirkung steigender Zinsen auf die Erträge der Banken bleibt indes in Kraft. Teil vier unserer fünfteiligen Serie zur Zinssensitivität diverser Anlageklassen.

Text: Andreas Giger

Mit dem Jahreswechsel haben Bankaktien im Zuge steigender Zinserwartungen einen fulminanten Aufschwung erlebt. Getragen wurde diese Hausse zudem von robusten Konjunkturaussichten und steigenden Inflationserwartungen.

Der Krieg in der Ukraine hat diesem konstruktiven Umfeld für Banken zumindest kurzfristig ein jähes Ende bereitet. Die Unsicherheiten um die für die Bankenwerte äusserst wichtigen Makroaussichten, die damit verbundenen Kreditrisiken und allfällige Störungen des globalen Finanzsystems haben massiv zugenommen. In einer Entspannungsphase dürfte die Zinsentwicklung jedoch sehr schnell die Rolle als treibender Faktor für Bankaktien wiedererlangen.

Weshalb Bankaktien auf Zinsänderungen reagieren

Zinssätze repräsentieren den Preis für die Kreditvergabe und die Entgegennahme von Geldern, welches für die Mehrheit der kotierten Bankenwerte trotz Ausbau des Kommissions- und Finanzdienstleistungsgeschäfts nach wie vor die grössten Gewinnbeiträge liefert. Dementsprechend hat die Zinsentwicklung auch eine hohe Relevanz für die Zinsmargen und die Gewinnentwicklung der Banken, wie die folgenden zwei Grafiken zeigen:

Banken Europa: Auswirkung einer parallelen Verschiebung der Zinskurve um +1%-Punkt auf den Vorsteuergewinn

Quelle: Individuelle Angaben der Banken/BofA Research

Banken USA & Kanada: Auswirkung einer parallelen Verschiebung der Zinskurve um +1%-Punkt auf das Nettozinseinkommen

Quelle: Individuelle Angaben der Banken/ Baird & RBC Research

Banken zeigen unterschiedliche Sensitivitäten

Das Risiko steigender oder fallender Zinsmargen entsteht aus ungleichen Fälligkeitsstrukturen zwischen den Einlagen und den Forderungen. Mit dem Einhalten der Fristenkongruenz liessen sich Einflüsse aus der Verschiebung der Zinskurve weitgehend immunisieren. Die Praxis zeigt jedoch je nach Struktur der Kredit- und Wertschriftenportfolios (Aktivgeschäft) und der Finanzierungsseite (Passivgeschäft) stark abweichende Auswirkungen von Zinsveränderungen auf die Zinsmargen bzw. die Nettozinseinkommen. Ebenfalls können die Kreditvertragskonditionen (mit variablen oder für einen bestimmten Zeitraum fixierten Zinssätzen) sowie die für die Banken vorteilhafte weniger stark ausgeprägte Anpassung der Sätze für Kundeneinlagen (Refinanzierung) bei Zinserhöhungen eine massgebende Rolle spielen. Es gibt zudem unterschiedliche Ausprägungen der Zinssatzeffekte über den Zeitverlauf in Abhängigkeit von der Laufzeitenstaffelung.

Die Entwicklung des Zinsdifferenzengeschäfts ist somit auch von bankspezifischen Variablen abhängig und dementsprechend komplex gestalten sich Prognosen. Die verfügbaren Berechnungen basieren grösstenteils auf bankinternen Modellen mit vereinfachten Annahmen wie etwa dem Szenario einer parallelen Verschiebung der Zinskurve. Im Falle einer Verflachung oder gar einer Inversion verändern sich die Sensitivitäten. In diesem Sinne bieten Angaben der in den beiden Grafiken erwähnten Banken lediglich gewisse Anhaltspunkte für Investoren.

Zinserhöhungszyklus alles in allem positiv trotz Sekundäreffekten

Es gibt bei einer Verschiebung des Zinsumfelds auch noch weitergehende Aspekte zu berücksichtigen. Die Mehrheit der Banken profitiert, wie die obigen Grafiken darlegen, von steigenden Zinsen. Doch es können sich noch weitergehende teilweise gegenteilige Effekte einstellen, da höhere Zinsen in der Tendenz auch zu steigenden Belastungen der Kreditnehmer und somit höheren Kreditausfällen führen können. Der Nettoeffekt dürfte jedoch insbesondere im Hinblick auf eine allfällige Normalisierung vom heutigen Tiefzinsniveau im grünen Bereich liegen und die Bankenwerte folglich positiv beeinflussen.

In anlagepolitischer Hinsicht bevorzugen wir zurzeit aufgrund der vorteilhafteren Zinsdynamik Bankentitel aus Kanada und den USA gegenüber europäischen Werten.

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