Evergrande beunruhigt die Aktienmärkte

Die Nachrichten aus China zum drohenden Konkurs der Immobiliengesellschaft Evergrande sorgen derzeit für erhöhte Unsicherheit unter den Marktteilnehmern. Warum dennoch keine neue Finanzkrise zu befürchten sei, erklärt Chief Investment Strategist Manuel Ferreira.

Text: Manuel Ferreira, Chief Investment Strategist bei der Zürcher Kantonalbank / Bild: Andreas Guntli

Manuel Ferreira, Chief Investment Strategist bei der Zürcher Kantonalbank
Manuel Ferreira, Chief Investment Strategist bei der Zürcher Kantonalbank

Die mögliche Insolvenz von Evergrande lässt den Puls der Börsen rund um den Globus höherschlagen – der Immobilienboom ist in China sehr ausgeprägt, undurchsichtig finanziert und spielt eine grosse Rolle für das chinesische Wirtschaftswachstum. Eine allfällige Immobilienkrise würde die Konjunkturrisiken in China zusätzlich erhöhen. Zusätzlich deshalb, weil China bereits mit der Pandemie beschäftigt ist und gleichzeitig auch noch die Privatwirtschaft neu reguliert. Darum hat das CIO-Office der Zürcher Kantonalbank seine Anlagepositionen im asiatischen Raum vor ein paar Monaten stark reduziert.

Weitere Konkurse in China möglich

Die chinesische Regierung hat sich dahingehend geäussert, dass sie mit weiteren Zahlungsausfällen rechne. Damit macht sie deutlich, dass sie ihre Massnahmen zur Reduktion der Schuldenlast in der Immobilienbranche durchsetzen will. Gleichzeitig wird die chinesische Regierung aber alles daransetzen, einen Dominoeffekt im Immobilien- und im Bankensektor zu verhindern. Die chinesische Regierung hat die Mittel sowie die nötige Schlagkraft dazu.

Auch wenn die Ankündigung einer Zinszahlung nun für etwas Erleichterung an den Finanzmärkten sorgt – manch eine ungute Erinnerung an die Finanzkrise ist geweckt. Dass eine solche eintritt, dafür gibt es gemäss CIO-Office derzeit aber keine konkreten Hinweise. Die Banken sind weltweit viel besser kapitalisiert als vor der Finanzkrise und die systemrelevanten chinesischen Grossbanken können dank der Staatsnähe die Verluste aus einer allfälligen Immobilienkrise in China mehrheitlich absorbieren. Zudem: Der chinesische Immobilienmarkt ist ziemlich abgeschottet, das heisst: Ausländische Banken sind überschaubar involviert. Die Kreditlast liegt entsprechend bei den Inlandbanken.

Und auch sonst: Es ist auch grundsätzlich nicht so, dass das Problem der hochverschuldeten Immobiliengesellschaften in China neu wäre. Ihre Aktienkurse werden bereits seit rund einem halben Jahr abgestraft.

Finanzmärkte kurzfristig volatiler

Aufgrund dieser jüngsten Marktentwicklungen geht das CIO-Office von einer nur vorübergehenden Stressphase aus. Nach der sehr positiven Entwicklung im ersten Halbjahr gönnen sich das Wirtschaftswachstum und die risikobehafteten Anlagen eine Verschnaufpause. Das globale Wirtschaftswachstum bleibt aber intakt und überdurchschnittlich. Unter dem Strich ist das Umfeld für Unternehmensgewinne immer noch gut.

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