Mit Preis­setzungs­macht der Inflation trotzen

Warum im aktuellen Umfeld Unternehmen mit hoher Preissetzungsmacht besonders attraktiv sind – dies erklärt Anlageexperte Jens Schweizer.

Text: Jens Schweizer, Anlagespezialist Anlagethemen und -trends, Zürcher Kantonalbank

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Anlagespezialist Jens Schweizer zur Inflation. (Video: Andreas Guntli)

Die aktuelle Inflationsentwicklung gleicht einer Bergtour im Himalaya. Von Gipfel zu Gipfel, einer höher als der vorherige. Die Luft ist dünn, das Atmen fällt schwer, wie aktuell beim Gang zur Tankstelle.

Jüngere Generationen erleben zum ersten Mal am eigenen Portemonnaie, was Geldentwertung bedeutet. Viele Güter des täglichen Lebens sind teurer geworden. Der Inflationsdruck ist immer breiter angelegt und erhält mit dem Krieg in der Ukraine weiteren Schub. Wie bei einer Bergtour beginnt mit Erreichen des letzten Gipfels letztlich der Abstieg.

Die Normalisierung der Inflation wird eintreten, dies wird aber länger dauern als bisher angenommen. In der Zwischenzeit stellt sich die Frage, wie man sinnbildlich den langwierigen Abstieg vom Inflationsgipfel meistern und das Vermögen vor der Geldentwertung schützen kann.

Grundsätzlich sind Anlagen dem Bargeld vorzuziehen, da diese mit der Chance auf Kursgewinne und Auszahlungen einen Ausgleich bieten. Aber nicht jede Anlage rentiert im aktuellen Umfeld gleich. Eine Herangehensweise bei Aktienanlagen wäre, in Unternehmen zu investieren, die über eine hohe Preissetzungsmacht verfügen.

Einfach gesagt: Unternehmen kaufen Rohmaterialen ein, verkaufen verarbeitete Produkte und verdienen eine Marge. Je höher die Marge und je mehr Produkte es absetzen kann, desto erfolgreicher ist das Unternehmen.

Verändern sich die Preise inflationär, behaupten sich vor allem Unternehmen, die ihre Margen und Absatzmengen trotz der Preisbewegungen stabil halten oder gar ausbauen können. Dies ist dann der Fall, wenn sie weniger stark von Erhöhungen der Inputpreise betroffen sind und/oder diese einfacher an ihre Kunden weitergeben können.

Potenzial bei Grundstoffen und Energie

Letzteres ist insbesondere dann möglich, wenn die Nachfrage der Kunden eine tiefe Preiselastizität aufweist. Im aktuellen spätzyklischen Umfeld mit hoher Wirtschaftsaktivität und angesichts der durch den Krieg in der Ukraine verstärkten Knappheit bei Rohstoffen aller Art gilt dies insbesondere für Unternehmen aus den Sektoren Grundstoffe und Energie.

Diese sind in der Produktion von Primärrohstoffen und Energie tätig und treffen aktuell aufgrund der starken Wirtschaftsaktivität und der Verlagerungsanstrengungen durch den Krieg in der Ukraine auf eine erhöhte Nachfrage, ein möglicherweise sogar sinkendes globales Angebot und somit stark gestiegene Preise.

Gleichzeitig dürften sich die Gestehungskosten aber nicht im gleichen Umfang nach oben bewegt haben, was sich positiv auf das Margenwachstum auswirkt.

Auch wenn Unternehmen beider Sektoren aufgrund der Notwendigkeit nachhaltigerer Produktionsmethoden langfristig vor grossen Herausforderungen stehen, gehören sie dennoch zu den günstig bewerteten Wirtschaftszweigen mit ansprechender Dividendenrendite, bei denen wir im aktuellen Umfeld Potenzial sehen.

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