Ölpreis bleibt volatil

Wie die jüngsten Bewegungen beim Ölpreis zu deuten sind und was der Wasserstand des Rheins mit dem Spritpreis zu tun hat – dies erklärt Elias Hafner, Chefstratege Devisen und Alternative Anlagen bei der Zürcher Kantonalbank, im Interview.

Text: Johanna Stauffer

Oelpreis - Pumpanlage
Die USA haben angekündigt, dass sie russisches Erdöl nicht mehr importieren werden. Dies hat Auswirkungen auf die globale Erdölförderung und den Handel. (Bild: Pixabay)

Im Vergleich zu 2020 hat sich der Ölpreis vervielfacht. Wie kam es zu diesem rasanten Anstieg?

Vor zwei Jahren hatten wir einen regelrechten Ölpreiszerfall gesehen – zwischenzeitlich notierten die Preise sogar negativ. Auslöser dafür war die Corona-Pandemie, bei der es aufgrund der eingeschränkten Mobilität zu einem starken Nachfrageeinbruch kam. Gleichzeitig wurde das Angebot aber nur mit einer Verzögerung zurückgefahren. So schnell und harsch diese Rezession war, so vergleichsweise schnell verlief auch die Erholung. Nicht nur die globale Wirtschaftsleistung kletterte wieder auf Vorkrisenniveau, auch die Nachfrage nach Öl hat sich zu einem grossen Teil erholt. Die Allianz der Ölexporteure «OPEC+» hat im letzten halben Jahr die Produktion jedoch nur schrittweise hochgefahren. Diese Kombination aus gestiegener Nachfrage und dem gleichzeitig nicht vollends erhöhten Angebot begünstigte einen Anstieg des Ölpreises über das Vorkrisenniveaus bereits Mitte 2021.

Welchen Einfluss hat der Ukraine-Krieg?

Dieser sorgt für einen zusätzlichen, starken Preisschub. Auch wenn die Invasion viele Marktteilnehmer überrascht hat, sah man doch bereits im Vorfeld eine grössere Risikoprämie. Da Russland zu den führenden Erdölexporteuren weltweit gehört, sind bei den Marktteilnehmern Sorgen in Bezug auf die Ölversorgung aufgekommen. Nach dem Einmarsch sind dann mit jeder weiteren Eskalation die Preise zusätzlich gestiegen. Der vorläufige Höhepunkt wurde mit den Ankündigungen der USA erreicht, dass sie russisches Öl nicht mehr importieren werden.

Wie hart trifft dies Russland?

Es ist nicht so, dass die USA bisher einen grossen Teil des russischen Rohöls importiert hätten. Aber sie haben eine gewisse Sogwirkung, was den Druck auf andere Staaten hinsichtlich eines Öl-Embargos erhöhen kann. Im Übrigen kann es aber nicht nur zu Sanktionen durch andere Nationen kommen – Russland könnte auch selbst den Ölhahn zudrehen. Dem Weltmarkt würden dann 5 bis 7 Mio. Barrel Öl proTag fehlen.

Aktuell sind wieder deutliche Abschläge zu sehen. Wie sind diese zu erklären?

Mitte März haben wir einerseits gewisse Hoffnungen auf eine Deeskalation des Konfliktes gesehen. Das ist auch bei den Aktienmärkten zu beobachten. Andererseits kam es zu Diskussionen, dass Angebote von anderen Anbietern auf den Markt zurückkommen könnten. Das wäre einerseits der Iran, mit dem Schätzungen zufolge bis zu 1,3 Mio. Barrel pro Tag zur Verfügung stehen könnten. Andererseits gab es Signale von anderen OPEC-Mitgliedern, wie beispielsweise den Vereinigten Arabischen Emiraten, die noch Reservekapazität haben und ihr Angebot erhöhen könnten. Solche Gerüchte dämpfen die Angebotssorgen und wirken jeweils preissenkend.

Ist davon auszugehen, dass der Preis weiter fällt?

Die Ölpreise sind gegen Ende der Kalenderwoche 11 wieder angestiegen und dürften nun erstmal erhöht und volatil bleiben. Einen deutlichen Rückgang dürfte man erst dann sehen, wenn Russland und die Ukraine näher an einer Lösung sind. Oder wenn es klar ist, dass das russische Ölkontingent durch verschiedene Staaten kompensiert werden kann. Langfristig ist das möglich – aber nicht von heute auf morgen. Entsprechend dürfte die Risikoprämie im Markt vorerst erhalten bleiben.

Was bedeutet dies für die Spritpreise?

Die Spritpreise in der Schweiz schwanken stark mit dem Verlauf der Weltmarktpreise für Rohöl. Nach dem die Benzinpreise mit der Preisspitze beim Öl nach oben geschossen sind, sollten mit den etwas tieferen Ölpreisen auch die Benzinpreise wieder etwas nach unten angepasst werden.

Werden denn die Benzinpreise 1:1 durch die Rohölpreise bestimmt?

Wie beschrieben, sind die Bewegungen bei den Spritpreisen stark von Preisänderung beim Rohöl abhängig. Für den Gesamtpreis an der Tankstelle spielen im Allgemeinen aber auch andere Faktoren eine wichtige Rolle wie Steuern und Abgaben, eine gewisse Preissetzungsmacht der Tankstellenbetreiber – oder hier in der Schweiz auch der Wasserpegel vom Rhein.

… der Wasserpegel vom Rhein?!

Ein beachtlicher Teil des Öls wird uns von Tankern aus den Niederlanden, Deutschland und Frankreich rheinaufwärts nach Basel geliefert. Wenn der Wasserstand niedrig ist, können diese Tanker nicht komplett beladen werden – es besteht sonst die Gefahr, dass sie auf Grund laufen. Entsprechend steigen die Frachtkosten – und damit auch die Spritkosten – mit niedrigem Wasserstand.

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