Preisverdächtig richtig gelegen

Präzise volkswirtschaftliche Prognosen: Martin Weder und David Marmet, Ökonomen bei der Zürcher Kantonalbank, wurden bei den «2021 Analyst Forecast Awards» ausgezeichnet.

Text: Johanna Stauffer

Martin Weder und David Marmet, Ökonomen bei der Zürcher Kantonalbank
Mehrfach ausgezeichnet: Martin Weder (l.) und David Marmet (r.), Ökonomen bei der Zürcher Kantonalbank (Bild: Andreas Guntli)

Wo der Schweizer Aktienindex SMI in einem Jahr steht oder wie es dann um das US-amerikanische Wirtschaftswachstum bestellt ist – das kann niemand genau vorhersagen. Es hängt von unzählbar vielen Einzelevents und -Entscheidungen ab. Jedoch: Mit Hilfe von quantitativen und qualitativen Analysen können Prognosen abgegeben, Treiber von Entwicklungen identifiziert und Szenarien erstellt werden. Genau das tut das Economic Research der Zürcher Kantonalbank und dies – wie nun aufs Neue bestätigt wurde – sehr gut.

So wurden bei den «2021 Analyst Forecast Awards» von FocusEconomics Martin Weder und David Marmet gleich mehrfach für ihre präzisen Prognosen ausgezeichnet.

Umfrage unter mehr als 1'500 Experten

FocusEconomics befragt monatlich über 1'500 ausgewiesene Experten von Banken und Finanzinstituten zu ihrer Einschätzung der wichtigsten volkswirtschaftlichen Indikatoren, wie der Inflation und dem Wirtschaftswachstum. Dies für über 90 Länder. Um im Ranking für die besagten Awards aufgenommen zu werden, musste über 22 Monate hinweg – ausgehend von Anfang 2019 – der Durchschnittswert 2020 für diese Kernindikatoren geschätzt werden. Dabei erhalten jeweils die ersten drei Platzierungen pro Land und Indikator eine Auszeichnung – die beiden Ökonomen der Zürcher Kantonalbank schafften es auf insgesamt 12.

Unter anderem erzielte der auf Europa spezialisierte Senior Economist Martin Weder den zweiten Platz in der Gesamtauswertung für die Eurozone als Ganzes sowie für Frankreich und Grossbritannien, Chefökonom Schweiz David Marmet den dritten Platz für die Schweiz. Für die Prognose einzelner Konjunkturindikatoren erreichten sie dreimal gar die Platzierung an der Spitze.

Akkurate Prognosen trotz Pandemie

Dass 2020 eine Pandemie für ein Kursbeben und den stärksten Wirtschaftseinbruch der Nachkriegszeit sorgen könnte, das war wohl in keiner der Anfangs-Prognosen miteinberechnet. «Die Kunst lag dann darin, möglichst schnell ein Gefühl dafür zu bekommen, wie sich die Pandemie und die Eindämmungsmassnahmen auf die Wirtschaft auswirken würden», sagt Martin Weder.

Klassische Wirtschaftsdaten wie Inflationsraten oder Arbeitslosenquoten halfen dabei nur wenig, reflektierten diese doch noch nicht die sich verselbstständigende Corona-Krise. Stattdessen verwendete Weder zeitnähere Indikatoren wie Mobilitätsdaten, Corona-Fallzahlen oder Indizes zum Ausmass der Restriktionen der Behörden. Und überlegte sich, wie diese sich auf die Realwirtschaft auswirken könnten.

Dass sie beide nun für ihre akkuraten Prognosen – trotz des unsicheren Umfeldes – ausgezeichnet wurden, freut Weder und Marmet. Aber sie wissen auch: Prognosen sind Schätzungen, die sich nicht bewahrheiten müssen; sie dienen vor allem der Orientierung. Wichtiger als die richtige Stelle nach dem Komma vorherzusagen, sei es, die Hintergründe und Treiber der wirtschaftlichen Entwicklungen zu verstehen, sie einzuordnen und darauf aufbauend die richtigen Schlüsse zu ziehen. So wie es das CIO Office der Zürcher Kantonalbank im monatlichen Investment Board und regelmässig in ihren Anlagepublikationen tut.

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