Studie zeigt, dass Pensionskassen beim Klima grossen Nachholbedarf haben

Während ein Viertel der Schweizer Kassen nachhaltig anlegt, verfügen erst 4% über ein konkretes CO2-Reduktionsziel.

Text: Iwan Deplazes, Leiter Asset Management Swisscanto Invest

Schmilzt das Meereis, verschwindet auch der Lebensraum der Eisbären.
Schmilzt das Meereis, verschwindet auch der Lebensraum der Eisbären. (Bild: Hans-Jürgen Mager / Unsplash)

Schweizer Pensionskassen beeinflussen mit ihren Anlageentscheiden das Klima: Denn für die Versicherten in der zweiten Säule verwalten die Kassen ein Vermögen von über 1'000 Milliarden Franken. Während der weltweite Trend zu nachhaltigem Anlegen die Pensionskassen definitiv erfasst hat, besteht ausgerechnet beim Megathema Klima noch erheblicher Nachholbedarf. Das zeigt die 21. Ausgabe der Swisscanto Pensionskassenstudie. Erstmals wurden die Kassen darin ausführlich zu Umweltstandards, sozialen Kriterien und solchen für korrekte Unternehmensführung (ESG) befragt.

Von den 514 befragten Pensionskassen hat ein Viertel bereits ESG-Kriterien im Anlagereglement eingeführt. Das ist gegenüber den 8% im Jahr 2015 ein deutlicher Sprung nach vorn. Knapp ein Zehntel der Kassen werden ESG-Kriterien im Verlauf der nächsten drei Jahren einführen. Und schliesslich wird bei einem Viertel ein solcher Passus diskutiert, ohne dass schon über eine Einführung entschieden wurde. Es zeigt sich, dass grosse Pensionskassen mit über CHF 500 Mio. verwalteten Vermögen einen Vorsprung haben: Bereits 44% haben ESG-Kriterien eingeführt, gegenüber 14% bei kleinen Kassen.

Erheblicher Nachholbedarf

Ausgerechnet bei Klimamassnahmen und CO2-Reduktionszielen haben alle Vorsorgewerke Nachholbedarf: So setzen im Schnitt nur 17% auf die Messung von CO2 in ihrem Portfolio. Weitere 6% überlegen sich eine Messung einzuführen. Schlecht sieht es bei konkreten Reduktionszielen aus: Lediglich 4% der Kassen haben bereits ein solches Ziel eingeführt und nur 11% denken darüber nach.

(Grafik: Zürcher Kantonalbank)
(Grafik: Zürcher Kantonalbank)

Nachhaltiges Anlegen wird als dritte Dimension neben Rendite und Risiko immer wichtiger. Neue Regulationen auf nationaler und internationaler Ebene, die für zusätzliche Transparenz und Vergleichbarkeit sorgen, verleihen einen weiteren Schub. «Klimarisiken sind Anlagerisiken, da Firmen mit CO2-intensiven Geschäftsmodellen Wertverluste drohen», sagt Iwan Deplazes, Leiter Asset Management Swisscanto Invest der Zürcher Kantonalbank. In der Transformation zu einer klimafreundlichen Wirtschaft werde sich niemand mehr solche Anlagen leisten können.

Indirekte Umverteilung von Jung zu Alt

«Der Einbezug von ESG-Kriterien in den Anlageprozess reduziert die Risiken. Und durch die Höhe der verwalteten Vermögen wird auch ein grosser Beitrag im Kampf gegen den Klimawandel geleistet», sagt Deplazes. «Alle Vermögensbewirtschafter und Pensionskassen tragen hier eine besondere Verantwortung für junge Versicherte, die in der zweiten Säule durch die Umverteilung von Aktiven zu Rentnern bereits benachteiligt sind. Denn konsequentes klimaschonendes Anlegen hilft, die indirekte Umverteilung von Jung zu Alt auf dem Buckel des Planeten zu beenden.»
 

Iwan Deplazes, Leiter Asset Management Swisscanto Invest (Video: Simon Baumann) Iwan Deplazes, Leiter Asset Management Swisscanto Invest

Weitere Erkenntnisse aus der 21. Swisscanto Pensionskassenstudie sind:

  • Trotz der Pandemie haben die Schweizer Pensionskassen 2020 eine gute Performance erzielt. Die Ergebnisse der Kassen variieren aber stark
  • Die Wertschwankungsreserven steigen, was den Spielraum für eine bessere Verzinsung für die Versicherten erhöht
  • Die Umverteilung von den Aktiven zu den Rentnern hat sich 2020 verlangsamt, bleibt aber bestehen
  • Sammelstiftungen nehmen eine höhere Umverteilung in Kauf, da sie im Dilemma stehen zwischen Anpassung der technischen Parameter und Wettbewerbsfähigkeit
  • Knapp zwei Drittel der öffentlich-rechtlichen Kassen haben das Rentenalter 65 für Frauen bereits vorweggenommen

Alle weiteren Informationen finden Sie auf der Website der Swisscanto Pensionskassenstudie.

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