Inhaltsseite:Meine Bank

Promotion

Meine Bank

Sitzbank im neuen Züri-Tram

Im neuen Züri-Tram sind die Bänke wieder aus Holz, was sich viele Zürcher gewünscht hatten. Ob sie schön oder bequem sind, erklärt Industriedesigner Manuel Ailinger.

Text: Joel Bedetti
Bild: Holger Salach

Meine Bank (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Manuel Ailinger hat die Sitzbänke des neuen Züri-Trams mitgestaltet. Nutzen wird sie der Basler wohl nur gelegentlich. Eines aber hat er gelernt: Die Beziehung der Zürcher zu ihrem Tram ist sehr emotional.

Ailinger lebt mit dem Los eines Industriedesigners. Er entwirft Dinge, deren Farbe, Form oder Beschaffenheit kaum je zu reden geben: Schleifmaschinen, chirurgische Apparate oder Muttermilchpumpen. Dieses Schicksal wird sein jüngstes Baby bestimmt nicht ereilen. Im Gegenteil. Es wird die Gemüter sprichwörtlich bewegen, für Kopfschütteln sorgen, aber auch für Liebeserklärungen: das neue Züri-Tram. Der 30-Jährige hat als Projektleiter der Thalwiler Designagentur Milani mit seinem Team den Zürcher Verkehrsbetrieben VBZ geholfen, die Hülle und den Innenraum zu designen. Und damit auch den Gegenstand, der von den Passagieren gern benutzt wird: die Sitzbank.

Im Stadtpark

"Gutes Design erzählt eine Geschichte", sagt Manuel Ailinger. Die Geschichte, die das neue Tram erzählt, sei von den VBZ bereits in der Ausschreibung vorgegeben worden: "Fahren soll sich anfühlen wie Verweilen in einem Pavillon." Die Milani-Designer entschieden, das Innendesign an einen Stadtpark anzulehnen. "Die Sitze sind natürlich die Parkbänke", so Ailinger.

Dass sie aus Holz sind, war auch eine Vorgabe der VBZ. "Im Design kehrt man zu Echtmaterial zurück", sagt Ailinger. Kniffliger war die Gestaltung der Holzschale. "Ist die Einbuchtung tief, ist ein Sitz ergonomisch, aber nicht unbedingt elegant", erklärt Ailinger. Wie stark das Auge mitentscheidet, realisierte der Designer, als VBZ-Mitarbeitende zum Probesitzen eingeladen und um ihre Meinung gebeten wurden. "Die meisten wählten einen Entwurf, der zwar schön war, aber unbequem. "Schliesslich fand man einen Mittelweg.

Hochwertig soll es sein

Ailinger begann, Trams mit anderen Augen zu sehen. "Während eines Trips nach Paris fielen mir in der Metro all die Schrauben an den Sitzhalterungen auf", erzählt er. "Ich fragte mich, ob die wirklich so sichtbar sein müssen." Denn Ziel von Milani war es, das neue Tram wie einen Wohn- statt wie einen Maschinenraum wirken zu lassen. Ailinger merkte auch: Beim Material wählen die Zürcher meist die hochwertige Variante. Die Bänke etwa sind aus massivem Buchenholz gefertigt. "Jede Bank hat eine andere Maserung", schwärmt der Designer. Anders die Basler Trams, mit denen er morgens von zu Hause zum Bahnhof fährt, um nach Thalwil zu pendeln. "Deren Sitze bestehen aus Sperrholz und einem Aufdruck mit Holzmuster." Für Zürich keine Option. Die Zürcher, ist er sich sicher, haben eine emotionalere Beziehung zu ihren Trams als die Bewohner anderer Städte.

Weil Zürich für Manuel Ailinger meist nur eine Transitstation auf dem Arbeitsweg ist, wird er wohl nicht oft auf den Sitzbänken des neuen Züri-Trams Platz nehmen. Die offizielle Einweihung im April liess er sich aber nicht entgehen. Denn dass ein Produkt eines Industriedesigners gefeiert wird, geschieht selten genug. "Meist hört man irgendwann, dass die Serienproduktion angelaufen ist", sagt Ailinger, der inzwischen eine neue Küchengerätelinie designt. "Die Anerkennung liegt darin, Gegenstände zu gestalten, die sich im Alltag bewähren und diesen bereichern."

Meine Bank

In dieser Rubrik porträtiert das Magazin "ZH" Menschen aus dem Kanton Zürich mit einem besonderen Verhältnis zu einer Bank - "Bank" in den unterschiedlichsten Bedeutungen des Wortes.


Sitemap: