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Unternehmensführung

Was bleibt: Unternehmerischer Wandel

Um als Unternehmen erfolgreich zu bleiben, braucht es ein stabiles Fundament und Mut zum Wandel. Drei Erfolgsgeschichten aus dem Kanton Zürich.

Text: Susanne Wagner
Bilder: Basil Stücheli  

Katadyn (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Ein Kind braucht Wurzeln und Flügel, um das Leben zu meistern. Genauso ist es bei Unternehmen: Eine starke Basis, ein gutes Geschäftsmodell und Kontinuität sind wichtig. Ebenso wie Innovationskraft, die Anpassung an die aktuellen Bedürfnisse des Marktes und den technologischen Wandel. Auf eine revolutionäre Technologie aus der Gründerzeit 1926 setzt bis heute die Firma Katadyn, die sich zum Weltmarktführer auf dem Gebiet der mobilen Trinkwasseraufbereitung entwickelt hat. Das erste Gerät namens Elektrokatadyn steht heute im Showroom in Kemptthal. "Es basiert auf einer Methode, bei der auf elektronischem Weg Silberionen in verunreinigtes Wasser abgegeben werden, um es bakteriologisch rein zu machen", erklärt Carmen Heiter, Chemikerin und Geschäftsleitungsmitglied von Katadyn. "In einer modernisierten Version ist das Gerät bis heute im Einsatz. Wir setzen es beispielweise in der Wartung von Anlagen in der Flaschenabfüllindustrie in tropischen Gegenden ein."

Katadyn (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Rettung durch Management-Buy-out

Bereits in den 1930er-Jahren kamen Wasserfilter aus Keramik dazu, die Katadyn bis heute in einem leicht veränderten Verfahren in der Schweiz herstellt und laufend weiterentwickelt. Das Unternehmen ging aber auch durch stürmische Zeiten: Mehrere Male wurde es von Auffanggesellschaften gerettet und neu gegründet. 1998 bewahrte ein Management-Buy-out Katadyn vor dem Untergang. Daran war auch der heutige CEO und Verwaltungsratspräsident Adrian Schmassmann beteiligt. Er blickt zurück: "Der Grund für das drohende Aus war, dass das Unternehmen die Fähigkeit verloren hatte, sich Neuem zu öffnen." Dem Management-Buy-out folgte eine strategische Neuausrichtung ab der Jahrtausendwende. Unter der neuen Führung gelang es, mithilfe von Übernahmen das Portfolio um neue Produktlinien zu erweitern: Trekkingnahrung, Meerwasserentsalzungsanlagen und Outdoor-Kochsysteme. Den Geschäftszweig Wasseraufbereitung im Haushalt gab Katadyn auf und fokussierte stattdessen auf portable Anwendungen. Mit Erfolg: Der Wasserfilter BeFree wurde mehrfach ausgezeichnet. Heute ist Katadyn eine global agierende Unternehmensgruppe mit einem breit aufgestellten Markenportfolio.

Ungewissheit häufig im Spiel

Diversifizierung sei ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Beständigkeit von Unternehmen, sagt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann, der an der Universität Zürich im Bereich europäische Wirtschaftsgeschichte forscht. Glücklich ist, wer auf das richtige Thema setzt. "Erstens muss ein Unternehmen in einer Branche tätig sein, die Diversifizierungsmöglichkeiten bietet." Die Schweizer Chemie-  und Pharmabranche habe immer wieder neue Anwendungsgebiete gefunden, während die Textilindustrie in dieser Hinsicht eingeschränkt sei. Zweitens brauche es in Krisenzeiten richtige Entscheidungen. Dies gelinge nicht immer, und oft probiere man etwas, ohne im Voraus zu wissen, ob es wirklich funktioniert.

Embru (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Bekannt für Schulmöbel

Viel ausprobiert haben auch die Geschäftsführer des Zürcher Traditionsunternehmens Embru, 1904 als "Eisen- und Metallbettenfabrik Rueti" gegründet. Zum Angebot von Pflege- und Spitalbetten kam in den 1930er-Jahren die Sparte Schulmöbel hinzu. In derselben Zeit begann Embru mit heute weltbekannten Designern und Architekten der Avantgarde zusammenzuarbeiten: So entwarf der finnische Designer Alvar Aalto für Embru in den 1940ern ein Schlafsofa und der Bauhausschüler Gustav Hassenpflug einen klassischen stapelbaren Stuhl.

"Über die ganze Zeitspanne hinweg sind Schulmöbel die beständigste Produktsparte der Gruppe", sagt CEO Pascal Huber. Zunächst waren die hölzernen Tische und Bänke fest miteinander verbunden. Bereits in den 1930er-Jahren revolutionierte Embru die Branche mit höhenverstellbarem Schulmobiliar. Heute sitzen die Schulkinder auf ergonomischen Stühlen an widerstandsfähigen Kunstharztischen, die auch als Stehtische dienen. 1978 wagte Embru erneut eine Sortimentserweiterung: Das ­Unternehmen entwickelte das neue Büromöbelsystem "Ergodata", das den Anforderungen der elektronischen Arbeitswelt gerecht wurde und zum erfolgreichsten Büromöbelprogramm der 1980er-Jahre wurde.

Embru (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Diversifikation ist personalintensiv

Das Jonglieren mit den vier Absatzmärkten Schule, Büro, Spital/Pflege sowie Klassiker ist gleichzeitig Herausforderung und Chance. "Die Vielfalt gehört zu unserer Strategie, denn die Absatzmärkte ergänzen einander", sagt VR-Präsident Fritz Gantert. Sie ist aber auch personalintensiv, da sich die Märkte und damit die Marktbearbeitung stark voneinander unterscheiden.

Sich neu erfinden heisst manchmal auch, Produkte aus den Anfangszeiten zu neuem Leben zu erwecken. Dazu entschloss sich Embru im Jahr 2004 zum 100-jährigen Jubiläum. Eine neue Auflage von Möbelklassikern aus der Bauhauszeit findet heute wieder begeisterte Kunden: Neben dem bekannten Liegestuhl von Huldreich Altorfer mit den Gummischnüren, im Volksmund "Spaghettistuhl" genannt, sind unter anderem der Fauteuil von Werner Max Moser und - im Bauhausjahr 2019 - der ­Hassenpflug-Stuhl wieder erhältlich.

Verändert haben sich im Laufe der Zeit auch die Produktionsbedingungen. Interaktive Wandtafeln oder E-Boards für Schulen stellt Embru nicht selbst her, sondern führt sie als Zwischenhändler im Sortiment. Metallteile für Pflegebetten oder Büromöbel werden hingegen nach wie vor in Rüti produziert, gebogen, geschweisst oder von hochmodernen computergesteuerten Anlagen mit dem Laser ausgestanzt. Spitalbetten produziert Embru aufgrund zunehmender gesetzlicher Auflagen nicht mehr in der Schweiz.

Rahmenbedingungen fordern Unternehmen heraus

Die politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen werden für Unternehmen zu den grossen Herausforderungen der nächsten Jahre werden. So nimmt die gesetzliche Regulierung, etwa im Bereich des Umweltschutzes, laufend zu. "Auch die Implementierung der Informatiksysteme ist zunehmend komplexer und teurer", sagt Wirtschaftshistoriker Tobias Straumann. Der Grund: Die Systeme decken immer grössere Bereiche eines Unternehmens ab. Früher brauchte man die Informatik nur für die Verwaltung der Kundendaten, heute läuft fast alles direkt oder indirekt über Computersysteme.

Zürcher Kantonalbank (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Orientierung an Kundenbedürfnissen

Wie ein Unternehmen mit den Herausforderungen der Zeit Schritt hält und dabei erfolgreich bleibt, zeigt auch das Beispiel der Zürcher Kantonalbank. 2020 feiert sie ihr 150-Jahr-Jubiläum. Als die Bank 1870 eröffnet wurde, verkehrten Pferdekutschen auf der noch jungen und vergleichsweise leeren Bahnhofstrasse. Die Zürcher Kantonalbank wurde als "Bank der kleinen Leute" gegründet, denn die Grossbanken auf dem Platz Zürich waren nicht auf Landwirtschaft und Gewerbe ausgerichtet. Seither sind nicht nur die Kutschen von Autos und E-Scootern abgelöst worden, auch die Bank hat sich verändert. Sie konnte sich durch das bewegte 20. Jahrhundert hindurch behaupten und ist heute die viertgrösste Bank der Schweiz und hat Systemrelevanz. Sie gehört zu den grössten Arbeitgebern im Kanton und ist mit rund 400 Lernenden auch der grösste Ausbildungsbetrieb. Diese Entwicklung basiert im Kern auf einem Grundsatz: "Die Bank hatte stets das Ziel, ihre Angebote entlang der Bedürfnisse der Kunden und des technologischen und gesellschaftlichen Fortschritts weiterzuentwickeln", erklärt Martin Scholl, Vorsitzender der Generaldirektion der Zürcher Kantonalbank.

Mit dem technologischen Fortschritt mitgehen

So ist es der Zürcher Kantonalbank gelungen, sich im hochkompetitiven Wirtschaftsraum Zürich erfolgreich zu behaupten und dabei ihren Wurzeln treu zu bleiben. "Damals wie heute bildet der gesetzlich verankerte Leistungsauftrag das Fundament unserer Bank. Er ist unsere Raison d’Être", erklärt Dr. Jörg Müller-Ganz, Präsident des Bankrats. Der Leistungsauftrag umfasst die Versorgung der Zürcher Bevölkerung und Unternehmen mit Bankdienstleistungen, die Unterstützung volkswirtschaftlicher und sozialer Aufgaben im Kanton Zürich sowie die Förderung einer umweltverträglichen Entwicklung.

Doch was heisst das konkret punkto Angebote und Dienstleistungen? "Die Klassiker unter den Bankdienstleistungen, wie Zahlungs- und Sparkonti, Hypothekar- und Unternehmenskredite, erbringt die Bank seit ihrer Gründung. Was sich verändert hat, ist die Art und Weise, wie sie diese Leistungen erbringt - man denke etwa an E-Banking oder Mobile Payment", sagt Martin Scholl.

Zürcher Kantonalbank (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Nachhaltiges Wachstum statt Risiko

Ein weiteres zentrales Prinzip der Unternehmensentwicklung bildet die Sicherheit: "Wir setzen auf qualitatives Wachstum, Stabilität und Kontinuität", sagt Dr. Jörg Müller-Ganz. Der Schlüssel dazu bildet ein breit diversifiziertes Geschäftsmodell. So konnte die Bank mit der Übernahme der Swisscanto Holding AG im Jahr 2015 die Abhängigkeit vom Zinsgeschäft, welches durch die Zins-politik der Nationalbank branchenweit unter Druck geriet und noch immer eine Herausforderung für die Banken darstellt, frühzeitig reduzieren. Heute zählt die Bank zu den sichersten Universalbanken der Welt. Dies ist Ausdruck einer sehr guten Kapitalisierung, einer stabilen Ertragsbasis und der damit verbundenen Profitabilität.

Für die Zukunft beobachtet Bankratspräsident Dr. Jörg Müller-Ganz zwei fundamentale Entwicklungen, denen sich niemand entziehen kann: die voranschreitende digitale Transformation und den Klimaschutz. "Sie werden unser Geschäft in den kommenden Jahren und Jahrzehnten tief greifend verändern. Wir sind bereit, diese Herausforderungen anzugehen und auch die nächsten 150 Jahre erfolgreich mitzugestalten."


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