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Vermögensaufbau

Was bleibt: Werterhaltung

Bruno Ammann, Leiter Key Clients der Zürcher Kantonalbank, betreut mit seinem Team die vermögendsten Kunden der Bank. Im Interview zeigt er auf, worauf es ankommt, wenn man Vermögen aufbauen und erhalten möchte.

Text: Stephan Lehmann-Maldonado
Bild: Reto Schlatter

Herr Ammann, wann ist man reich?

Vermögend zu sein, ist mehr ein subjektives Empfinden als eine absolute Zahl. Reichtum hat viele Gesichter - einem kleinen Kind etwa können 20 Franken das Gefühl geben, "reich" zu sein. Für andere manifestiert sich Reichtum in einem hohen Kontostand. Vermögen liegt jedoch nicht aus-schliesslich auf der Bank. Es wird - unter Inkaufnahme von Risiken - auch investiert. Sei es etwa in den Aufbau eines Unternehmens, was Arbeitsplätze und somit die Voraussetzung für einen Vermö-genszuwachs bei vielen Personen schafft.

Verändert sich mit dem Alter der Bezug zu Geld?

Je nach Lebensphase hat Geld einen anderen Stellenwert. Während in jungen Jahren materielle Dinge wichtig scheinen, zählen im Alter das Glück von Familie und Freunden sowie Gesundheit mehr. Oft ist dies der Zeitpunkt, um sich über die Weitergabe des Vermögens an die nächste Ge-neration Gedanken zu machen oder die Gründung einer Stiftung in Erwägung zu ziehen, um der Gesellschaft etwas zurück zu geben.

Es gibt zahlreiche "Erfolgsrezepte", um "reich" zu werden. Welches funktioniert?

Ganz einfach: Man braucht mehr Einnahmen als Ausgaben. Je früher man mit Sparen beginnt, desto besser. Wenn Sie die Möglichkeit haben, sollten Sie einen Teil Ihres Sparbatzens anlegen. Zudem braucht es Disziplin und Geduld. Ein Vermögen aufzubauen, braucht Zeit.

Wie viel Geld sollte man auf dem Konto lassen, wie viel anlegen?

Ich empfehle, drei bis sechs Monatslöhne liquide zu halten, um nebst budgetierbaren Ausgaben auch Reserven für Unvorhergesehenes zu haben. Alle weiteren freien Mittel sollte man investieren. Sonst verlieren Sie langfristig an Kaufkraft. Um die Kaufkraft zu erhalten, muss man an der unter-nehmerischen Leistung partizipieren. Deshalb empfiehlt es sich, einen Teil seines Vermögens in Aktien anzulegen. Dank Instrumenten wie einem Fondssparplan ist dies schon mit kleinen monatlichen Beträgen möglich.

Sie plädieren also für Aktien?

Mit Aktien partizipieren Sie an der Entwicklung eines Unternehmens. Etwas vereinfacht gesagt: Wenn zum Beispiel die Krankenkassenprämien aufgrund höherer Medikamentenpreise steigen, reduziert sich indirekt die finanzielle Belastung, wenn Sie an Pharmafirmen beteiligt sind und an deren Gewinnen teilhaben.

Aktien bergen aber auch Risiken.

Alles, was Ertrag verspricht, beinhaltet auch Risiken. Je höher der mögliche Ertrag, desto grösser das Risiko. Das gilt auch für Aktien.

Welcher Anteil des Vermögens sollte in Aktien fliessen?

Eine alte Faustregel sagt: "Nimm die Zahl 100, ziehe dein Alter davon ab - und du kennst deinen Aktienanteil." Für einen 20-Jährigen ergibt sich so eine Aktienquote von 80 Prozent. Junge Menschen haben einen langen Anlagehorizont. Sie können Schwankungen an den Aktienmärkten ­"aussitzen", das erhöht ihre Risikofähigkeit. Ebenso wichtig ist aber die Risikobereitschaft: Hält man Wertschwankungen psychologisch aus? Um eine individuell adäquate Anlagestrategie herzuleiten, braucht es eine umfassende Finanzberatung.

Obligationen galten lange als ideal für sicherheitsorientierte Anleger. Sind sie noch eine valable Alternative zu Aktien?

Das Bonmot "Kaufe Aktien, um gut zu essen, und Obligationen, um gut zu schlafen" stimmt leider nicht ganz. Auch Obligationen bergen bestimmte Risiken, etwa das Kreditrisiko und das Zinsänderungsrisiko. Im heutigen Negativzinsumfeld sind diese Risiken oft nicht mehr angemessen entschädigt.

Was halten Sie von "heissen" Anlagetipps?

Nichts. Es gilt ausnahmslos: keine Rendite ohne Risiko.

Welches sind die häufigsten Anlagefehler?

Gier und Panik sind schlechte Ratgeber. Gier verleitet einen dazu, Risiken einzugehen, die man nicht tragen kann. Panik treibt einen zu vorschnellen Bauchentscheiden und einem Abweichen von der gewählten Anlagestrategie.

Die Aktienmärkte haben Höchststände erreicht. Droht der nächste Crash?

An den Aktienmärkten gab es immer wieder und wird es auch wieder Crashs geben. Langfristig betrachtet ist man für das in Kauf genommene Risiko aber angemessen entschädigt worden. Vermögensaufbau geht nicht ohne Risiko.

Seit der Finanzkrise haben die Notenbanken mehr Geld denn je gedruckt. Können wir unserem Geld noch trauen oder sollten wir auf Gold setzen?

Heute findet eine sanfte Form der Enteignung statt: Die Inflation ist höher als die Zinsen auf Staatsanleihen. Und auch wer sein Geld auf dem Sparkonto parkiert, verliert langfristig einen Teil seiner Kaufkraft. Dennoch eignet sich Gold nicht für den Vermögensaufbau. Es wirft keine Zinsen ab und unterliegt hohen Wertschwankungen. Aus Gründen der Diversifikation kann es jedoch sinnvoll sein, dem Portfolio drei bis fünf Prozent Gold bei­zumischen, zum Beispiel
mit einem ­börsenkotierten Gold-Anlagefonds (ETF).

Was halten Sie von Immobilien?

Selbstbewohntes Wohneigentum steigert die Lebensqualität und wirft eine emotionelle Rendite ab. Nur schon deshalb würde ich jedem, der finanziell in der Lage ist, empfehlen, in ein Eigenheim zu investieren. Erwirbt man darüber hinaus Immobilien, müssen diese attraktive Risiko-Rendite-Eigenschaften ausweisen und punkto finanzieller Rendite genügen. Einen Anteil Immobilien in der Schweiz zu halten, finde ich - trotz hoher Preise - vernünftig. Wer über wenig Vermögen verfügt, kann in Immobilienfonds investieren. Bei grösseren Vermögen sind Direktinvestitionen denkbar.

Von ausländischen Immobilien würden Sie die Finger lassen?

Wer in Franken denkt, ist in der Schweiz besser aufgehoben. Hier sind Rechtslage und Steuersituation bekannt. Bei ausländischen Immobilien ist der Aufwand grösser und es gilt, genau hinzuschauen. Hier ist eine seriöse Beratung sehr wichtig.

Beim Blick auf die Kunstmarktindizes scheint es, als ob man mit Kunst auch Geld verdienen könnte.

Das ist so. Allerdings kaufen die ­wenigsten Menschen Kunst allein der finanziellen Rendite wegen. Auch hier steht eine emotionelle Rendite im Vordergrund - die Freude beim Betrachten eines Werks. Falls man mit einem Kunsterwerb auch eine finanzielle Rendite erreichen will, sollte man sich professionell begleiten lassen. Die Entwicklung der Kunstmarktpreise ist kaum prognostizierbar.

Geht es auch beim nachhaltigen Anlegen primär um die emotionelle Rendite?

Nein. Studien zeigen, dass nachhaltige Anlagen traditionellen Investments punkto finanzieller Rendite in nichts nachstehen. Wer nachhaltig ­investiert, kann jedoch für die Gesellschaft und die Umwelt einen Mehrwert erzielen. Die finanzielle wird mit einer sozialen Rendite kombiniert.

Sprichwörtlich heisst es, die erste Generation baut etwas auf, die zweite verwaltet es, spätestens die vierte verspielt es ...

Sprichwörter haben meist etwas an sich. Meine Grossmutter sagte: "Schwarze Hände gibt weisses Brot." - man muss also immer für etwas arbeiten. Das gilt auch für die Erhaltung eines Vermögens über Generationen. Seine Nachkommen an einen verantwortungsvollen Umgang mit einem Vermögen heranzuführen, ist vielen Menschen ein Anliegen. Dies sicherzustellen bedingt einen frühzeiti-gen und umfassenden Einbezug der nächsten Generation in die Vermögenssituation. Werterhaltung bedingt immer auch eine bestimmte Werthaltung.

Bruno Ammann (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Zur Person

Bruno Ammann leitet den Bereich Key Clients der Zürcher Kantonalbank. Mit seinem Team betreut er die vermögendsten Privatkunden der Bank.


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