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Zürcher Traditionen

Was bleibt: Immaterielles Kulturerbe des Kantons Zürich

Der Kanton Zürich verfügt über eine farbenfrohe Palette an historischen und modernen Bräuchen. Eine Auswahl.

Text: Leslie Leuenberger
Bilder: Yves Bachmann

Knabenschiessen in Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Knabenschiessen

Das Knabenschiessen - bei Auswärtigen sorgt der Name immer wieder für Verwirrung. Der Schützenwettbewerb ist das grösste jährliche Volksfest der Stadt Zürich und geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. In seiner modernen heutigen Form besteht es seit 1899. Zwischen 3’500 und 4’800 Schützinnen und Schützen nehmen jährlich daran teil. Seit 1991 dürfen auch Mädchen teilnehmen - trotzdem sind die Knaben mit ungefähr zwei Dritteln noch immer in der Überzahl.

Dennoch wurde dieses Jahr zum siebten Mal ein Mädchen Schützenkönigin. Für die 15-jährige Neva Menzi kam der Sieg völlig unerwartet: "Jemand kam rüber, um mir zu gratulieren, und ich dachte mir: Das ist doch gar nicht möglich." Für die Zollikerin war es das dritte Schiessen. Nächstes Jahr wird auch ihr Bruder das erste Mal antreten. Die Zürcher Kantonalbank unterstützt das Knabenschiessen seit über 25 Jahren als Hauptsponsorin.

Baugenossenschaften in Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Baugenossenschaften

Der Kanton Zürich ist die Hochburg der Wohnbaugenossenschaften. Bekannte Projekte sind etwa die "Kalkbreite", das "Kraftwerk 1" und "mehr als wohnen". Mit 66’490 gemeinnützigen Wohnungen befindet sich knapp die Hälfte aller Genossenschaftswohnungen der Schweiz im Kanton Zürich. Jede zehnte Wohnung im Kanton gehört einer Genossenschaft. Spitzenreiterin ist die Stadt Zürich mit gut 20 Prozent an gemeinnützigen Wohnungen.

Alles begann in den 1920ern. Seit 2000 stieg die Zahl der Genossenschaftswohnungen um 60 Prozent. Nicola Telle kam durch eine Freundin zu seiner Genossenschaftswohnung. Er musste ein Anteilscheinkapital von 10’000 Franken einzahlen, profitiert dafür aber von einer günstigen Miete. Für ihn und seine Freundin Jessica Carneiro ist dies der Hauptgrund für genossenschaftliches Wohnen. Telle: "Ich habe in den zwei Jahren, in denen ich hier wohne, schon um die 10’000 Franken gespart."

Technokultur in Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Technokultur

Die Technomusik spielt in Zürich seit jeher eine besondere Rolle, weshalb auch sie seit 2017 zum Unesco-Kulturerbe zählt. Ursprünglich waren die Partys einmalige Veranstaltungen in zwischengenutzten Kellern und Lagerhallen.

1992 kam die Street Parade - die mittlerweile meistbesuchte Technoparty der Welt. Eine Million Fans reisen jährlich nach Zürich, um bei der Parade mitzufeiern. Mit einem Set im Club "Hive" feierte Vanessa "Vanita" Spolidoro dieses Jahr ihr persönliches Jubiläum: 10 Jahre in der Zürcher Technoszene. "Ich lege auf und bekomme eine direkte Reaktion des Publikums - das ist unvergleichbar." In Zürich habe sich in den vergangenen Jahren viel getan, sagt Vanita. Das Publikum wurde grösser, jünger und internationaler. Zürich hat so viele verschiedene Elektro-Clubs, dass es problemlos mit Städten wie Berlin und Barcelona mithalten kann.

Seidenindustrie in Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Seidenindustrie

Die Textilindustrie, besonders die Seidenindustrie, spielt in der Geschichte des Kantons eine bedeutende Rolle - von 1840 bis 1900 war sie die wichtigste verarbeitende Industrie im Kanton. Ihr Aufstieg ist eng mit der Entwicklung des Bankwesens und der Maschinenindustrie verbunden. In den 1850er- und 1860er-Jahren gedieh Zürich zum weltweit zweitgrössten Seidenstoffproduzenten, weltberühmt für schwarzen Taft sowie für Beuteltücher zum Sieben von Mehl.

Der Niedergang setzte nach der Weltwirtschaftskrise 1929 ein. Das endgültige Aus kam nach der Ölkrise im Jahre 1973. Heute ist die Trudel Fashion Group, Inhaberin von Fabric Frontline, das einzig verbliebene Seidenhandelshaus in Zürich. Das Unternehmen blickt auf 100 Jahre Geschichte zurück. "Wir haben die Ambition, die Schweizer Tradition weiterzuentwickeln, und uns ist eine hohe Wertschöpfung in der Schweiz wichtig", sagt Fabric Frontline Besitzer Riccardo Pfenninger-Fabro. Er selber trägt jeden Tag ein Seidenprodukt - ob Krawatte, Foulard oder Pochette.

Stadtgärtnern in Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Stadtgärtnern

In Winterthur und Zürich ist das gartenkulturelle Erbe gross, weshalb es zu den lebendigen Traditionen zählt. Aufschwung bekam das Stadtgärtnern im 19. Jahrhundert, als Arbeiterfamilien begannen, Kartoffeln und Gemüse am Stadtrand anzubauen. Der philanthropische Wohnungsbau des 19. Jahrhunderts legte zudem Wert auf die Bereitstellung von Gartenland in den Arbeitersiedlungen. Die Gartenarbeit sollte zu Fleiss und Familiensinn erziehen und Arbeiter von Alkohol und Politik fernhalten.

In den letzten Jahren bekam das Stadtgärtnern dank Urban Gardening frischen Aufwind. Eva Bührer ist Mitgründerin eines Gemeinschaftsgartens in Winterthur: "Ich bin mindestens jede Woche im Gemeinschaftsgarten, in meinem eigenen jeden Tag. Frisches Gemüse, saisonal und lokal, das ist nicht nur für mich besser, sondern auch für die Umwelt." 

Sechseläuten Zürich (Link öffnet vergrösserte Darstellung)

Sechseläuten

Er ist wohl der prominenteste Zürcher: der Böögg. Er wird jährlich Mitte oder Ende April um punkt sechs Uhr abends auf einem grossen Scheiterhaufen verbrannt. Mit wenigen Ausnahmen auf dem Sechseläutenplatz und seit 1902 erstmals mit den Zünften. Mit dem Fest wird der Winter vertrieben. Je schneller der Böögg explodiert, desto schöner soll anschliessend der Sommer werden.

Damit die Strohpuppe explodiert, wird sie mit Holzwolle und Knallkörpern gefüllt. Lukas Meier ist seit vier Jahren alleiniger Böögg-Bauer und investiert rund fünfzig Stunden Arbeit in eine Puppe. "Ich bin seit meinem vierten Lebensjahr beim Umzug dabei. Für mich ist es einer der wichtigsten Tage und das schönste Frühlingsfest im Jahr. Auch für meine drei Töchter ist es ein Grossereignis."

Die Zürcher Kantonalbank ist Hauptsponsorin des Sechseläutens und engagiert sich besonders für den Kinderumzug.


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