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Freiwilliger Lohnverzicht

Freiwilliger Lohnverzicht von Geschäftsinhabern und leitenden Angestellten: Was ist bei den Steuern zu bedenken?

Vorübergehende Lohnanpassungen

Nicht nur Fussball- und Eishockeyprofis verzichten teilweise während der Corona- Pandemie auf einen Teil ihres Einkommens. Während zahlreiche Unternehmen ihre Mitarbeitenden in Kurzarbeit schicken müssen, stellt sich für Geschäftsinhaberinnen und Geschäftsinhaber sowie leitenden Angestellten die Frage, ob ihre Löhne vorübergehend anzupassen sind, wenn die Existenz des Unternehmens bedroht ist.

Was bedeutet ein Lohnverzicht für das Unternehmen und die Verzichtenden? Nachfolgend soll auf die steuerlichen und sozialversicherungsrechtlichen Fallstricke eingegangen werden. Nicht, dass der freiwillige Verzicht zwecks Erhaltung des Unternehmens zu unangenehmen Steuern und Sozialversicherungsabgaben führt.

Was wird besteuert? Der vertraglich vereinbarte oder der tatsächlich bezogene Lohn?

Verzichten leitende Angestellte, welche am Unternehmen nicht massgebend beteiligt sind, freiwillig auf einen Teil ihres Lohnes, so stellen diese Anteile kein steuerbares Einkommen für sie dar. Nur der tatsächlich bezogene Lohn wird steuerlich (beim Unternehmen und den verzichtenden Angestellten) berücksichtigt. Daher sollte ein Verzicht aus steuerlicher Sicht auch möglich sein, wenn er rückwirkend erfolgt oder auch im laufenden Jahr ein Teil des Lohnes zurückbezahlt wird.

Anders sieht es bei leitenden Angestellten aus, welche auch massgebend am Unternehmen beteiligt sind, z.B. bei Inhabern eines Unternehmens. Dabei ist zu unterscheiden zwischen Inhabern von juristischen Personen (insb. AG, GmbH) und Einzelfirmen (bzw. Personengesellschaften).

Lohnanpassungen bei Geschäftsinhabern einer Einzelfirma (und bei Personengesellschaftern) sind steuerlich unproblematisch, da sich diese keinen eigentlichen Lohn ausbezahlen, sondern das Geschäftsergebnis jeweils ihr "Lohn" ist. Anpassungen der monatlichen Vorbezüge sind damit steuerlich unproblematisch.

Heikler wird es bei Lohnanpassungen der leitenden Angestellten von juristischen Personen (AG, GmbH), an welchen sie massgebend beteiligt sind. Es stellt sich dort die Frage, ob sie in der Rolle als Angestellte oder in der Rolle als Aktionär auf einen Teil des (vertraglich vereinbarten) Lohnes verzichten.

  • Ein Lohnverzicht als Aktionärin oder Aktionär wird steuerlich in eine verdeckte Kapitaleinlage umqualifiziert, die als zugeflossener Lohn gilt. Der Teil des Lohns, auf den verzichtet wird, unterliegt dann der Einkommenssteuer.
  • Ein Lohnverzicht als Angestellte oder als Angestellter sollte steuerlich als unentgeltliche Tätigkeit gelten. Der Teil des Lohns, auf den verzichten wird, ist in diesem Fall steuerfrei.

Die Abgrenzung in der Praxis ist schwierig. Der Verzicht sollte daher so abgebildet werden, dass lediglich der ausbezahlte Lohn als Personalaufwand erfasst wird. So ist insbesondere davon abzuraten, den vertraglich vereinbarten Lohn als Personalaufwand zu verbuchen und den Verzicht als eigene (Gegen-) Position. Wenn das Risiko einer Umqualifikation weiter reduziert werden soll, ist bei einem Lohnverzicht gegenüber der eigenen Gesellschaft der Verzicht nur auf zukünftigem Lohn zu erklären. Schlussendlich ist in einer solchen Krisensituation auch auf ein gewisses Wohlwollen der Steuerbehörden am langfristigen Erhalt des Unternehmens zu hoffen.

Welche Folgen hat ein Lohnverzicht bei der Sozialversicherung?

Bei den Sozialversicherungsabgaben ist die Beurteilung noch komplizierter. So besteht - ausser bei Inhabern einer Einzelfirma (bzw. Personengesellschaftern) – insbesondere bei einem rückwirkenden Lohnverzicht ein Risiko, dass auf dem ganzen vertraglichen Lohn die Sozialabgaben anfallen.

Auch ist zu beachten, dass der Lohnverzicht Auswirkungen auf übrigen Versicherungen (z.B. Taggeldversicherung, Pensionskasse, Unfallversicherung usw.) haben kann.

Welche Gestaltungsalternativen gibt es zum Lohnverzicht?

Statt eines Lohnverzichts könnte eine teilweise Lohnstundung vereinbart werden. In diesem Fall wird der (Teil)-Lohn erst zu einem späteren Zeitpunkt ausbezahlt. Eine solche Lösung reduziert die Lohnkosten des Unternehmens nicht, aber es hilft bei der Überbrückung des Liquiditätsengpasses. Bei einer Lohnstundung ist aber weiterhin der ganze Lohn als Einkommen zu versteuern. Problematisch wird dies unter anderem dann, wenn das Unternehmen dennoch in Konkurs geraten würde und die Lohnforderung nicht mehr beglichen werden kann.

Fazit

Ein Lohnverzicht durch leitende Angestellte kann in Erwägung gezogen werden, birgt aber insbesondere steuerliche und sozialversicherungsrechtliche Risiken. Deshalb sollten Sie unbedingt vorher mit Ihrem Berater klären, welche die beste Lösung für Ihr Unternehmen, Sie bzw. Ihre leitenden Angestellten ist.


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