﻿WEBVTT

00:00:10.840 --> 00:00:12.040
Herzlich willkommen

00:00:12.040 --> 00:00:15.800
zur zweiten Ausgabe
des KMU-Wirtschaftsausblicks.

00:00:15.880 --> 00:00:18.600
Bei der letzten Ausgabe
habe ich in Aussicht gestellt,

00:00:18.600 --> 00:00:22.800
dass sich die Konjunktur
tendenziell verbessern dürfte.

00:00:22.880 --> 00:00:29.120
Die publizierten Daten der letzten Wochen
und Monate haben diese Tendenz bestätigt.

00:00:29.120 --> 00:00:32.040
Die Frühindikatoren
für die globale Wirtschaft

00:00:32.040 --> 00:00:35.880
sind auf den höchsten Stand
seit zwei Jahren gestiegen.

00:00:35.880 --> 00:00:40.920
Trotz allen früheren Unkenrufen
wird die USA

00:00:41.000 --> 00:00:42.880
mit grosser Wahrscheinlichkeit nicht
in eine Rezession abgleiten

00:00:42.880 --> 00:00:47.640
und die Rezession in der Eurozone
dürfte mild ausfallen.

00:00:47.720 --> 00:00:52.360
Der Schweizer Franken wertet trotz
den freundlichen Aussichten auf,

00:00:52.440 --> 00:00:55.240
was für die exportorientierten KMU
in der Schweiz

00:00:55.240 --> 00:00:58.240
immer mehr zum Problem werden könnte.

00:00:58.240 --> 00:01:04.320
Sind eine Lösung des Problems «starker Franken»
tiefere Leitzinsen in der Schweiz,

00:01:04.320 --> 00:01:07.720
wie das viele Finanzmarktteilnehmende erwarten?

00:01:07.720 --> 00:01:10.920
Und würden alle KMU von tieferen Zinsen

00:01:11.000 --> 00:01:14.000
und einem schwächeren Franken profitieren?

00:01:14.040 --> 00:01:17.800
Diese Punkte wollen wir uns
im Folgenden genauer anschauen.

00:01:17.800 --> 00:01:20.720
Blicken wir zuerst kurz zurück.

00:01:21.000 --> 00:01:26.400
Der Fachkräftemangel war im vergangenen Jahr
für KMU das Problem Nummer eins.

00:01:26.400 --> 00:01:31.720
Insbesondere im verarbeitenden Gewerbe
hat er Höchststände erreicht.

00:01:31.720 --> 00:01:36.840
Jetzt zeichnet sich in der Industrie
bzw. konkreter im verarbeitenden Gewerbe

00:01:36.840 --> 00:01:40.360
aber immer mehr ab,
dass der Mangel in vielen Branchen

00:01:40.360 --> 00:01:43.600
und vielen Berufen
konjunkturbedingt abnimmt.

00:01:43.600 --> 00:01:46.520
Vor allem in den Medien,
aber auch in der Politik,

00:01:46.520 --> 00:01:50.560
verliert das Thema Fachkräftemangel
mehr und mehr an Beachtung

00:01:50.760 --> 00:01:55.200
und wird abgelöst vom Thema «starker Franken».

00:01:55.200 --> 00:01:58.280
So hat der nominelle
handelsgewichtete Schweizer Franken

00:01:58.280 --> 00:02:02.320
in den letzten drei Jahren
um 20% aufgewertet.

00:02:02.400 --> 00:02:08.160
Handelsgewichtet heisst,
dass die Währungen der wichtigsten Länder

00:02:08.160 --> 00:02:09.640
mit denen die Schweiz Handel treibt,

00:02:09.640 --> 00:02:13.360
zu einem einzelnen Indikator
zusammengefasst werden.

00:02:13.360 --> 00:02:21.720
Und der reale bzw. inflationsbereinigte Franken
hat im letzten Jahr um 10% aufgewertet.

00:02:21.720 --> 00:02:24.400
Das ist das, was vor allem relevant ist.

00:02:24.400 --> 00:02:28.320
Denn durch die reale Aufwertung
verlieren die Schweizer Exportunternehmen

00:02:28.320 --> 00:02:33.120
gegenüber der ausländischen Konkurrenz
an preislicher Wettbewerbsfähigkeit.

00:02:33.120 --> 00:02:38.840
Können die KMU damit rechnen,
dass die Schweizerische Nationalbank in diesem Jahr

00:02:38.840 --> 00:02:43.040
den Leitzins deutlich senkt,
um so den Franken zu schwächen

00:02:43.040 --> 00:02:46.400
und die Abnahme der Wettbewerbsfähigkeit
zu dämpfen?

00:02:46.960 --> 00:02:51.240
Diese Hoffnung ist aus unserer Sicht
nur bedingt berechtigt.

00:02:51.960 --> 00:02:56.560
Zwar dürfte die SNB tatsächlich
in diesem Jahr den Leitzins senken,

00:02:56.640 --> 00:03:02.240
aber wohl nicht so stark,
wie das viele Finanzteilnehmende zurzeit erwarten.

00:03:02.320 --> 00:03:05.240
Ein Grund ist, dass im Gegensatz
zur Eurozone,

00:03:05.240 --> 00:03:07.760
aber auch zu den USA
und Grossbritannien,

00:03:07.760 --> 00:03:12.080
der Schweizer Leitzins
nicht im restriktiven Bereich ist.

00:03:12.400 --> 00:03:16.840
So hat selbst der SNB-Präsident
Thomas Jordan im letzten Jahr gesagt,

00:03:16.920 --> 00:03:22.200
dass der Zins, der die Produktion
weder verlangsamt noch beschleunigt,

00:03:22.200 --> 00:03:27.080
in den Industrieländern typischerweise
im Bereich von 2% bis 3% liegt.

00:03:27.080 --> 00:03:30.800
In der Schweiz könnte er
aber niedriger sein,

00:03:30.800 --> 00:03:38.000
also wohl so in der Grössenordnung,
wo der aktuelle Leitzins mit 1.75% gerade notiert.

00:03:38.880 --> 00:03:42.680
Ein zweiter Grund für nicht allzu
rasche und kräftige Zinssenkungen

00:03:42.760 --> 00:03:45.560
betrifft die Entwicklung am Immobilienmarkt.

00:03:45.560 --> 00:03:52.480
2022 hat die SNB beantragt,
dass der antizyklische Kapitalpuffer wieder eingeführt wird.

00:03:52.960 --> 00:03:58.320
Denn zu dieser Zeit war sie beunruhigt
über die Ungleichgewichte am Immobilienmarkt.

00:03:58.680 --> 00:04:04.640
Und trotz massiver Zinserhöhungen
von 250 Basispunkten seit 2022

00:04:04.640 --> 00:04:09.120
haben die Immobilienpreise
kaum eine Verschnaufpause eingelegt.

00:04:09.120 --> 00:04:11.200
Sie steigen munter weiter.

00:04:11.280 --> 00:04:14.520
Das spricht nicht für rasche Zinssenkungen.

00:04:14.600 --> 00:04:18.440
Es kommt noch dazu,
dass an der Inflationsfront

00:04:18.520 --> 00:04:23.200
nur die inländischen Preise steigen,
und zwar um rund 2%.

00:04:23.200 --> 00:04:26.120
Hingegen sind die aus dem Ausland
bezogenen Güter

00:04:26.120 --> 00:04:28.400
im letzten Jahr nicht deutlich teurer geworden.

00:04:28.400 --> 00:04:33.560
Sinkende Zinsen würden also die inländische Inflation
wohl wieder antreiben.

00:04:33.560 --> 00:04:37.720
Und ein letzter Punkt hierzu: Die Schweizer Wirtschaft

00:04:37.720 --> 00:04:41.600
muss im Moment zinspolitisch kaum unterstützt werden.

00:04:41.800 --> 00:04:44.640
Der Dienstleistungssektor wächst gut.

00:04:44.640 --> 00:04:48.400
In konjunkturreagiblen Branchen
wie im Tourismus

00:04:48.400 --> 00:04:51.920
sieht es gar besser aus als vor der Coronakrise.

00:04:52.000 --> 00:04:56.760
Und die Industrie wird aus dem Tränental finden,
da sich die globale Konjunktur,

00:04:56.760 --> 00:04:59.880
wie eingangs erwähnt,
allmählich aufhellt.

00:05:00.720 --> 00:05:05.200
Was heisst das nun für KMU,
wenn die Zinsen nicht so stark sinken

00:05:05.200 --> 00:05:08.600
und der Schweizer Franken
tendenziell weiterhin stark ist?

00:05:08.600 --> 00:05:13.040
Wie wir hier auf der Grafik sehen,
sind natürlich nicht alle KMU

00:05:13.040 --> 00:05:15.280
gleich stark vom starken Franken betroffen.

00:05:15.920 --> 00:05:22.160
Aufgetragen ist hier der Anteil der Exporte
am Gesamtumsatz eines Unternehmens.

00:05:22.680 --> 00:05:25.480
Nur ein bisschen mehr als 5% aller Unternehmen

00:05:25.480 --> 00:05:30.040
erwirtschaften mehr als dreiviertel
ihres Umsatzes im Ausland.

00:05:30.120 --> 00:05:35.080
Diese Unternehmen sind von der Frankenaufwertung
stark negativ betroffen.

00:05:36.000 --> 00:05:40.960
Was wir aber auch sehen,
dass weit über 50% von allen Unternehmen

00:05:40.960 --> 00:05:45.040
weniger als einen Viertel von ihrem Umsatz
im Ausland generieren.

00:05:45.120 --> 00:05:51.040
Wie gross ist der Anteil der KMU,
die besonders exportorientiert sind?

00:05:51.040 --> 00:05:57.080
Dazu haben wir den Exportbeitrag
nach Unternehmensgrösse ausgewertet.

00:05:57.160 --> 00:06:03.480
Die Schweizer Wirtschaft exportiert pro Jahr
Güter im Wert von über 300 Milliarden Franken.

00:06:04.080 --> 00:06:07.840
Über 50% von diesen 300 Milliarden
entfallen auf Grossunternehmen,

00:06:07.840 --> 00:06:12.720
also Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten.

00:06:12.760 --> 00:06:20.520
Der Anteil der KMU am Gesamtexport beträgt gut 40%.

00:06:21.080 --> 00:06:24.920
Im Umkehrschluss heisst das,
dass die sehr vielen Mikrounternehmen,

00:06:24.920 --> 00:06:28.040
also Unternehmen mit weniger als 10 Beschäftigten,

00:06:28.040 --> 00:06:32.360
ihren Umsatz fast zu 100% in der Schweiz generieren.

00:06:32.360 --> 00:06:35.880
Entsprechend ist für die Mehrheit
der KMU wichtig,

00:06:36.000 --> 00:06:39.280
dass die inländische Nachfrage gut ist.

00:06:39.360 --> 00:06:41.840
Aktuell haben wir
einen robusten Arbeitsmarkt,

00:06:41.840 --> 00:06:47.840
also niedrige Arbeitslosigkeit, eine Inflation,
die mittelfristig unterhalb von 2% liegt

00:06:47.920 --> 00:06:52.640
und einen SNB-Leitzins, der die Wirtschaft
zumindest nicht bremst.

00:06:52.720 --> 00:06:57.760
Deshalb dürfte die Nachfrage
auch in den nächsten Quartalen durchaus vorhanden sein.

00:06:57.840 --> 00:07:00.840
Klar, wir haben geopolitische Unsicherheiten

00:07:00.840 --> 00:07:03.880
und wir haben Unsicherheiten
bezüglich  des Verhandlungspakets

00:07:03.880 --> 00:07:09.320
zwischen der EU und der Schweiz,
wie es da weiter geht und wie das Ergebnis sein wird.

00:07:09.320 --> 00:07:13.120
Insgesamt sind die Rahmenbedingungen aber gut,

00:07:13.120 --> 00:07:17.440
dass 2024 wirtschaftlich
zwar nicht gerade ein Superjahr wird,

00:07:17.440 --> 00:07:21.440
aber durchaus ein gutes Jahr.

00:07:21.520 --> 00:07:24.440
In diesem Sinne
wünsche ich Ihnen viel Erfolg

00:07:24.440 --> 00:07:27.640
und bis zum nächsten Mal
in drei Monaten.
