﻿WEBVTT

00:00:11.520 --> 00:00:14.440
Herzlich willkommen zum
KMU Wirtschaftsausblick.

00:00:14.440 --> 00:00:18.160
Seit dem Zollschock hat sich
die Schweizer Wirtschaft wieder stabilisiert.

00:00:18.160 --> 00:00:23.800
Gleichzeitig bleibt die Inflation ausgesprochen niedrig
und der SNB-Leitzins bei 0%.

00:00:23.800 --> 00:00:29.200
Zudem nimmt die Arbeitslosigkeit
in der Schweiz zu. Wie lange noch?

00:00:29.200 --> 00:00:31.840
Diese Themen schauen wir
uns heute gemeinsam an.

00:00:31.840 --> 00:00:34.680
Zunächst ein paar Worte zur Konjunktur.

00:00:34.680 --> 00:00:38.680
Die Schweizer Wirtschaft ist
im dritten Quartal geschrumpft.

00:00:38.680 --> 00:00:43.240
Seitdem haben sich verschiedene Konjunktur-
und Stimmungsindikatoren wieder leicht erholt.

00:00:43.240 --> 00:00:46.960
Gemäss ersten Schätzungen
des Staatssekretariats für Wirtschaft

00:00:46.960 --> 00:00:51.000
ist die Schweiz im Schlussquartal
um 0,2% gewachsen.

00:00:51.000 --> 00:00:54.720
Damit hat sie wieder
einen Wachstumspfad erreicht.

00:00:54.720 --> 00:00:58.360
Auch die wirtschaftlichen Aussichten
haben sich aufgehellt.

00:00:58.360 --> 00:01:01.480
Die bisher verfügbaren Daten für das Jahr 2026

00:01:01.480 --> 00:01:05.400
deuten auf eine Fortsetzung
der konjunkturellen Erholung hin.

00:01:05.400 --> 00:01:10.680
Dies entspricht unserem Szenario
eines graduellen Aufschwungs der Schweizer Wirtschaft.

00:01:10.680 --> 00:01:13.400
Die Wirtschaft kommt also langsam wieder in die Gänge.

00:01:13.400 --> 00:01:16.440
Von der Inflation kann man das weniger behaupten.

00:01:16.440 --> 00:01:21.000
Sie liegt weiterhin
nur knapp über der 0%-Marke.

00:01:21.000 --> 00:01:24.800
Wir gehen davon aus, dass sich
die Gratwanderung entlang der Nulllinie

00:01:24.800 --> 00:01:27.240
noch einige Monate fortsetzen wird.

00:01:27.240 --> 00:01:31.280
Wie man auf der Grafik sieht,
handelt es sich seit Längerem um einen Kampf

00:01:31.280 --> 00:01:34.280
zwischen inländischen und ausländischen Preisen.

00:01:34.280 --> 00:01:38.000
Der Abwärtsdruck der importierten Güter
ist also ein wichtiger Grund

00:01:38.000 --> 00:01:40.120
für die tiefe Inflation in der Schweiz.

00:01:40.120 --> 00:01:43.360
Die jüngste Frankenstärke hat das Potenzial,

00:01:43.360 --> 00:01:46.800
die importierte Deflation weiter zu verstärken.

00:01:46.800 --> 00:01:50.200
Da die Inflation bereits sehr tief ist,
ist nicht auszuschliessen,

00:01:50.200 --> 00:01:54.280
dass die Jahresrate kurzzeitig
auch mal unter Null notieren wird.

00:01:54.280 --> 00:01:58.200
Die Inflationsrisiken sind
also klar abwärtsgerichtet.

00:01:58.200 --> 00:02:01.160
Muss die SNB jetzt Negativzinsen einführen?

00:02:01.160 --> 00:02:04.920
Wir denken nicht.
Und zwar aus folgenden Gründen:

00:02:04.920 --> 00:02:08.160
Erstens hat die SNB
relativ klar zum Ausdruck gebracht,

00:02:08.160 --> 00:02:12.040
dass die Hürden für die Einführung
von Negativzinsen hoch sind.

00:02:12.040 --> 00:02:15.120
Zweitens rechtfertigen auch
die makroökonomischen Aussichten

00:02:15.120 --> 00:02:18.600
keine weitere Zinssenkung.
Und drittens braucht es

00:02:18.600 --> 00:02:22.160
auch aus Inflationssicht keine
weitere Lockerung der Geldpolitik.

00:02:22.160 --> 00:02:27.200
Die SNB akzeptiert nämlich temporär
auch eine Inflation von unter 0%.

00:02:27.240 --> 00:02:29.160
Sie hat die mittlere Frist im Blick.

00:02:29.160 --> 00:02:33.840
In diesem Zeithorizont ist Preisstabilität gewährleistet.

00:02:33.840 --> 00:02:38.240
Folglich gehen wir davon aus,
dass der Leitzins bei 0% bleibt.

00:02:38.240 --> 00:02:42.320
Soviel zur Geldpolitik.
Gehen wir zurück in die Realwirtschaft.

00:02:42.320 --> 00:02:45.560
Schauen wir uns die Situation am Arbeitsmarkt an.

00:02:45.560 --> 00:02:50.840
Seit Mitte 2023 ist die Arbeitslosigkeit
in vielen Branchen gestiegen.

00:02:50.840 --> 00:02:55.120
Die Industrie leidet bereits seit Längerem
unter der schwierigen Konjunkturlage

00:02:55.120 --> 00:02:59.680
und der ungenügenden Nachfrage.
Der starke Franken- und die Zollthematik

00:02:59.680 --> 00:03:02.200
sorgen für eine zusätzliche Belastung.

00:03:02.200 --> 00:03:05.840
Es erstaunt deshalb nicht,
dass die Arbeitslosenrate

00:03:05.840 --> 00:03:09.440
in der Industrie seit dem Tiefpunkt
mit 1,8 Prozentpunkten

00:03:09.440 --> 00:03:13.040
stärker zugenommen hat
als im Dienstleistungssektor.

00:03:13.040 --> 00:03:19.600
In gewissen Branchen ist der Anstieg sogar
noch stärker ausgefallen. Zum Beispiel in der Uhrenindustrie.

00:03:19.600 --> 00:03:23.760
Passend dazu, man sieht es an
den dunkler eingefärbten Kantonen

00:03:23.760 --> 00:03:26.440
auf der Schweizer Karte,
ist die Arbeitslosigkeit

00:03:26.440 --> 00:03:30.760
am stärksten im nordwestlichen
Teil der Schweiz angestiegen.

00:03:30.800 --> 00:03:35.000
In Kantonen wie Neuenburg,
Jura oder Solothurn ist die Uhrenindustrie,

00:03:35.000 --> 00:03:39.960
der Maschinenbau oder auch das verarbeitende Gewerbe
im Allgemeinen stärker verankert.

00:03:39.960 --> 00:03:44.800
Das eher verhaltene Wirtschaftswachstum der letzten Jahre

00:03:44.800 --> 00:03:48.160
hat auf dem Schweizer Arbeitsmarkt
also Spuren hinterlassen.

00:03:48.160 --> 00:03:52.280
Wie man auf dieser Grafik sieht,
hat die Arbeitslosigkeit zwar langsam,

00:03:52.280 --> 00:03:57.640
aber kontinuierlich zugenommen.
Seit dem Tiefpunkt im Jahr 2023

00:03:57.640 --> 00:04:01.720
ist die Arbeitslosenquote auf fast drei Prozent gestiegen.

00:04:01.720 --> 00:04:04.760
Mit über einem Prozentpunkt ist das der stärkste Anstieg

00:04:04.760 --> 00:04:09.080
ausserhalb einer Rezession seit mehreren Jahrzehnten.

00:04:09.080 --> 00:04:12.800
Der Anstieg kommt jedoch von einem
sehr tiefen Niveau aus und mit 3%

00:04:12.800 --> 00:04:16.880
ist das Niveau der Arbeitslosenrate
noch nicht alarmierend.

00:04:16.880 --> 00:04:19.320
Versuchen wir jetzt, das Ganze
noch etwas in einen grösseren,

00:04:19.320 --> 00:04:22.360
geschichtlichen Kontext zu bringen.

00:04:22.360 --> 00:04:28.000
Hierzu vergleichen wir die aktuelle Situation
mit grösseren Finanz- und Wirtschaftskrisen.

00:04:28.000 --> 00:04:32.000
Die entsprechenden Zeiträume
sind farbig hervorgehoben.

00:04:32.000 --> 00:04:35.720
Wie stark war die Zunahme
der Arbeitslosigkeit jeweils?

00:04:35.720 --> 00:04:38.400
Und wie lange hat man
jeweils für den Anstieg gebraucht?

00:04:38.400 --> 00:04:43.400
Die Y-Achse zeigt den kumulierten
Anstieg der Arbeitslosenrate

00:04:43.400 --> 00:04:47.600
vom jeweiligen Tiefpunkt und die
X-Achse die Anzahl der Monate,

00:04:47.600 --> 00:04:50.080
die für den Anstieg benötigt wurden.

00:04:50.080 --> 00:04:53.640
In der aktuellen Situation
ist die Arbeitslosenrate mittlerweile

00:04:53.640 --> 00:04:58.720
fast so stark angestiegen wie bei der Finanzkrise
oder der Corona-Pandemie.

00:04:58.760 --> 00:05:01.520
Es gibt jedoch zwei bedeutende Unterschiede.

00:05:01.520 --> 00:05:05.520
Einerseits liegt das Startniveau,
also der Tiefpunkt vor dem Anstieg,

00:05:05.520 --> 00:05:09.920
in der aktuellen Situation
rund einen halben Prozentpunkt tiefer gelegen.

00:05:09.920 --> 00:05:15.240
Zweitens ist bei den anderen Krisen
die Arbeitslosenquote deutlich schneller angestiegen.

00:05:15.240 --> 00:05:17.960
Im aktuellen Umfeld hat die Arbeitslosenrate

00:05:17.960 --> 00:05:20.080
seit zweieinhalb Jahren zwar stetig,

00:05:20.080 --> 00:05:25.160
aber eben nur langsam zugenommen.
Das zeigt, dass die aktuelle Arbeitsmarktschwäche

00:05:25.160 --> 00:05:31.320
weniger von einer akuten Krise als vielmehr
von einer jahrelangen Wirtschaftsschwäche getrieben wird.

00:05:31.320 --> 00:05:35.560
Wie könnte es weitergehen?
Da wir auch im Jahr 2026

00:05:35.560 --> 00:05:39.120
mit einem leicht unterdurchschnittlichen
Wirtschaftswachstum rechnen,

00:05:39.120 --> 00:05:43.800
dürfte die Arbeitslosigkeit,
die ein nachlaufender Konjunkturindikator ist,

00:05:43.800 --> 00:05:47.080
in den nächsten Monaten
weiter graduell zunehmen.

00:05:47.080 --> 00:05:48.760
Wie man an der Prognose aber sieht,

00:05:48.760 --> 00:05:52.920
gehen wir davon aus, dass das Schlimmste
bereits hinter uns liegt.

00:05:52.920 --> 00:05:56.840
In den letzten Monaten hat sich
der Anstieg der Arbeitslosigkeit abgeschwächt

00:05:56.840 --> 00:06:00.440
und es sind wieder mehr
offene Stellen registriert worden.

00:06:00.440 --> 00:06:04.000
Auch andere Vorlaufindikatoren
haben sich verbessert.

00:06:04.000 --> 00:06:06.200
Und, das haben wir
am Anfang bereits besprochen,

00:06:06.200 --> 00:06:09.120
auch die Konjunktur
nimmt langsam wieder Fahrt auf.

00:06:09.120 --> 00:06:12.480
All das deutet zwar noch nicht
auf eine unmittelbare Trendwende hin,

00:06:12.480 --> 00:06:16.760
aber zumindest auf eine gewisse Stabilisierung
am Schweizer Arbeitsmarkt.

00:06:16.760 --> 00:06:20.400
Zusammengefasst:
das sind durchaus ermutigende Signale.

00:06:20.400 --> 00:06:24.680
Und die Finanzierungsbedingungen
bleiben mit einem SNB-Leitzins

00:06:24.680 --> 00:06:29.960
von 0% und einer flachen Zinskurve
auf absehbare Zeit ebenfalls locker.

00:06:29.960 --> 00:06:33.000
Wir wünschen Ihnen in diesem Umfeld gutes Gelingen

00:06:33.000 --> 00:06:37.480
und freuen uns, Sie auch beim nächsten
KMU-Wirtschaftsausblick begrüssen zu dürfen.
