﻿WEBVTT

00:00:11.320 --> 00:00:14.640
Herzlich willkommen zum
KMU Wirtschaftsausblick.

00:00:14.640 --> 00:00:17.280
Seit dem 7. August gilt für
den Import von Schweizer Waren

00:00:17.280 --> 00:00:20.120
in die USA ein Zollsatz von 39%.

00:00:20.120 --> 00:00:23.320
Was bedeutet das für
die Schweizer Volkswirtschaft?

00:00:23.320 --> 00:00:26.760
Welche Branchen und Kantone
sind besonders stark betroffen?

00:00:26.760 --> 00:00:31.080
Und wird die Schweizerische Nationalbank
aufgrund des Zollschocks reagieren?

00:00:31.080 --> 00:00:34.960
Wie stark die Schweiz insgesamt
von den US-Importzöllen betroffen ist,

00:00:34.960 --> 00:00:36.720
sehen wir in der Grafik.

00:00:36.720 --> 00:00:40.800
Die Dienstleistungsexporte,
die rund ein Drittel aller Exporte ausmachen,

00:00:40.800 --> 00:00:45.040
sind nicht von den Zöllen betroffen.
Das ist der innere Kreis der Grafik.

00:00:45.040 --> 00:00:47.400
Der äussere Kreis sind die Warenxporte im Wert

00:00:47.400 --> 00:00:50.080
von fast 400 Mrd. Schweizer Franken.

00:00:50.080 --> 00:00:55.680
Im Jahr 2024 gingen 65 Milliarden davon in die Vereinigten Staaten.

00:00:55.680 --> 00:00:59.840
Ein Exportanteil von 17%. Diverse Pharmaprodukte,

00:00:59.840 --> 00:01:05.560
insbesondere Medikamente, sowie Goldbarren
sind derzeit vom Zusatzzoll ausgenommen.

00:01:05.560 --> 00:01:07.840
Damit sind insgesamt etwas mehr als die Hälfte

00:01:07.840 --> 00:01:12.080
aller Schweizer Güterexporte in die USA vom Zollsatz betroffen.

00:01:12.080 --> 00:01:15.560
Wenn man alles zusammenzählt, sind also über 90%

00:01:15.560 --> 00:01:20.280
der Güter- und Dienstleistungsexporte
nicht von den Importzöllen betroffen.

00:01:20.280 --> 00:01:25.400
Ausserdem erfolgt 75%
der Schweizer Wertschöpfung durch Dienstleistungen.

00:01:25.400 --> 00:01:30.160
Dementsprechend rechnen wir nur mit begrenzten gesamtwirtschaftlichen Auswirkungen.

00:01:30.160 --> 00:01:32.800
Die Situation ist nicht
mit der Pandemie vergleichbar.

00:01:32.800 --> 00:01:36.760
Damals war phasenweise über Nacht
das ganze Land lahmgelegt.

00:01:36.760 --> 00:01:39.200
Vielmehr wird sich
der Zolleffekt über mehrere Monate

00:01:39.200 --> 00:01:43.560
durch Margenrückgänge und rückläufige
Aufträge bemerkbar machen.

00:01:43.560 --> 00:01:47.120
Eine schnell einsetzende und
umfassende Rezession in der Schweiz

00:01:47.120 --> 00:01:52.160
ist derzeit also unwahrscheinlich.
Je länger der hohe Zollsatz in Kraft ist,

00:01:52.160 --> 00:01:59.000
desto mehr dürften in den zyklischen und preissensitiven Industriebranchen Bremsspuren sichtbar werden.

00:01:59.000 --> 00:02:02.080
Die Maschinen-, Elektronik- und Metallindustrie

00:02:02.080 --> 00:02:05.640
sowie die Hersteller von Uhren
und Präzisionsinstrumenten,

00:02:05.640 --> 00:02:09.840
aber auch die Lebensmittelindustrie,
man denke an Käse, Kaffee oder Schokolade,

00:02:09.840 --> 00:02:12.000
sind von den Zollsätzen betroffen.

00:02:12.000 --> 00:02:16.240
Da die Schweiz einem deutlich höheren Zollsatz
unterliegt als beispielsweise die EU,

00:02:16.240 --> 00:02:20.680
verringert sich die Wettbewerbsfähigkeit
der Schweizer Exportprodukte.

00:02:20.680 --> 00:02:23.960
Insbesondere Produkte mit geringer Marge

00:02:23.960 --> 00:02:26.040
sind damit nicht mehr konkurrenzfähig.

00:02:26.040 --> 00:02:30.080
KMU, die im Inland produzieren
und viel in die USA exportieren,

00:02:30.080 --> 00:02:32.760
sind stärker exponiert als grosse Unternehmen.

00:02:32.760 --> 00:02:36.840
Sie haben oft keinen Standort im Ausland,
geschweige denn in den USA.

00:02:36.840 --> 00:02:41.240
Produktionsverlagerungen von heute
auf morgen sind vielfach nicht möglich.

00:02:41.240 --> 00:02:44.920
«Made in Switzerland»
wird so zur Hypothek.

00:02:45.800 --> 00:02:50.000
Den Zöllen auszuweichen oder sie
zu umgehen, ist für KMU also schwierig.

00:02:50.000 --> 00:02:52.600
Sicherlich wird man versuchen,
einen Teil der Zölle

00:02:52.600 --> 00:02:56.760
auf die amerikanischen Kunden abzuwälzen.
Aber grössere Umsatzeinbussen

00:02:56.760 --> 00:02:59.600
sind bei einem derart hohen Zollsatz
wohl kaum zu verhindern,

00:02:59.600 --> 00:03:02.480
so dass auch Arbeitsplätze in Gefahr sind.

00:03:02.480 --> 00:03:05.240
Die Kurzarbeit bietet jedoch
ein bewährtes Mittel,

00:03:05.240 --> 00:03:10.680
um Arbeitsplätze zu erhalten und die Auswirkungen
zumindest kurzfristig abzufedern.

00:03:10.680 --> 00:03:13.960
Soviel zur Schweiz.
Jetzt schauen wir uns die Kantone an.

00:03:13.960 --> 00:03:18.400
Wie gross ist der Anteil der US-Exporte am Gesamtexport?

00:03:18.400 --> 00:03:21.680
Der Kanton Nidwalden hat aufgrund der Pilatus-Flugzeugwerke

00:03:21.680 --> 00:03:25.080
einen sehr hohen Anteil. Viele weitere Kantone

00:03:25.080 --> 00:03:28.560
exportieren rund 15 bis 25% in die USA

00:03:28.560 --> 00:03:32.360
und bewegen sich somit um den Schweizer Durchschnitt von 17%.

00:03:32.360 --> 00:03:36.200
Der Kanton Zürich ist mit einem Exportanteil von nur 11%

00:03:36.200 --> 00:03:40.600
relativ gesehen weniger betroffen.
Natürlich ist nicht nur entscheidend,

00:03:40.600 --> 00:03:44.360
welcher Prozentsatz der Exporte in die USA geht,
sondern umso mehr,

00:03:44.360 --> 00:03:47.440
wie viele Waren insgesamt dorthin geliefert werden.

00:03:47.440 --> 00:03:50.640
Darum schauen wir uns den US-Exportwert im Vergleich

00:03:50.640 --> 00:03:53.760
zu den jeweiligen kantonalen Wirtschaftsleistungen an.

00:03:53.760 --> 00:03:58.440
In den meisten Kantonen sind plus minus 5% des BIP betroffen.

00:03:58.440 --> 00:04:03.080
Im Kanton Zürich sind es mit nur 2% deutlich weniger.

00:04:03.080 --> 00:04:05.440
In Nidwalden und Neuenburg sind die US-Exporte

00:04:05.440 --> 00:04:09.640
im Verhältnis zum relativ
kleinen kantonalen BIP bedeutend.

00:04:09.640 --> 00:04:12.600
Auch Basel-Stadt und Tessin haben hohe Werte,

00:04:12.600 --> 00:04:17.040
doch dort müssen wir die Sektoren genauer betrachten.

00:04:17.040 --> 00:04:20.760
Basel-Stadt exportiert sehr viele Pharmaprodukte,

00:04:20.760 --> 00:04:23.320
das Tessin hingegen primär Gold.

00:04:23.320 --> 00:04:26.320
Derzeit sind beide Kategorien teilweise zollbefreit,

00:04:26.320 --> 00:04:32.560
so dass sich die hohe Belastung dieser beiden Kantone relativiert.

00:04:32.560 --> 00:04:37.280
Für viele andere Kantone ist jedoch die Industrie
durchaus ein wichtiges Standbein.

00:04:37.280 --> 00:04:39.200
Regionen mit diesen Industriebranchen

00:04:39.200 --> 00:04:42.400
müssen entsprechend mit rückläufigen Aufträgen rechnen.

00:04:42.400 --> 00:04:45.600
Wie zuvor gesehen, machen die US-Exporte

00:04:45.600 --> 00:04:49.800
in vielen Fällen nur rund 5% des BIP aus.

00:04:49.800 --> 00:04:53.040
Im Kanton Zürich sind vor allem die Uhren-,
Präzisionsinstrumenten-,

00:04:53.040 --> 00:04:55.920
Metall- und Maschinenindustrie betroffen.

00:04:55.920 --> 00:05:00.400
Die Ausnahmen greifen im Kanton Zürich
mit der kleinen Pharmabranche nur bedingt.

00:05:00.400 --> 00:05:03.960
Sektorseitig ist Zürich auf
den ersten Blick stärker betroffen

00:05:03.960 --> 00:05:05.280
als die gesamte Schweiz.

00:05:05.280 --> 00:05:08.880
Insgesamt lässt sich jedoch
das Gegenteil behaupten.

00:05:08.880 --> 00:05:11.640
Der Kanton Zürich
liefert nur etwas mehr als 10%

00:05:11.640 --> 00:05:16.800
seiner Güter in die USA, was nur
ca. 2% des Zürcher BIP entspricht.

00:05:16.800 --> 00:05:19.080
Von knapp 30 Milliarden Ausfuhren sind

00:05:19.080 --> 00:05:22.760
nur etwa 2 Milliarden direkt vom Zollsatz betroffen.

00:05:22.760 --> 00:05:26.200
Ausserdem ist der Wertschöpfungsanteil
der Dienstleistungen

00:05:26.200 --> 00:05:31.240
mit 87% im Kanton Zürich
deutlich höher als in der Gesamtschweiz.

00:05:31.240 --> 00:05:33.880
Die Wertschöpfung erfolgt
vorwiegend lokal und ist,

00:05:33.880 --> 00:05:38.320
bekanntermassen, nicht von den Zöllen tangiert.

00:05:38.320 --> 00:05:43.200
Wir fassen zusammen.
Über 90% aller Güter- und Dienstleistungsexporte

00:05:43.200 --> 00:05:45.640
sind nicht direkt von den US-Zöllen betroffen,

00:05:45.640 --> 00:05:49.600
so dass eine umfassende Rezession
in der Schweiz unwahrscheinlich bleibt.

00:05:49.600 --> 00:05:53.240
Eine Stagnation oder leicht rückläufige Wirtschaftsaktivität

00:05:53.240 --> 00:05:56.160
über die nächsten Monate
ist hingegen nicht auszuschliessen.

00:05:56.160 --> 00:05:59.440
Insbesondere wenn die Zölle
längere Zeit Bestand haben.

00:05:59.440 --> 00:06:02.400
Trotz der begrenzten gesamtwirtschaftlichen Folgen

00:06:02.400 --> 00:06:05.520
bringen die Zölle einige Branchen in Bedrängnis.

00:06:05.520 --> 00:06:10.960
Für einzelne, kleinere exportierte Unternehmen
sind Zölle existenzbedrohend.

00:06:10.960 --> 00:06:13.600
Die Zürcher Wirtschaft ist
dank ihrer Wirtschaftsstruktur

00:06:13.600 --> 00:06:17.240
und der geringeren Abhängigkeit
von den USA weniger exponiert

00:06:17.240 --> 00:06:19.360
als andere Kantone oder Gesamtschweiz.

00:06:19.360 --> 00:06:22.880
Falls die Wirtschaft nicht unerwartet
stark einbricht, gibt es für die SNB

00:06:22.880 --> 00:06:26.880
aktuell wenig Gründe, im September
Negativzinsen einzuführen.

00:06:26.880 --> 00:06:30.080
Die Inflation dürfte
im zweiten Halbjahr weiter ansteigen,

00:06:30.080 --> 00:06:34.520
der Franken bleibt stabil.
Gezielte fiskalpolitische Unterstützung

00:06:34.520 --> 00:06:37.320
und der Einsatz von
automatischen Stabilisatoren,

00:06:37.320 --> 00:06:42.040
wie beispielsweise der Kurzarbeit,
sind im aktuellen Umfeld zielführender.

00:06:42.040 --> 00:06:44.880
Bis zum nächsten Mal
beim KMU Wirtschaftsausblick.
