Was ist Dekarboni­sierung?

Immer mehr wird uns bewusst, dass unsere täglichen Entscheidungen Einfluss auf die Umwelt haben. Dabei spielt die Dekarbonisierung eine tragende Rolle. Lesen Sie im Beitrag, was hinter dem oft verwendeten Begriff steckt.

Text: Cindy Geisel

Die Schweiz hat sich das klare Ziel gesetzt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Dies erfordert eine drastische Umstellung in allen Wirtschaftszweigen. (Bild: Getty Images)

Soll mein nächstes Auto elektrisch betrieben sein? Und ist jetzt der richtige Zeitpunkt für den Umstieg auf eine Wärmepumpe? Immer mehr wird uns bewusst, dass unsere Lebensweise Einfluss auf die Umwelt hat. Der Klimawandel ist eine der grössten Herausforderungen unserer Zeit und Dekarbonisierung spielt dabei die tragende Rolle.

Der Begriff «Dekarbonisierung» leitet sich ab von «Carbon», dem englischen Wort für Kohlenstoff. Dekarbonisierung bedeutet, die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Gas zu reduzieren, indem zum Beispiel der Einsatz von erneuerbaren Energien wie Wind- oder Wasserkraft erhöht wird. Ziel ist es, eine kohlenstofffreie Wirtschaft zu schaffen, die keine Kohlendioxidemissionen (CO2) mehr ausstösst.

Diese Emissionen entstehen durch das Verbrennen fossiler Energieträger, verstärken den Treibhauseffekt und verursachen damit die globale Erwärmung. Getrieben werden die Emissionen vom Bevölkerungswachstum und insbesondere vom steigenden Wohlstand. Der höhere Lebensstandard führt unweigerlich zu steigenden CO2-Emissionen. Die Schweiz hat sich das klare Ziel gesetzt, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen. Dies erfordert eine drastische Umstellung in allen Wirtschaftszweigen.

Verkehr, Gebäude und Industrie als grösste Emissionstreiber

Die grössten Emissionstreiber in der Schweiz sind der Verkehr (ohne den internationalen Flug- und Schiffsverkehr), die Gebäude sowie die Industrie. Im Verkehrssektor stammen die grössten Anteile der Emissionen aus dem Personen- und Güterverkehr auf der Strasse. Eine Dekarbonisierung des Verkehrssektors erfordert eine grundlegende Umstellung auf alternative Antriebe wie Elektroautos und einen umfassenden Ausbau von öffentlichem Verkehr und Fahrradinfrastruktur.

Im Gebäudesektor sind die Sanierung von Gebäuden und der Einsatz von erneuerbaren Energien für Heizung und Kühlung wichtige Massnahmen zur Dekarbonisierung. Die Mehrheit der Gebäude wird nach wie vor fossil beheizt. Längerfristig weisen Gebäudeemissionen eine abnehmende Tendenz auf. Zu verdanken ist dies den verbesserten Isolationsstandards, der energetischen Sanierung alter Häuser und dem Ersatz von Heizöl durch Techniken wie Wärmepumpen, die nicht auf fossile Energieträger angewiesen sind.

Zum Industriesektor zählen Emissionen aus industriellen Aktivitäten oder der Abfallverbrennung. Die Umstellung der Industrie auf erneuerbare Energien und eine ressourceneffiziente Produktion ist eine Herkulesaufgabe. Gerade die Einführung eines Emissionshandels mit CO2-Zertifikaten soll hier Anreize schaffen.

Technologischer Fortschritt ist gefragt

In Politik und Wirtschaft wird viel über die Dekarbonisierung debattiert. Um langfristig eine Wirkung erzielen zu können, muss zwingend das Potenzial des technologischen Fortschritts ausgeschöpft werden. Investitionen allein aus dem privaten Sektor reichen jedoch nicht aus. Der Staat muss in seiner Vorbildfunktion Rahmenbedingungen schaffen und Massnahmen umsetzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass wir eine lebenswerte Zukunft für kommende Generationen sichern.

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