Von der LED-Lampe zur Energie-Strategie
Die Rüthemann Technics AG in Fällanden liefert hochpräzise Leichtbaulösungen für Luftfahrt, Medizinaltechnik und Bauindustrie – und arbeitet gleichzeitig konsequent an ihrer Energieeffizienz. Nach einem Eco-Check der Zürcher Kantonalbank hat das Familienunternehmen eine vertiefte PEIK-Energieberatung durchgeführt.
Text: Simone Wyder / Bilder: Simon Baumann
In Fällanden fertigt die Rüthemann Technics AG komplexe Blechteile, Prototypen und Baugruppen. Laserschneiden, Abkanten, Fräsen, Schweissen – der Maschinenpark ist modern, die Kundschaft stammt aus anspruchsvollen Branchen wie Luftfahrt, Medizinaltechnik oder Bauindustrie.
Gegründet wurde das Unternehmen 1987 von Vater und Mutter Rüthemann. Heute führen die Brüder Thomas und Fabian Rüthemann den Betrieb mit 17 Mitarbeitenden. Geblieben ist der Wille, mit Ressourcen sorgsam umzugehen. «Wir sind damit aufgewachsen, dass man das Licht löscht, wenn man den Raum verlässt – und nicht unnötig heizt, während die Fenster offenstehen», erzählt Thomas Rüthemann, Leiter Entwicklung sowie Finanzen & Personal. «Diese Haltung haben wir in den Betrieb mitgenommen – von der Energie über den Abfall bis zum Materialeinsatz.»
Effizienzdenken von Anfang an
Als 2001 die Fabrikationshalle gebaut und 2009 ein Anbau realisiert wurde, spielten ökologische Aspekte bereits eine wichtige Rolle. Die Gebäudehülle wurde überdurchschnittlich gut gedämmt. Für die Warmwasseraufbereitung kam eine thermische Solaranlage aufs Dach – zu einem Zeitpunkt, als dies noch alles andere als Standard war.
«Wir wussten damals schon: Reine Kosteneinsparung ist nicht das Einzige. Es geht auch darum, einen Beitrag zu einer intakten Umwelt zu leisten», sagt Rüthemann. «Schön zu wissen, dass unser warmes Wasser nicht aus einem Gasboiler kommt, sondern von der Sonne.»
Im Lauf der Jahre wurde weiter optimiert: Der Maschinenpark wurde erneuert, die Beleuchtung konsequent auf LED umgestellt, Prozesse material- und energiearm ausgelegt. Und doch blieb eine Frage: Wo steht das Unternehmen gesamthaft in Sachen Energieeffizienz – und welches Potenzial ist noch ungenutzt?
Eco-Check als Sprungbrett
Den Anstoss gab der langjährige Kundenbetreuer der Zürcher Kantonalbank. Er kennt das Unternehmen und wusste, dass das Thema Nachhaltigkeit dort verankert ist. Seine Empfehlung: ein Eco-Check. Das Angebot von Reffnet.ch exklusiv für ZKB-Firmenkunden liefert kostenlos und schnell einen Überblick über die wichtigsten Umwelt- und Einsparpotenziale.
«Der Eco-Check war ein gutes Sprungbrett», sagt Rüthemann. «Er hat uns bestätigt, was wir intuitiv schon wussten – zum Beispiel, dass eine Photovoltaikanlage Sinn macht. Spannend waren aber vor allem die Hinweise auf weniger offensichtliche Stellschrauben, etwa bei der Regelung der Radiatoren oder der Luftheizapparate.» Gleichzeitig wurde klar: Für Investitionsentscheide braucht es mehr als qualitative Hinweise. Es braucht Zahlen.
PEIK: Vom Bauchgefühl zur massgeschneiderten Roadmap
Deshalb entschied sich Rüthemann Technics im nächsten Schritt für eine vertiefte PEIK-Energieberatung. PEIK ist das KMU-Energieberatungsprogramm von EnergieSchweiz; die ZKB beteiligt sich an den Beratungskosten.
Energieberater Simon Alge analysierte den Betrieb umfassend. Das Resultat: ein Bericht mit zwölf konkreten Massnahmen, inklusive Investitionskosten, erwarteten Einsparungen und Amortisationszeiten. «Unser Ziel ist es, KMU eine Entscheidungsgrundlage zu geben, die sie sofort nutzen können», sagt Energieberater Simon Alge. «Nicht Theorie, sondern ein Fahrplan mit Prioritäten, Kosten und Nutzen.»
Für Thomas Rüthemann war genau das entscheidend: «Spannend war, die nackten Zahlen zu sehen», erinnert sich Rüthemann. «Unsere Energiekosten liegen bei rund 60'000 Franken pro Jahr. Und es wird sehr konkret aufgezeigt, welche Massnahme wie viel Energie und wie viele Franken spart – und nach wie vielen Jahren sie sich rechnet.»
Die Kombination mit der Wärmepumpe und der Laser-Abwärme – das hat der Berater schön als Gesamtsystem gedacht. Am Schluss haben wir ein Konzept, mit dem wir einen grossen Teil unseres Energiebedarfs selbst decken können.
Thomas Rüthemann, Leiter Entwicklung sowie Finanzen & Personal bei der Rüthemann Technics AG
Zwei Hebel mit grosser Wirkung
Als wichtigste Massnahme empfiehlt die PEIK-Analyse den Ersatz der Gasheizung durch eine zentrale Luft/Wasser-Wärmepumpe. Das Besondere: Die neue Anlage soll auch die Abwärme der Laserschneidmaschine nutzen, die heute ungenutzt an die Umgebung abgegeben wird. Mit Förderbeiträgen reduziert sich die Investition deutlich. Die Analyse zeigt eine Amortisation in rund sieben bis acht Jahren.
Der zweite grosse Hebel liegt auf dem Dach: Beide Flachdächer eignen sich sehr gut für eine Photovoltaikanlage. Mit einer Anlage im Bereich von 80 kWp (Kilowatt-Peak) könnte Rüthemann Technics einen grossen Teil des eigenen Strombedarfs decken und Überschüsse ins Netz einspeisen. Auch hier liegt die grobe Payback-Zeit bei unter zehn Jahren.
«Dass sich eine PV-Anlage lohnt, war uns klar», meint Rüthemann. «Aber die Kombination mit der Wärmepumpe und der Laser-Abwärme – das hat der Berater schön als Gesamtsystem gedacht. Am Schluss haben wir ein Konzept, mit dem wir einen grossen Teil unseres Energiebedarfs selbst decken können.»
Viele kleine Stellschrauben mit kurzer Amortisation
Neben diesen beiden Schlüsselmassnahmen identifizierte die PEIK-Analyse eine Reihe kleinerer Optimierungen – etwa bei Druckluft, Heizregelung und Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge der Mitarbeitenden. Typisch: überschaubare Investitionen, jährliche Einsparungen im vierstelligen Frankenbereich und Amortisationszeiten zwischen rund drei und zehn Jahren.
«Das sind Beispiele, wo man als KMU nicht einfach von selbst draufkommt», sagt Rüthemann. «Wir merken zwar, dass es manchmal heizt, obwohl es gar nicht müsste. Aber wie man die Anlage konkret optimiert – dazu braucht es Fachwissen.»
Mehr als Technik: Effizienz als Teil der DNA
Für Rüthemann Technics ist Energieeffizienz kein Projekt, das irgendwann abgeschlossen ist. Sie ist Teil der täglichen Arbeit – und der Unternehmenskultur. In regelmässigen Informationsveranstaltungen spricht die Geschäftsleitung mit allen Mitarbeitenden über Auftragslage, aber auch über Themen wie Energie und Nachhaltigkeit. «Wir wollen, dass Umwelt, Gesellschaft und Wirtschaft im Gleichgewicht bleiben – für die kommenden Generationen», sagt Thomas Rüthemann. «Dafür trägt jedes Unternehmen und jede Person Verantwortung.»
Das Beispiel Rüthemann Technics zeigt, wie das Engagement der Zürcher Kantonalbank KMU konkret unterstützt:
- Niedrige Einstiegshürde: Der Eco-Check ermöglicht einen schnellen Überblick, ohne den Betrieb zu überfordern.
- Klare Entscheidungsgrundlagen: Die PEIK-Beratung übersetzt Energiefragen in verständliche Massnahmen und Zeithorizonte.
- Finanzielle Entlastung: Förderbeiträge und Beteiligung der ZKB an den Beratungskosten helfen, den ersten Schritt zu machen.
Oder wie es Thomas Rüthemann zusammenfasst: «Wir werden nicht alles von heute auf morgen umsetzen. Aber wir wissen jetzt genau, wo wir ansetzen können – und dass jeder Franken in Effizienz und Klimaschutz gut investiert ist.»