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CIO-Meinung: Weckruf an der Zapfsäule

Steigende Spritpreise treffen uns im Alltag – doch sie sind mehr als nur ein Ärgernis an der Zapfsäule. Sie entlarven unsere gefährliche Abhängigkeit von fossilen Energien und Krisenregionen. Der Schmerz im Portemonnaie könnte genau der Impuls sein, der endlich den längst überfälligen Wandel in unserer Energieversorgung auslöst.

Text: Dr. Anja Hochberg

Bild: Christian Grund

Schock an der Zapfsäule, weil die Preise für Benzin und Diesel neue Höchststände erreichen. Volltanken wird zur finanziellen Belastung. Genau hier zeigt sich ein bekannter Mechanismus: Oft ändern wir erst dann etwas, wenn es wirklich notwendig ist. In der Theorie nennt man das «Consumer Smoothing Hypothesis». Sie geht davon aus, dass der Mensch seinen gewohnten Lebens­standard auch in Zeiten temporärer Krisen beibehalten will.

Das kann etwas Gutes haben – genau dann, wenn ein kurzfristiger Schock eintritt. Passt man sein Konsumv­erhalten direkt an und gibt beispiels­weise aufgrund eines temporär einge­schränkten Einkommens weniger aus, würde man den Original­schock in der Volkswirtschaft quasi multi­plizieren. Glättet man hingegen seinen Konsum und geht davon aus, dass es auch wieder Verbesserungen beim Einkommen gibt, wirkt dies automatisch als Stabilisator im System.

Wenn Glätten schadet statt nützt


Anders ist es hingegen bei strukturellen Veränderungen. Hier hilft eine Glättung nicht, sondern verzögert im Gegenteil wichtige Anpassungs­prozesse. Fossile Brenn­stoffe sind ein solches Thema. Zum einen sind sie endlich und belasten unsere CO2-Bilanz. Zum anderen zeigt uns die aktuelle Entwicklung deutlich, wie abhängig wir nach wie vor davon sind. Der Energiemix in der Schweiz weist zwar deutlich weniger fossile Brennstoffe auf als die USA, Europa oder China. Gleichwohl wird der Preis auf dem Weltmarkt verhandelt und trifft damit auch uns. Der vorge­zeichnete Weg ist alternativlos: Weg von fossilen Energie­trägern und hin zu einer geringeren Abhängigkeit von Krisen­regionen, einer verlässlichen, sauberen und bezahlbaren Energie­versorgung – auch bei der Elektrizität.  

Anja Hochberg

Investi­tionen in erneuer­bare Energie sind kein «nice to have» mehr, sondern zwingend nötig

Dr. Anja Hochberg, CIO

Zögern wird immer teurer

Solange Strom und Treibstoff verlässlich und günstig fliessen, fehlt der Druck zur Veränderung. Langfristige Investi­tionen in erneuerbare Energien, Netzausbau, Speicher­technologien und höhere Energie­effizienz sind der Weg zu mehr Unabhängig­keit. Zu lange wurden sie als «nice to have» behandelt – wichtig, aber nicht dringend. Heute zeigt sich, wie teuer dieses Zögern ist. Die Folgen des Iran-Kriegs führen uns schonungslos vor Augen, wie fragil unsere Energie­versorgung und die globalen Liefer­ketten sind. Jede Eskalation, jede Blockade wichtiger Transport­wege und politische Spannungen in ölreichen Regionen schlagen direkt auf die Preise durch. Jede verzögerte Investition in erneuerbare Energien, in Wärme­pumpen, Speicher, Netze, Effizienz und in intelligente Mobilität verlängert unsere Abhängig­keit von Krisen­regionen und damit die Phase der Schmerzen. Sie machen deutlich, dass unser bisheriges Modell der Energie­versorgung langfristig nicht zukunfts­fähig ist. Bleiben Sie energetisch!

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