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Stewardship Insights 2026 – Die wichtigsten Erkennt­nisse im Überblick

Stewardship wird nicht mehr über einzelne Engage­ments definiert, sondern entwickelt sich hin zu einem prozess­getriebenen Ansatz. Unsere jährlichen Auswert­ungen von 40–50 internationalen Asset Managern zeigen ein klares Bild: Die Qualität von Stewardship nimmt insgesamt zu, doch die Fortschritte verlaufen ungleich – zwischen Regionen, Themen und Anlage­klassen. Nachfolgend einige Einblicke von Stewardship-­Spezialistin, Sarah Spirig.

Text: Sarah Spirig

Paraglider in den Bergen
Bild: Istockphoto, GettyImages

Untersucht wurden wie jedes Jahr die drei Dimensionen: Transparenz & Glaub­würdigkeit, Voting und Engagement. Im historischen Vergleich sind die Scores tendenziell gestiegen seit dem letzten Jahr. In der folgenden Grafik ist ersichtlich: Engagement ist weiterhin der stärkste Bereich (gemessen an Scores), da es bei den meisten Asset Managern fest verankert ist. Die Dimension Voting dagegen bleibt der Nachzügler. Der über das letzte Jahr beobacht­bare Anstieg an Durchschnitts­cores ist darauf zurückzuführen, dass Stewardship-­Aktivitäten insgesamt strukturierter erfolgen und Prozesse klarer definiert sind. 

Die Werte haben sich in allen Dimen­sionen positiv entwickelt, mit Ausnahme von Voting

Historische Entwicklung der Stewardship-­Scores
 

Quelle: Zürcher Kantonalbank

Was ist die Stewardship Scorecard?

Die Scorecard dient dem Zweck der jährlichen Stewardship-­Bewertung der Asset Manager. Dabei können in den drei Dimen­sionen Transparenz & Glaub­würdigkeit, Voting und Engage­ment jeweils Scores von 0 bis 6 erzielt werden (wobei 0 den niedrigsten und 6 den höchsten Wert darstellt). Der Gesamtscore ergibt sich als gleich­gewichteter Durchschnitt der drei Dimensionen­scores.

Regionale Unter­schiede bleiben bestehen

Regional bleiben die Unterschiede deutlich (vgl. Grafik). Europäische und britische Asset Manager führen in allen Dimen­sionen, besonders bei Transparenz & Glaub­würdigkeit. Schweizer Manager liegen im Mittelfeld, während US-Manager klar zurückfallen. Das hat viel mit politischen Entwicklungen und regulatorischen Rahmen­bedingungen zu tun. In Europa und im Vereinigten Königreich sind Erwartungen von Asset Ownern an Stewardship und Offen­legung weiter fortge­schritten; ESG-Themen werden somit breiter in Voting- und Engagement-­Richtlinien verankert. In den USA sind der Nachhaltigkeits-­Fokus und die Unterstützung von ESG-Aktionärs­anträgen deutlich geringer, insbesondere im Umwelt- und Sozial­bereich.

Europäische und britische Asset Manager sind in allen Dimen­sionen führend

Durchschnitt­liche Scores nach Region

Quelle: Zürcher Kantonalbank

Ressourcen und Unternehmens­grösse sichern nicht unbedingt bessere Ergebnisse

Ein zentrales Ergebnis unserer Analyse stellt ein verbreitetes Vorurteil infrage: Weder Unternehmens­grösse (gemessen an AuM) noch die Anzahl dedizierter Stewardship-­FTEs korrelieren eindeutig mit höheren Stewardship-­Scores. Daraus kann man schliessen: Mehr Ressourcen führen nicht automatisch zu besserer Qualität. Anders sieht es bei der inhaltlichen Ausrichtung aus. Asset Manager mit klar definierten Klima- oder Transition-­Zielen erzielen tendenziell höhere Scores, obwohl unser Scorecard-­Profil primär Prozesse und Strategien bewertet und nicht spezifische Nachhaltigkeits­metriken. Dies legt nahe, dass ambitionierte Klima­strategien häufig mit struktu­rierteren, ganz­heitlichen Stewardship-­Ansätzen einhergehen. Qualität entsteht also weniger durch Grösse, sondern durch klare Ziele und konsequente Umsetzung.

Voting und Engagement-­Themen sind nicht voll­ständig aligniert

Während Governance-­Themen sowohl in Voting- als auch in Engagement-­Policies gut vertreten sind, zeigen sich bei E- und S-Themen deutliche Unterschiede (vgl. Grafik). Am grössten ist die Diskrepanz bei Umwelt­themen, die wesentlich häufiger als Engagement-­Prioritäten im Gegensatz zu Voting-­Prioritäten gesetzt werden. Dies lässt darauf schliessen, dass die Ansätze beim Voting und Engagement noch nicht vollständig aufeinander abgestimmt sind.

Voting-Richtlinien konzentrieren sich häufig auf Governance, während Engagement-­Richtlinien breitere ESG-Themen umfassen

Voting- und Engagement-­Themen aufgeteilt in ESG-Kategorien

Quelle: Zürcher Kantonalbank

Fixed Income Steward­ship rückt vermehrt in den Fokus

Obwohl die Stewardship-­Aktivitäten im Fixed-Income-­Bereich weiterhin etwas zurück­bleiben, zeigt unsere diesjährige Analyse, dass erhebliche Fortschritte erzielt wurden. Fast 60% der bewerteten Asset Manager gaben an, über eine spezifische Fixed-Income-­Engagement-Policy zu verfügen – eine Verdoppelung gegenüber dem Vorjahr.

Implikationen für Asset Owner

Für Asset Owner haben diese Entwicklungen mehrere Konse­quenzen. Einerseits reichen traditionelle Indikatoren für Qualität – etwa Grösse, Anzahl FTEs oder prominente Mitglied­schaften in Branchen­initiativen – nicht aus, um effektive Stewardship-Praxis zu beurteilen. Entscheidend ist ein Blick in die Tiefe: Welche Schwerpunkt­themen werden gesetzt? Wie sind Voting und Engagement miteinander verzahnt? Welche Eskalations­logik wird verfolgt? Andererseits stellt die wachsende Vielfalt an Tools – von Pass-Through-Voting über KI-gestützte Analysen bis hin zu ausgelagerten Engagement­modellen – neue Fragen an Governance, Verantwortlichkeit und Interessen­ausrichtung. Asset Owner sind gefordert, genau zu klären, wer wann in wessen Namen entscheidet und wie sichergestellt wird, dass Stewardship mit den eigenen langfristigen Zielen und Werten übereinstimmt.

Take-aways für Asset Manager

Zukunftsfähige Stewardship-­Ansätze sollten demnach alle wesentlichen Anlageklassen umfassen. Der Dialog mit Unternehmen zu strategisch wichtigen Themen sollte unabhängig davon, wie das Kapital zur Verfügung gestellt wird, genutzt werden. Das erfordert eine klare Vision, strukturierte Prozesse und Transparenz über Ergebnisse. Hochwertige Stewardship-Praxis entsteht dort, wo Asset Manager eine holistische Perspektive einnehmen, klare Ziele definieren – insbesondere in Bezug auf Klima und andere systemische Themen – und Voting, Engagement und Trans­parenz konsistent über Anlage­klassen hinweg miteinander verbinden.

Stewardship Insights 2026 zum Download

Weitere Aus­wertungen und vertieftere Ergebnisse – auch zu den drei Bewertungs­dimensionen – sind in der dies­jährigen Studie «Stewardship Insights» zu finden (nur in englischer Sprache verfügbar)

Key Messages

Wichtigste Punkte im Überblick

  • Stewardship wird zunehmend strukturierter und prozess­orientierter, was sich überwiegend in höheren durchschnitt­lichen Scores wider­spiegelt.
  • Regionale Unterschiede bleiben bestehen: Europäische und britische Asset Manager liegen in allen Dimen­sionen vorne, Schweizer Manager nehmen eine Mittel­position ein, während US-Manager zurückliegen.
  • Ressourcen allein garantieren keine Qualität: Weder Unternehmens­grösse noch die Anzahl der Stewardship­-FTEs korrelieren klar mit höheren Stewardship-­Scores – im Gegensatz zu expliziten Klimazielen.
  • Voting- und Engagement-Prioritäten sind nicht vollständig aufeinander abgestimmt: Umwelt- und Sozialthemen sind in Engagement-­Policies stärker vertreten, während Governance-­Themen in Voting-Policies und Engagement-­Policies dominieren.
  • Stewardship im Bereich Fixed Income holt auf: Immer mehr Asset Manager verfügen über spezifische Richtlinien, die tatsächliche Praxis bleibt jedoch hinter dem Stewardship-­Niveau im Aktien­bereich zurück.

 

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