Zum Hauptinhalt springen

Nicht alles auf eine Karte setzen: Diversifikation

Aktien bieten langfristig attraktive Rendite­chancen, weisen jedoch höhere Kurs­schwankungen auf als Obligationen. Durch eine breite Streuung über verschiedene Anlage­klassen und Währungen hinweg lassen sich Rendite­chancen gegenüber den Risiken optimieren. Globale Unternehmens­anleihen und Gold eignen sich dabei als attraktive Beimischung im Anlage­portfolio.

Text: Simon Lustenberger

aerial top view, Expressway road intersection, traffic in bangkok at night, Chaiyaphruek road, nonthaburi,  thailand.
Verschiedene Bedürfnisse nach Risiko und Rendite können mit dem richtigen Mix aus verschiedenen Anlageklassen gezielt gesteuert werden (Bild: Getty Images)

In den letzten 25 Jahren hat sich eine Investition in den globale Aktienmarkt­index (in US-Dollar) um mehr als das 5.5-Fache vermehrt, während eine Investition in den globalen Obligationen­index auf etwa das 2.5-Fache gewachsen ist. Sollte man also alles auf eine Karte setzen?

Natürlich nicht, denn Anlegerinnen und Anleger haben ganz unterschiedliche Ziele und Bedürfnisse, was Risiko und Rendite betrifft. Diese beiden Faktoren können mit dem richtigen Mix aus verschiedenen Anlage­klassen gezielt gesteuert werden. Ein diversifiziertes Portfolio verhindert dabei, dass ein einziges Ereignis das gesamte Anlage­vermögen stark reduziert.

Mehr Glanz bei globalen Unternehmens­anleihen

Anleihen gelten traditionell als bevorzugtes Instrument, um Stabilität und Sicherheit in ein Portfolio zu bringen. Dank regelmässiger Coupon­zahlungen tragen sie zu einem verlässlichen Einkommen bei und stabilisieren die Gesamt­rendite. Ausserhalb der Schweiz bieten erstklassige globale Unternehmens­anleihen mit geringen Kreditausfall­risiken sowohl attraktive Erträge als auch Diversifikations­vorteile (vgl. Grafik). Globale Unternehmens­anleihen, die zum Grossteil in US-Dollar gehandelt werden, rentierten 2025 durchschnittlich mit 4 bis 5 Prozent. Im Vergleich zu Staats­anleihen weisen sie kürzere Lauf­zeiten auf, weshalb ihre Preise, beispiels­weise bei Zins­änderungen, weniger schwanken.

Obligationen bieten wertvolle Diversifikations­beiträge

Korrelation unterschiedlicher Anlage­klassen mit dem Aktien­index Global (MSCI World) während der letzten 10 Jahre

*CHF hedged / Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Die Bilanzen der Unternehmen bleiben unserer Ansicht nach robust, und zusammen mit der für das Jahr 2026 erwarteten stabilen Konjunktur­lage rechnen wir weiterhin mit einer soliden Kredit­qualität. Dies trägt dazu bei, dass die Risiko­prämien relativ zu Staats­anleihen eng bleiben. Chancen auf Kursgewinne bei Unternehmens­anleihen könnten sich mit dem Fortsetzen der US-Zins­senkungen in den nächsten Monaten ergeben. Zinssenkungen verbessern die Refinanzierungs­bedingungen und führen in der Regel zu Zuflüssen in Unternehmens­anleihen. Die damit einhergehenden rückläufigen Verfalls­renditen im USD-Währungs­raum könnten Kursgewinne bei Unternehmens­anleihen ermöglichen. Aus Sicht von Investorinnen und Investoren mit Referenz­währung Schweizer Franken ist die Währungs­entwicklung von besonderer Bedeutung. Währungs­gesicherte Investitionen in globale Anleihen bieten Chancen, die Portfolio­risiken zu reduzieren. Trotz der Kosten für die Währungs­absicherung, die im nächsten Jahr weiter sinken dürften, bieten globale Unternehmens­anleihen bei den aktuellen Verfalls­renditen attraktive Ertrags­aussichten.

Simon Lustenberger, Leiter Anlagestrategie Investment Solutions (Bild: Christian Grund)

Chancen auf Kursgewinne bei Unternehmens­anleihen könnten sich mit dem Fortsetzen der US-Zins­senkungen in den nächsten Monaten ergeben

Simon Lustenberger, Anlagestratege

Gold ist mehr als eine Krisenwährung

Das gelbe Edelmetall gilt besonders in unsicheren Zeiten als sicherer Hafen, da sein Preis wenig mit anderen Anlage­klassen korreliert ist und die Risiken im Gesamt­portfolio reduziert. Der Preis kann zwar stark schwanken oder fallen, nur eben nicht im Gleichschritt mit Aktien, Anleihen oder den meisten anderen Rohstoffen. Gold hat sich in letzter Zeit etwas von seinem Status als reine Krisenwährung gelöst und sich in verschiedenen Markt­phasen bewährt. Während sich das konjunkturelle Umfeld und die Aktien­märkte 2025 positiv entwickelten, hat Gold regelrechte Höhen­flüge hingelegt. In vielen Portfolios – wie beispielsweise den amerikanischen und Schweizer Vorsorge­geldern – weist Gold im Vergleich zu den traditionellen Anlage­klassen noch einen geringen Anteil auf. Es dürfte deshalb auch im nächsten Jahr mehr Aufmerksam­keit erhalten. Dies nicht zuletzt, um als Diversifikation für US-Staats­anleihen zu dienen. Mit einer zunehmenden Staats­verschuldung sind die Investorinnen und Investoren auf der Suche nach einer harten Währung, deren Angebot sich nicht beliebig erweitern lässt.

Das Interesse von Zentral­banken sowie Investorinnen und Investoren am knappen Goldangebot dürfte auch 2026 für weiteres Aufwärts­potenzial beim Goldpreis sorgen. Insbesondere die Käufe der Noten­banken in den Schwellen­ländern verleihen dem Edelmetall entsprechenden Rückenwind. Gemäss einer Umfrage des World Gold Council (WGC) wird Gold als strategischer Vermögens­wert von den Zentral­banken vor allem aus drei Gründen geschätzt: wegen seiner Performance in Krisen­zeiten, seiner Fähigkeit als Wertspeicher und seiner Eigenschaft als wirksames Diversifikations­instrument (vgl. Grafik).

Neben Zentralbanken zählen auch private und institutionelle Investoren weiterhin zu den Goldkäufern. Allerdings sind die Goldfonds von ihren Höchst­beständen nach Ausbruch der Corona­pandemie noch 400 Tonnen entfernt. Mit dem Zinssenkungs­zyklus der US-Notenbank (Fed) und der erratischen Politik unter Präsident Donald Trump rechnen wir mit einem weiteren Investitions­anstieg in Richtung der bisherigen Höchststände.

Gold kann Portfolio­schwankungen glätten

Portfolio­volatilität mit Beimischung von Gold (in %) in einem 50/50-Obligationen­-Aktien­portfolio

 

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Silber befindet sich als indu­strielles Edelmetall im Hoch

Rohstoffe haben sich insbesondere in Zeiten hoher Inflation als wertvolle Ergänzung im Portfolio erwiesen und zur Diversifikation beigetragen. Im aktuell mehrheitlich moderaten Inflations­umfeld weisen Energie­rohstoffe und Industrie­metalle in ihrer Preis­entwicklung häufig eine enge Kopplung an den Aktienmarkt auf. Ihre Nachfrage hängt von der konjunkturellen Entwicklung, sprich von der Industrie ab. Silber ist ein Beispiel für ein Edelmetall mit derzeit hoher Industrie­nachfrage. Angesichts der zunehmenden Verwendung dieses Edelmetalls in wachstums­starken, nicht zyklischen Sektoren wie 5G-Technologie, Photovoltaik, Batterien, Elektro­fahrzeugen und Halbleitern für künstliche Intelligenz dürfte der Industrie­bedarf in Zukunft stabiler ausfallen, was dem Diversifikations­effekt dient. Unterstützung erhält der Silber­preis durch das strukturelle Angebots­defizit. Vor dem Hintergrund eines anhaltenden Nachfrage­wachstums wird das Angebot von Silber unseres Erachtens kaum Schritt halten können.

Kategorien

Anlegen