Grönland: Die USA drohen wieder mit Zöllen
Die Ruhe nach der Handelseinigung zwischen der EU und den USA ist vorbei: Wegen des US-Versuchs, Grönland zu annektieren, droht Trump ab 2026 mit Strafzöllen auf Exporte aus acht EU-Ländern. Die EU plant Vergeltungsmassnahmen.
Text: Manuel Ferreira
Die Ruhe nach der Handelseinigung zwischen der EU und den USA im vergangenen Sommer ist bereits wieder vorbei. Da Europa und Grönland sich gegen den Versuch der USA, Grönland zu annektieren, zur Wehr setzen, droht Donald Trump mit neuen Strafzöllen.
Demnach sollen ab dem 1. Februar 2026 gegen acht europäische Länder (Dänemark, Norwegen, Schweden, Frankreich, Deutschland, das Vereinigte Königreich, die Niederlande und Finnland) zusätzliche Zölle in Höhe von 10 Prozent auf Exporte in die USA erhoben werden. Falls bis dahin keine Verkaufsvereinbarung zu Grönland erreicht wird, sollen ab Juni 25 Prozent erhoben werden.
Die EU kündigte ihrerseits Vergeltungsmassnahmen an. Zur Diskussion stehen Zölle auf US-Güterexporte in die EU im Wert von rund 100 Mrd US-Dollar sowie weitere Handelsrestriktionen für US-Dienstleistungen. Bisher haben sich die europäischen Entscheidungsträger jedoch noch nicht abschliessend entschieden, welche Massnahmen umgesetzt werden sollen.
Wie schätzen wir die Lage ein?
Während die ersten Giftpfeile aus den USA gegen Europa und insbesondere gegen den politischen Kurs der EU durchaus auch Zustimmung in Europa fanden, ist der Widerstand gegen eine Annexion Grönlands geschlossen. Selbst europäische Trump-Sympathisanten kritisieren das Vorgehen der USA. Neben den völkerrechtlich kritischen Aspekten rührt das breite Unverständnis für das Handeln der USA daher, dass es als Misstrauensvotum gegen die NATO verstanden wird. Eine Stärkung der militärischen Präsenz der USA in Grönland ist bereits jetzt möglich und wurde jüngst erneut zugesichert. Dies kann in Zusammenarbeit mit der NATO sogar noch konzentrierter erfolgen. Europa befürchtet, dass sich die USA aus der NATO zurückziehen könnten, wenn ihre Präsenz in der Arktis nicht mehr unter NATO-Koordination laufen muss. In diesem Fall könnten auch die Sicherheitsgarantien der USA in Osteuropa wegfallen. Vor diesem Hintergrund ist zu erwarten, dass Europa deutlicher gegen die US-Drohungen vorgehen wird als am Liberation Day. Obwohl der Handelskonflikt zwischen den USA und Europa wieder zu eskalieren droht, bleibt noch Zeit für Gespräche. Zudem ist die Legitimation für das Handeln der USA auch aus innenpolitischer Perspektive zu prüfen. So muss die Finanzierung für einen Kauf Grönlands vom US-Kongress genehmigt werden und es bleibt abzuwarten, ob die neuen Strafzölle vom US-Gericht als gerechtfertigt eingestuft werden.
Wie reagieren die Finanzmärkte?
Als erste Reaktion am Montagmorgen wurde an den Finanzmärkten Sicherheit gesucht. Der Goldpreis stieg auf ein neues Allzeithoch. Der Franken war die stärkste Währung und legte gegenüber dem US-Dollar zu. Der Greenback gab allerdings auch gegenüber allen anderen grossen Währungen ab. Ein Muster, das bereits unmittelbar nach dem Liberation Day im April 2025 beobachtet werden konnte. Aktienmärkte in Asien schlossen überwiegend leicht tiefer. Die europäischen Aktienmärkte liegen moderat im negativen Bereich und der Schweizer Markt leicht im Minus. Die US-Börsen sind heute geschlossen. Nachdem die Volatilität in vielen Märkten zu Jahresbeginn auf einem tiefen Niveau notierte, dürfte mit der neusten Eskalation im Handelsstreit wieder mit mehr Schwankungen zu rechnen sein.
Geopolitik fordert robustes makroökonomisches Umfeld heraus
Das Wirtschaftswachstum ist weltweit robust, die Inflation weitgehend unter Kontrolle und die Zinsen sinken eher, als dass sie steigen. Dies bildet ein Gegengewicht zu den von den USA angedrohten Zöllen, möglichen Vergeltungsmassnahmen der EU und den steigenden geopolitischen Spannungen. Während die geopolitischen Entwicklungen ungewiss sind und nicht immer relevante Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben, führen Handelshemmnisse zu wirtschaftlichen Effizienzverlusten, die sich an den Finanzmärkten in Form von Anlagezurückhaltung niederschlagen können. Wir beobachten die geopolitischen Entwicklungen, die Anspannungen im erneuten Handelsstreit zwischen den USA und Europa sowie deren Auswirkungen auf die Finanzmärkte sehr genau, werden aber keine überstürzten Änderungen an der Ausrichtung unserer Anlageportfolios vornehmen.