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KI in Zürcher KMU: Technologie allein reicht nicht

Zürcher KMU stehen KI mehrheitlich positiv gegenüber – doch ohne qualifizierte Mitarbeitende und praktischem Know-how bleibt ihr Potenzial ungenutzt. Der KMU ZH Monitor 2026 zeigt, wo Unternehmen heute stehen und wo sie Unterstützung brauchen.

Text: Simone Wyder

KI schafft Freiräume: Mit gezieltem Einsatz und qualifizierten Mitarbeitenden können KMU ihr Potenzial entfalten und sich auf das Wesentliche konzentrieren – den direkten Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden. (Bild: Getty Images)

«Früher musste ich viele Arbeitsschritte in der Buchhaltung und im Data Research selbst erledigen. Heute überprüfe ich vor allem noch den Output – die KI erledigt den Rest», sagt Severin Schefer, Geschäftsführer & Partner bei der Webkönig AG, einer Webdesign-Agentur in Winterthur. Die Webkönig AG beschäftigt sich seit einigen Jahren mit Automatisierung und künstlicher Intelligenz – lange bevor der grosse Hype eingesetzt hat. Für Schefer ist klar: KI entlastet das Team und schafft Raum für die Arbeit mit Kundinnen und Kunden.

Vertiefte Analyse zu KI bei KMU

Die jährliche Studie «KMU ZH Monitor» der ZHAW wird im Auftrag der Zürcher Kantonalbank erstellt und untersucht die Lage der KMU im Kanton Zürich. Sie liefert 2026 eine vertiefte Analyse zum Umgang von Zürcher KMU mit künstlicher Intelligenz. An der Befragung, die zwischen März und April 2026 durchgeführt wurde, nahmen 1287 Unternehmen teil – so viele wie noch nie.

Einstellungen statt Entlassungen

Man mag sich allgemein schon gefragt haben, ob KI uns ersetzen kann. Für Zürcher KMU zeichnet der KMU ZH Monitor 2026 ein anderes Bild: Unternehmen, die KI positiv gegenüberstehen, rechnen häufiger mit mehr Stellen als mit weniger.

Denn für kleinere und mittlere Betriebe ist KI weniger ein Instrument zum Abbau von Stellen als ein Hebel, um knappe Ressourcen besser zu nutzen. Zudem wollen 48 Prozent der Zürcher KMU mit KI die Qualität steigern. Wachstum wird so überhaupt erst möglich.

Gleichzeitig bremst der Fachkräftemangel viele Betriebe bei der Einführung von KI aus. 40 Prozent der KMU nennen fehlendes Know-how als wichtigste Hürde. Für diese Betriebe wird KI zur doppelten Herausforderung: Sie müssen den Alltag mit knappen Ressourcen bewältigen und gleichzeitig eine neue Technologie implementieren.

Mehrheitlich positive Haltung

Über die Hälfte der Unternehmen beurteilt den Einsatz von KI grundsätzlich wohlwollend – quer durch Branchen und Grössenklassen. Unternehmen mit positiver KI-Haltung erwarten zudem häufiger steigende statt sinkende Investitionen, während KI-kritische Betriebe eher mit sinkenden Investitionen rechnen. Wer finanziell und personell besser aufgestellt ist, kann eher in KI investieren – und blickt entsprechend optimistischer auf die Technologie.

KMU sehen den Nutzen von KI vor allem im Kundenkontakt und in der Produktion. Gleichzeitig gewinnt KI im Jahr 2026 auch in Management sowie Forschung und Entwicklung an Bedeutung.

Hoher Unterstützungsbedarf – vor allem bei Praxisbedarf

Als vergleichsweise neue Technologie wirft KI noch viele Fragen auf. Entsprechend gross ist der Wunsch der KMU nach Unterstützung. Am stärksten nachgefragt sind praxisnahe Hilfestellungen wie konkrete Anwendungsbeispiele, Hilfe bei rechtlichen und regulatorischen Fragen sowie der Erfahrungsaustausch.

«Jedes Abenteuer in die KI-Welt beginnt mit einer Investition in Ressourcen wie Know-how, Zeit oder Datensicherheit. Die Daten zeigen, dass gerade hier die grössten Hürden liegen», sagt Studienleiter Dr. Patrick Chardonnens von der ZHAW.

Im Rahmen der Initiative KMU ZH hat die Zürcher Kantonalbank Frühstücksevents und Praxisseminare «KI für KMU» angeboten. Im Praxisseminar erfahren Unternehmerinnen, Geschäftsführer und Führungskräfte, wie sie KI konkret und effizient im eigenen Betrieb einsetzen können – vorbereitet durch ein kurzes Online-Training zu den Grundlagen der KI.

Severin Schefer hat dieses Jahr beim Praxisseminar «KI für KMU» teilgenommen. Er sagt: «Der Austausch mit anderen KMU war für mich sehr bereichernd. Es ist spannend zu sehen, wie weit andere sind und wo sie KI konkret einsetzen. Zudem konnten wir für den Bau von KI-Agenten vom Expertenwissen der Seminarleitung profitieren»

Der Austausch mit anderen KMU war für mich sehr bereichernd. Es ist spannend zu sehen, wie weit andere sind und wo sie KI konkret einsetzen. Zudem konnten wir für den Bau von KI-Agenten vom Expertenwissen der Seminarleitung profitieren.

Severin Schefer, Geschäftsführer & Partner bei der Webkönig AG

Fazit aus der Studie

Die Ergebnisse des KMU ZH Monitor 2026 zeigen: Die Einführung von KI ist für KMU nicht primär ein Technikprojekt. Ebenso wichtig sind Menschen, Prozesse und der Zugang zu Wissen. Daraus lassen sich drei Punkte ableiten:

  1. In Menschen investieren – nicht nur in Technologie
    KI entfaltet ihr Potenzial nur mit qualifizierten Mitarbeitenden. Weiterbildung, gezielter Aufbau von KI-Kompetenzen und attraktive Arbeitsbedingungen sind zentrale Erfolgsfaktoren.
  2. Klein anfangen, gross denken
    Der Fokus vieler KMU auf Kundenkontakt und Produktion ist sinnvoll: Hier sind Nutzen und Effekte rasch sichtbar. Erfahrungen aus Pilotprojekten helfen, schrittweise weitere Bereiche zu erschliessen.
  3. Wissen teilen und Unterstützung nutzen
    Orientierung, Erfahrungsaustausch und konkrete Beispiele sind für viele KMU mindestens so wichtig wie die Technologie selbst. Plattformen, Netzwerke und Angebote – etwa von Branchenverbänden, Hochschulen oder Finanzpartnern – können diese Lücke schliessen.

«Nicht nur zuschauen, sondern in einem geschützten Rahmen ausprobieren – aber ohne gleich überall vollen Zugriff zu geben», rät Severin Schefer anderen KMU, die am Anfang stehen. Denn: «Freigeben ist meistens einfacher, als wieder zurückholen.»

Das Beispiel der Webkönig AG zeigt: Wer früh beginnt, gezielt experimentiert und gleichzeitig Datenschutz- und Regulierungsthemen im Blick behält, kann KI Schritt für Schritt in den Alltag integrieren. Das schafft Freiräume für die eigentliche Kernaufgaben wie den direkten Austausch mit den Kundinnen und Kunden und deren optimale Beratung.

ZKB-Angebote: KI für KMU

Im KMU ZH Monitor identifiziert die Zürcher Kantonalbank jährlich gemeinsam mit der ZHAW die wichtigsten KMU-Themen und erarbeitet dazu praxisnahe Lösungsansätze.

Mehr Informationen: www.zkb.ch/kmu-wissen