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KI-Erträge bestätigen Investitions­boom

Die Hyper­scaler wie Amazon und Microsoft investieren weiter massiv in Künstliche Intelli­genz und beflügeln damit den Aktien­markt. Erste Erfolge zeigen sich, doch wie nachhaltig ist der Hype?

Text: Felix Jäger

Futuristic Ai Cyborg. 3D generated image.
Bild: istock / GettyImages

Keine Gruppe von Aktien prägt den globalen Aktienmarkt zurzeit so stark wie die Hyperscaler. Denn sie sind zentral in der KI-Wertschöpfungs­kette. Ihre Investitionen in die Entwicklung von KI sorgen für eine enorme Nachfrage nach allem, was für den Betrieb von Rechen­zentren benötigt wird: von Rechenchips und Elektro­technik bis hin zu Strom. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach diesen Gütern und entsprechend hoch das Gewinn­wachstum aller am Ausbau der Rechen­zentren beteiligter Branchen.

Weit mehr als die Hälfte des Gewinn­wachstums am globalen Aktienmarkt seit Jahresbeginn ist auf die an dieser Wertschöpfungs­kette beteiligten Unternehmen zurückzuführen. Für die zukünftige Entwicklung des Aktien­marktes ist es daher sehr entscheidend, wie sich die Investitionen der Hyper­scaler entwickeln und ob sie sich für die Hyper­scaler auszahlen. Sollten die Hyperscaler nämlich bei ihren Investitionen den Rückwärts­gang einlegen, wäre dies eine Bedrohung für die gesamte KI-Wertschöpfungs­kette. Sowohl bezüglich der Investitions­pläne als auch bezüglich möglicher Erträge aus diesen Investitionen hat die aktuelle Berichts­saison einige interessante Fakten zutage gefördert.

Was ist ein Hyperscaler?

Ein Hyperscaler ist ein Unternehmen, das riesige Rechenzentren für die Bereitstellung von Cloud-Infrastruktur betreibt. Hyperscaler stellen Speicherplatz, Rechen­leistung und Netzwerk­kapazität zur Verfügung, damit Kunden ihre Daten dezentral speichern und verarbeiten können. Zu den vier bedeutendsten Hyperscalern zählen Amazon (mit seiner Sparte AWS), Microsoft (mit Azure), Alphabet (mit Google Cloud) und Oracle (mit Oracle Cloud). Im Rahmen dieser Publikation wird zusätzlich Meta dazugezählt, da das Unternehmen ebenfalls stark in Rechenzentren investiert und in Zukunft ein Cloud-Business aufbauen will. Die Hyperscaler sind für die Entwicklung von KI von zentraler Bedeutung, da das Trainieren und Betreiben von KI-Modellen enorme Mengen an Rechen­leistung erfordert, die in diesem Umfang nur die Hyperscaler bereitstellen können.

Investitions­hunger unge­bremst

Bezüglich der Anlage­investitionen ist das Fazit der aktuellen Berichts­saison klar: Die Hyperscaler denken nicht daran, ihre Investitionen zu bremsen. Alphabet, Amazon und Meta haben ihre Investitions­pläne für das laufende Jahr erneut erhöht, während Microsoft seine bisherigen Pläne bestätigt hat. Insgesamt haben die Unternehmens­analysten ihre Erwartungen an die Investitionen der Hyperscaler bis 2028 im Vergleich zum Vormonat um 330 Milliarden USD nach oben korrigiert. Die Schall­mauer von 1000 Mrd. USD Investitionen pro Jahr wird gemäss den aktuellen Analysten­prognosen bereits 2027 erreicht. Dies sind gute Nachrichten für alle Unternehmen weiter oben in der KI-Wertschö­pfungskette, also für Chip­hersteller sowie für Hersteller von Elektronik und Strom für Rechen­zentren. Denn die Nachfrage der Hyperscaler nach deren Produkten wird anhalten.

Analysten sind optimistisch, dass die Investi­tionen sich auszahlen

Die entscheidende Frage für die Lang­lebigkeit des Investitions­zyklus bleibt aber: Werden sich diese Investitionen lohnen? Die Unternehmens­analysten bleiben diesbezüglich optimistisch. Dies wird deutlich, wenn man die Analysten­erwartungen bezüglich der freien Cashflows betrachtet. Der Free Cashflow zeigt, wie viel von dem Geld, das eine Firma operativ verdient, übrig bleibt, wenn man die Investitionen abzieht. Höhere Investitionen führen entsprechend zu niedrigeren freien Cashflows. Für dieses Jahr rechnen die Analysten aufgrund der hohen Investi­tionen mit einer schwarzen Null bei den freien Cashflows der Hyperscaler. Für das nächste Jahr erwarten sie sogar negative Zahlen (vgl. Grafik). Ab 2029 sollen sich die Investitionen jedoch auszahlen und 2030 wird ein neuer Höchststand erwartet. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu geniessen, da die Analysten ihre Free-Cashflow-­Erwartungen seit Beginn des Investitions­zyklus immer wieder nach unten angepasst haben.

Analysten sind optimistisch für zukünftige Cashflows

Free-Cashflow-Erwartungen in Mrd. USD (ab 2026 Analystenprognosen)

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Berichtete Umsätze steigen

Erste konkrete Zeichen für eine erfolgreiche Monetari­sierung der KI-Investi­tionen bieten die aktuellen Quartals­berichte der Hyperscaler. Das Wachstum in den relevanten Cloud-Sparten hat sich mit 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahres­quartal deutlich beschleunigt. Insgesamt betragen die annualisierten Cloud-Umsätze der Hyperscaler 460 Mrd. USD pro Jahr und nähern sich damit der Grössen­ordnung der Investitionen (aktuell 715 Mrd. USD pro Jahr) an. Zwar wäre ein grosser Teil der Cloud-Umsätze auch ohne KI erzielt worden, die Wieder­beschleunigung des Wachstums seit 2025 ist jedoch eindeutig auf die gestiegene Nachfrage nach Rechen­leistung im Zusammen­hang mit KI zurückzuführen.

Besonders beeindruckend an diesem Wachstum ist, dass es wahrscheinlich noch höher ausgefallen wäre, wenn die Hyperscaler über mehr Rechen­kapazität verfügt hätten. Mehrere von ihnen berichten, dass sie die Nachfrage nach ihren Dienst­leistungen nicht vollständig bedienen konnten. Entsprechend ist auch der Auftrags­bestand der jeweiligen Cloud-Sparten gestiegen. Damit sind Verträge für die Zukunft gemeint, die bereits jetzt abgeschlossen wurden. Der Cloud-Backlog aller Hyperscaler zusammen beträgt mittlerweile mehr als 2000 Mrd. USD. Für eine hohe Nachfrage spricht auch, dass das Umsatz­wachstum bei steigenden Margen zustande kam. Die Preise konnten also stärker angehoben werden als die Kosten gestiegen sind. Das Wachstum wurde somit nicht über Rabatte erkauft.

Bewertungen zeigen eine gewisse Skepsis am Markt

Am Aktienmarkt kommen die hohen Investitionen der Hyperscaler trotz der positiven Ergebnisse nicht gut an. Die Bewertungen der Hyperscaler sind gemessen am Kurs-Gewinn-­Verhältnis zuletzt stark gesunken. So weisen sie im Vergleich zum Gesamtmarkt erstmals praktisch keine Bewertungs­prämie mehr auf (vgl. Grafik). Dies reflektiert die Tatsache, dass das Geschäft der Hyperscaler durch den Investitions­boom deutlich kapital­intensiver geworden ist als in der Vergangenheit. Hinzu kommt, dass ihre Bilanzen nicht mehr so stark sind wie früher, da sie für ihre Investitionen zunehmend auch auf riskanteres Fremd­kapital zurückgreifen. Ein weiterer Unsicherheits­faktor ist die Abhängigkeit von den Modell­anbietern Anthropic und OpenAI. Diese beiden sehr jungen und gleichzeitig intrans­parenten Unternehmen sind bedeutende Kunden der Hyperscaler. Sollte einer der beiden Anbieter in Schwierig­keiten geraten, hätte das negative Folgen für die Hyperscaler und würde ihren aktuell hohen Auftrags­bestand infrage stellen. Die Tatsache, dass die relativen Bewertungen der Hyperscaler im Vergleich zum Gesamtmarkt auf einen neuen Tiefstand gefallen sind, ist aber ein Indiz dafür, dass der Aktienmarkt weiterhin sehr genau differenziert und die neuesten Entwicklungen in seine Bewertungen einfliessen lässt.

Bewertungs­prämie der Hyper­scaler ist verschwunden

Forward Kurs-Gewinn-Verhältnis

 

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Gute Nach­richten für die KI-Wertschöpfungs­kette

Eingangs stellten wir fest: Würden die Hyperscaler bei ihren Investi­tionen den Rückwärts­gang einlegen, stünde die gesamte KI-Wertschöpfungs­kette vor einem Problem. Die Berichts­saison gibt darauf eine beruhigende Antwort. Zum einen erhöhen die Hyperscaler ihre Investi­tionen weiter. Zum anderen gibt es erste Zeichen, dass sich die Investitionen für die Hyperscaler auszahlen könnten, womit diese in ihrer Investitions­politik bestätigt werden. Der aktuelle Investitions­boom dürfte daher bis auf weiteres anhalten. Zudem zeigt die verschwundene Bewertungs­prämie der Hyperscaler, dass der Markt Risiken einpreist und nicht ausblendet. Dies bestätigt unsere positive Haltung gegenüber dem Technologie­sektor und der gesamten KI-Wertschöpfungs­kette.

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