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5 Tipps für Eltern, um Kindern den Umgang mit Geld beizubringen

Viele von uns mussten den Umgang mit Geld mühsam durch Fehler lernen – unsere Kinder sollen es besser haben – und verstehen, dass finanzielle Entscheidungen nicht nur Auswirkungen auf ihre eigene Zukunft haben, sondern auch auf die Welt. Wie schaffen wir es, ihnen früh finanzielle Kompetenz mitzugeben? Diese fünf Tipps zeigen, wie Kinder ein gesundes Verhältnis zu Geld entwickeln können.

Text: Yannick Fischer

Bild: Flavio Pinton

Wie haben Sie eigentlich gelernt mit Geld umzugehen? In der Schule? Durch Ihre Eltern? Mithilfe des Internets? Oder einfach durch Ausprobieren? Bestimmt haben Sie in der Vergangenheit auch einige Fehler gemacht, Geld unnötig ausgegeben, schlecht budgetiert oder Sparziele nicht erreicht. Ihren Kindern möchten Sie das am liebsten ersparen. Aber wie erzieht man Kinder richtig im Umgang mit Geld und Nachhaltigkeit? Diese Frage stellte sich vor ein paar Jahren auch Cécile Biccari. Als sie feststellte, dass das Literaturangebot zu diesem Thema nur sehr spärlich war, entschloss sie sich kurzerhand, ein eigenes Buch darüber zu schreiben. «Dein Geld und die Welt» erklärt Kindern auf spielerische Art und Weise das Konzept von Geld, Wertschöpfung und Vermögensverwaltung.

Die wichtigste Botschaft von Cécile Biccari: «Man sollte mit Kindern unbedingt über Geld sprechen und ihnen die Zusammenhänge zwischen Geld, Glück sowie ökologischen und sozialen Auswirkungen aufzuzeigen.». Im Gespräch mit ihr haben wir fünf zentrale Tipps erarbeitet, die bei der Erziehung von Kindern im Umgang mit Geld entscheidend sind.

1. Früh anfangen – Kinder bilden bereits früh feste Glaubenssätze über Geld

Viele Eltern unterschätzen, wie früh Kinder sich ein Bild von Geld machen. Tatsächlich zeigen Studien, dass Kinder bereits im Alter von drei bis vier Jahren anfangen, grundlegende Konzepte über Geld zu verstehen und bereits mit fünf Jahren unterschiedliche emotionale Reaktionen zu Geld zu entwickeln – manche geben lieber aus, andere sparen lieber. Im Alter von nur sieben Jahren sind viele grundlegende Gewohnheiten und Einstellungen bereits angelegt. Cécile Biccari rät deshalb: «Wir müssen unbedingt mit Kindern darüber sprechen. Wenn wir nicht darüber sprechen, dann bilden sich bei den Kindern trotzdem Glaubenssätze, einfach zufällig. Geprägt von Gesprächen im Umfeld, Medien oder Spannungen zu Hause.»

Die Botschaft: Nicht sprechen schützt nicht. Es führt nur dazu, dass Kinder ohne Orientierung Schlussfolgerungen ziehen.

Ein Einstieg in das Thema Geld muss nicht kompliziert sein. Es reicht bereits, im Alltag Fragen aufzugreifen wie:

  • Wie man Mehrwert schafft und dafür Geld bekommt
  • Dass Dinge Geld kosten – von den Produktionskosten bis hin zu versteckten Kosten
  • dass wir verschiedene Möglichkeiten haben, unser Geld einzusetzen, wobei jede ihre Vor- und Nachteile hat

«Man muss kein Experte sein, um mit Kindern über Geld zu sprechen. Wichtig ist, dass Eltern die Fragen der Kinder ernst nehmen und dass sie versuchen, abstrakte Konzepte anhand praktischer Beispiele zu erklären", sagt Cécile Biccari.

2. Vorbild sein – Kinder beobachten, wie wir mit Geld umgehen

Kinder lernen vor allem durch Beobachtung. Wie Eltern selbst über Geld sprechen und damit umgehen, prägt ihre Kinder direkt. «Kinder übernehmen unsere eigene Beziehung zu Geld. Sie hören, ob Geld bei uns eine Quelle von Stress ist, ein Ziel im Leben oder einfach ein Mittel, um Dinge zu ermöglichen», sagt Cécile Biccari. Sie rät Eltern, sich selbst dabei zu beobachten, wie sie vor den Kindern über Geld sprechen. Sind diese Gespräche gestresst oder entspannt? Ist Geld normaler Gesprächsstoff oder ein Tabuthema? Und sind die Eltern selbst kohärent in dem, was sie über Geld sagen und was sie damit tun? «Wenn wir unseren Kindern erklären, dass sie es sich gut überlegen sollen, bevor sie etwas kaufen, dann sollten wir als Eltern versuchen, genau das vorzuleben. Zum Beispiel, indem man die Vor- und Nachteile einer finanziellen Entscheidung abwägt und sich Zeit nimmt, um zu einer Entscheidung zu gelangen, anstatt impulsiv zu handeln.»

3. Taschengeld mit Regeln – aber nicht als Belohnung für Hausarbeit

Taschengeld ist ein zentrales Instrument, um Kindern an den Umgang mit Geld heranzuführen. Pro Juventute hat dafür Empfehlungen für den Betrag und die Regelmässigkeit festgelegt, an denen sich Eltern orientieren können. Auch Cécile Biccari rät zu diesem Modell, wobei man sich aber auch nicht strikt daran halten müsse: «Pro Juventute empfiehlt, ungefähr ab sechs Jahren mit Taschengeld zu beginnen. Viele Familien starten aber später. Wichtig ist weniger das genaue Alter, sondern dass es regelmässig ist, dass man Regeln gemeinsam festlegt und dass wir regelmässig gemeinsam über Wahlmöglichkeiten und Entscheidungen sprechen.»

Konkrete Regeln für das Taschengeld könnten zum Beispiel sein, dass ein Teil des Geldes fix in eine Spardose kommt und dass die Ausgaben notiert werden, damit die Kinder sehen, wohin ihr Geld fliesst. Wer zusätzlich möchte, kann auch Apps nutzen, die etwa Inhaltsstoffe oder das Nachhaltigkeitsprofil von Produkten anzeigen.

Cécile Biccari betont zudem: «Ich bin kein Fan davon, Taschengeld an Hausarbeit zu knüpfen. Es ist normal, dass Kinder zuhause mithelfen. Das gehört zum Familienleben. Wenn wir jedes Ausräumen des Geschirrspülers bezahlen, wird Hilfe im Haushalt zu einer reinen finanziellen Transaktion.»

Hausarbeit ist Teil des Zusammenlebens. Taschengeld ist ein Lernfeld für den verantwortungsvollen Umgang mit Geld. Diese beiden Bereiche bewusst zu trennen, vermeidet falsche Anreize.

4. Nicht nur Sparen oder Ausgeben – auch Investieren und Spenden früh thematisieren

Viele Eltern sprechen mit ihren Kindern hauptsächlich über zwei Optionen: Geld ausgeben oder sparen. Das ist ein wichtiger Start, greift aber langfristig zu kurz. «Normalerweise denken Eltern: Entweder behält das Kind das Geld oder es gibt es aus. Aber es ist wichtig, früh auch über Investieren und Spenden zu sprechen. Diese Konzepte wirken kompliziert, sind aber durchaus kindergerecht erklärbar", sagt Cécile Biccari. 

Um ihrem Sohn das Konzept des Investierens zu erklären, nutzt Cécile Biccari beispielsweise eine Fussball-Analogie: «Eine Aktie ist wie ein Spieler in deiner Fussballmannschaft. Du möchtest gute Spieler auswählen, die deiner Mannschaft helfen zu gewinnen. Aber du brauchst nicht nur einen Spieler, du brauchst ein starkes Team – das ist dein Portfolio. Die Spieler müssen zusammenpassen, damit die Mannschaft erfolgreich ist.» So wird aus einem abstrakten Begriff wie «Portfolio» ein greifbares Bild. Kinder verstehen: Geld kann auch für mich arbeiten, nicht nur umgekehrt. Ähnlich bei Spenden: Schon kleinere Beträge können Kindern zeigen, dass man mit Geld anderen helfen und positive Wirkung erzeugen kann – zum Beispiel für Umweltprojekte oder soziale Organisationen.

5. Raum für Fehler – und gemeinsam über «Fehlkäufe» sprechen

Es gehört dazu, dass Kinder auch einmal danebenliegen. Wichtig ist, wie Eltern reagieren, wenn das Kind 50 Franken in Süssigkeiten investiert oder alles für einen Trendartikel ausgibt. «Man sollte nicht überreagieren», erklärt Cécile Biccari. «Solche Situationen sind eine Chance für ein gutes Gespräch. Die Frage ist: Welches Bedürfnis steckt dahinter? Die finanzielle Entscheidung ist nur die Konsequenz. Die Ursache liegt im Bedürfnis, zum Beispiel dem Wunsch dazuzugehören. Darüber zu sprechen ist wichtiger, als den Kauf nur zu kritisieren.»

Kinder dürfen Fehler machen. Sie sollten sogar. Es ist besser, wenn Kinder mit kleinen Beträgen Fehler machen und daraus lernen, als wenn sie es später als Erwachsene mit viel Druck und hohen Summen tun. Entscheidend ist, solche Erfahrungen zu nutzen und gemeinsam mit dem Kind zu reflektieren und Alternativen zu entwickeln.

Bonus-Tipp: Erst Bargeld, dann digital – Geld sichtbar machen

Obwohl bargeldlose Transaktionen in der heutigen Welt zur Norm geworden sind, hat Bargeld in der Gelderziehung von Kindern immer noch eine grosse Bedeutung. Eine Kreditkarte wirkt vor allem für junge Kinder fast schon magisch. Cécile Biccari empfiehlt deshalb: «Am Anfang unbedingt mit Münzen und Noten arbeiten. Kinder müssen den Mechanismus von Geld physisch erleben. Erst wenn sie das gut verstanden haben, kann man langsam auf digitale Lösungen umsteigen.» Ihr Vorschlag: ungefähr ab 12 Jahren kann ein erstes Jugendkonto oder eine Prepaid-Karte sinnvoll sein. 

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