Mit dem ersten Schultag kommt auch das Sackgeld

Sabrina Wachter von Pro Juventute erklärt im Interview, wieso mit dem Schuleintritt der richtige Moment für das erste Sackgeld kommt und wieso es auch wichtig ist, mit Kindern über Lebenskosten und unbezahlbare Werte zu sprechen.

Interview: Zürcher Kantonalbank

Die Einschulung ist sowohl für die Eltern wie auch für das Kind ein grosser Schritt: Der Schulthek ist gepackt und das Kind lernt zum ersten Mal mit Zahlen und Buchstaben umzugehen. Mit den ersten erfolgreich gelösten Rechenaufgaben entwickelt das Kind auch ein Gespür für Zahlen und nummerische Werte. Für viele Eltern ist das der richtige Zeitpunkt, um sich über das Thema Sackgeld Gedanken zu machen, damit das Kind auch den richtigen Umgang mit Geld lernen kann.

Mit dem Taschengeld lernen Kinder den Umgang mit Geld und Werten. (Bild: Zürcher Kantonalbank)

Frau Wachter, wieso ist genau die Einschulung der richtige Moment für das erste Sackgeld?

Die Einschulung ist ein guter Zeitpunkt, da die Kinder nun Rechnen und Lesen lernen und immer selbständiger werden. Das sind wichtige Fähigkeiten in Zusammenhang mit dem Umgang mit Geld. So können Kinder Preise lesen, mit Franken und Rappen umgehen und ausrechnen, was sie sich mit ihrem verfügbaren Geld leisten können. Am besten fängt man mit einem kleineren einstelligen Betrag pro Woche als Sackgeld an.

Wie übergeben die Eltern ihrem Sohn oder ihrer Tochter idealerweise das erste Sackgeld? Gibt es so etwas wie ein «Ritual», das befolgt werden kann?

Eltern sollten mit ihrem Kind vor der Einführung darüber sprechen, dass sie ihm Taschengeld geben möchten und wann es wie ausbezahlt wird. Daneben sollte aber auch vereinbart werden, wofür das Taschengeld vorgesehen ist und was sich damit verändert. Ein «traditionelles» Ritual gibt es so nicht, aber es kann eine schöne Idee sein, als Familie ein solches zu schaffen. Eine Idee wäre etwa, dem Kind mit dem ersten Taschengeld ein Portemonnaie und ein Sparkässeli zu schenken oder eines gemeinsam zu basteln. So können direkt auch die verschiedenen Möglichkeiten von kurz- bis längerfristigem Einteilen des Geldes eingeführt werden.

Wie sollen Eltern reagieren, wenn ihr Kind nach dem ersten Taschengeld von der Schule nach Hause kommt und erzählt, dass all seine Gspänli mehr Sackgeld kriegen?

Im Primarschulalter vergleichen sich Kinder stark mit Gleichaltrigen. Sätze wie «Die anderen haben das auch!» hören Eltern wahrscheinlich öfters. Erklären Sie Ihrem Kind, dass Taschengeld ein freiwilliger Beitrag der Eltern ist, den sie ihren Kindern zur Verfügung stellen. Und Sie bestimmen dürfen, wie hoch dieser ist. Zum einen muss das Taschengeld in das Familienbudget passen und zum anderen mit den Vorstellungen der Eltern übereinstimmen. Erklären Sie Ihrem Kind, dass jede Familie ihre eigenen Regeln und Werte hat und es da Unterschiede gibt.

Können Sie uns darüber hinaus noch einen wertvollen Tipp zum ersten Sackgeld mit auf den Weg geben?

Taschengeld ist nur eine Möglichkeit, den Umgang mit Geld zu lernen. Daneben ist es enorm wichtig, mit Kindern auch über Lebenskosten oder Werte zu sprechen. Machen Sie das auf spielerische Weise: Nehmen Sie das Kind beim Einkaufen mit und erklären Sie die Preise und Angebote. Interessieren Sie sich für die (Konsum-) Wünsche Ihrer Kinder, und unterhalten Sie sich über erfüllbare und unerfüllbare Wünsche. Sprechen Sie auch darüber, was alles wichtig ist und nicht mit Geld gekauft werden kann.

Kategorien

Magazin