«Wir können uns glücklich schätzen, eine Bank wie die ZKB gegründet zu haben»
Der Zürcher Kantonsrat hat heute über die Jahresrechnung sowie den Geschäfts- und Nachhaltigkeitsbericht 2025 der Zürcher Kantonalbank beraten. Die Bank verzeichnete erneut ein hervorragendes Geschäftsjahr. Entsprechend wurden die Berichte nach einer angeregten Diskussion mit 172 zu 0 Stimmen einstimmig genehmigt.
Text: Andreas Brand & Chiara Ferroni
Jährlich im Frühsommer diskutiert der Zürcher Kantonsrat an einem Montagmorgen den Geschäftsbericht der Zürcher Kantonalbank. Als Eigentümervertretung nehmen die Kantonsrätinnen und Kantonsräte die Gelegenheit wahr, die Leistungen der Bank zu würdigen und kritische Fragen zu stellen.
Die diesjährige Debatte fand im Rathaus Hard in der Bullingerkirche statt. Vertreterinnen und Vertreter aller Fraktionen sowie der Aufsichtskommission über die wirtschaftlichen Unternehmen (AWU) nahmen Stellung zu den vorgelegten Berichten. Dabei wurden sowohl die Erfolge der Bank lobend in den Fokus gerückt als auch Erwartungen an ihre weitere Entwicklung formuliert.
Kritische Fragen und klare Antworten
Stefanie Huber, GLP zeigte sich in ihrer Funktion als Präsidentin der AWU sehr zufrieden über das Geschäftsergebnis der ZKB. In ihren Ausführungen thematisierte sie unter anderem die veränderte Ausgangslage am Kreditmarkt für kleine und mittlere Unternehmen (KMU). Dieses Thema wurde im Geschäftsbericht als Schwerpunkt aufgenommen und es zeige sich, welche zentrale Rolle die Zürcher Kantonalbank der Bereitstellung von Krediten und der umfassenden Beratung von KMU spiele.
Im letzten Jahr haben AWU und Zürcher Kantonalbank das Thema IT-Infrastruktur eng behandelt. Besonders positiv bewertete die AWU die Bemühungen der Bank, Risiken im Bereich Datenschutz und Cloud-Technologien zu minimieren. Mit der neu geschaffenen Geschäftseinheit Privatkunden seien zudem die unterschiedlichen Bedürfnisse der Kundinnen und Kunden noch besser abgedeckt und dem Leistungsauftrag noch mehr Gewicht gegeben. Als besonders positiv beurteilte Huber die Zunahme der vergebenen Umweltdarlehen, die Absenkpfade bei der Klimaneutralität von Wohn- und Büroimmobilien sowie die Einsätze von ZKB-Mitarbeitenden im Bereich Corporate Volunteering. Huber bedankte sich für die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Bankorganen.
Es freut mich persönlich sehr, dass wir unsere Verantwortung als nunmehr eine der wichtigsten Stützen des Schweiz Finanzplatzes erfolgreich wahrnehmen konnten.
Dr. Jörg Müller-Ganz, Präsident des Bankrats der Zürcher Kantonalbank
Bankpräsident Dr. Jörg Müller-Ganz hob in seiner Rede hervor, dass die Zürcher Kantonalbank in einem von geopolitischen Spannungen, der anhaltenden Nullzinspolitik und verschärften regulatorischen Anforderungen geprägten Umfeld ihren Beitrag zur Stabilität des Schweizer und insbesondere auch Zürcher Finanzplatzes leisten konnte: «Es freut mich persönlich sehr, dass wir unsere Verantwortung als nunmehr eine der wichtigsten Stützen des Schweiz Finanzplatzes erfolgreich wahrnehmen konnten», erklärte Müller-Ganz.
Besonders betonte er die Bedeutung der Mitarbeitenden für den Erfolg der Bank. Die Zürcher Kantonalbank sei nicht nur eine der sichersten Banken weltweit, sondern auch eine attraktive Arbeitgeberin, die in einem schwierigen wirtschaftlichen Umfeld neue Stellen geschaffen habe. Zudem sei die Zürich-geprägte Unternehmenskultur ein zentrales Erfolgsmerkmal. Sie zeichne sich durch Verantwortungsbewusstsein, Wertschätzung, Respekt und Bodenhaftung aus. Werte, welche die Zürcher Kantonalbank auch in Zukunft bewahren und weiterentwickeln werde.
Er wies zudem darauf hin, dass sich die Zürcher Kantonalbank nicht auf ihren Erfolgen ausruhe und weiterhin alles daransetzen werde, den Leistungsauftrag zu erfüllen, um ihrer Verantwortung gegenüber der Zürcher Bevölkerung gerecht zu werden. Dabei hob er hervor, dass die Zürcher Kantonalbank auch in Zukunft als nahe Bank agieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit durch gezielte Investitionen in Digitalisierung und Innovation sichern werde.
Lob für die Mitarbeitenden – Diskussion über Verantwortung, Nachhaltigkeit und Digitalisierung
Alle Fraktionen legten besonderen Wert darauf, den Mitarbeitenden der Zürcher Kantonalbank für die geleistete Arbeit und das hervorragende Geschäftsergebnis zu danken. In den Worten von René Isler, SVP: «Lassen wir die Leute arbeiten, sie tun dies hervorragend».
Wiederholt betont wurde die besondere Verantwortung der Zürcher Kantonalbank, wobei die Kantonsrätinnen und -räte auch hier viel Lob verteilten. Besonders hervorgehoben wurde die Stabilität der Bank. Dies nicht nur weil die regulatorischen Vorgaben übererfüllt würden (Silvia Rigoni, Grüne), sondern weil die Bank auch eine gewisse Zurückhaltung und Risikobewusstsein an den Tag lege und die Diversifikationsstrategie offensichtlich funktioniere (Christa Stünzi, GLP).
Ebenfalls von mehreren Fraktionen positiv erwähnt wurde das Engagement im Bereich der Nachhaltigkeit. Die Zürcher Kantonalbank konnte im vergangenen Jahr die Vergabe von Umweltdarlehen deutlich steigern, die Emissionen der eigenen Betriebe reduzieren und ist beim vorgesehenen Absenkpfad im Hypothekargeschäft auf Kurs. Mit Blick auf die Versorgung der Bevölkerung mit Finanzdienstleistungen wurde auch hier die Schaffung der neuen Geschäftseinheit gelobt. Dass die Zürcher Kantonalbank mit diesen Elementen ihrer Verantwortung gerecht wird, darüber war man sich einig.
Gewisse Uneinigkeiten über die politischen Lager hinweg zeigten sich dennoch. Unterschiedliche Meinungen waren beim Thema Digitalisierung erkennbar. So mahnte Thomas Anwander, Mitte, vor disruptiven Entwicklungen im technischen Bereich. Die Zürcher Kantonalbank müsse mehr digitale Lösungen anbieten und die Kosten senken. Im Gegensatz dazu zeigten sich Silvia Rigoni und Brigitte Röösli, SP, besorgt, dass sich immer mehr Personen nicht mehr in der digitalen Welt zurechtfänden. Die Bank dürfe auch jene Kundinnen und Kunden nicht aus den Augen verlieren, die «offline» unterwegs sind.
Die schwierige Balance zwischen Fortschritt und Zugänglichkeit zeigte sich auch mit Blick auf das Filial- und Bancomatennetz: mehrere Fraktionen betonten, wie wichtig die schnelle Erreichbarkeit sei. Im Gegensatz dazu zeigte sich Anwander unsicher, ob dies für Konsumentinnen und Konsumenten sowie KMU tatsächlich noch relevant sei. Die Frauenförderung wurde von Kantonsrätin Rigoni als zu wenig ambitioniert beurteilt, während sich Elisabeth Pflughaupt, SVP, ob der gewünschten Förderung irritiert zeigte, da Frauen auf diese überhaupt nicht angewiesen wären.
Ein starkes Zeichen des Vertrauens
Nach rund 1.5 Stunden Debatte genehmigte der Kantonsrat die Berichte mit 172 zu 0 Stimmen bei 0 Enthaltungen. Zum dritten Mal in Folge sprach das Parlament der Zürcher Kantonalbank ohne Gegenstimme sein Vertrauen aus.
Roland Kappeler, SP, fasste die Stimmung treffend zusammen: «Wir können uns glücklich schätzen, eine Bank wie die ZKB gegründet zu haben.»