Pensionskassenstudie 2026 – Rekordverzinsung mit grossen Unterschieden
Die diesjährige Studie zeigt: Pensionskassen verzinsten die Altersguthaben 2025 real mit 4,6 Prozent in Rekordhöhe. Die Unterschiede sind jedoch enorm, was vor allem mit den Performanceunterschieden zu tun hat. Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank, und Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen/Markt Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank, erklären im Interview die Folgen der Zinsunterschiede für die Versicherten und was der Trend zum Kapitalbezug für die zweite Säule und die Versicherten bedeutet.
Interview: Adrian Vonlanthen
Iwan Deplazes, die Top-Verzinser gaben ihren Versicherten im 2025 im Schnitt auf 9,3 Prozent weiter, die Kassen am anderen Ende 2 Prozent. Wie kommt diese grosse Diskrepanz zustande?
Deplazes: Die Verzinsung der Altersguthaben durch die Pensionskassen war im letzten Jahr breit gestreut – noch stärker als in den Vorjahren. Die Hauptursache für die grossen Zinsunterschiede liegt in der Performance der Anlagen. Denn das Kapital für die Verzinsung muss erst erwirtschaftet werden.
Was bedeuten die Zinsunterschiede konkret für die Versicherten?
Deplazes: Sie machen viel aus und es geht um viel Geld. Über fünf Jahre betrachtet, ist der Zinsunterschied enorm. Zwischen der besten und der schwächsten Pensionskassen beträgt er ganze 26 Prozentpunkte. Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht dies: Mit einem durchschnittlichen Altersguthaben der aktiv Versicherten von rund 200'000 Franken haben erfolgreiche Kassen ihren Versicherten über fünf Jahre hinweg 52'000 Franken mehr gutgeschrieben als denjenigen, die bei einer schwachen Kasse versichert sind.
Beim Betrachten des Lohnausweises ächzten viele über die hohen Lohnabzüge. Gleichzeitig weiss die Mehrheit wenig über die Leistungen der eigenen Pensionskasse.
Deplazes: Erstmals haben wir im Rahmen der diesjährigen Studie die Versicherten selbst befragt – und die Resultate haben mich tatsächlich überrascht. Beispielsweise weiss weniger als ein Drittel der Versicherten, wie ihr Altersguthaben verzinst wird, jede zweite Person gar nicht.
Die Jahresperformance entscheidet primär darüber, wie viel die Versicherten erhalten.
Iwan Deplazes, Leiter Asset Management bei der Zürcher Kantonalbank
Heini Dändliker, dabei können sich die Zahlen einmal mehr sehen lassen.
Dändliker: Tatsächlich ist nicht nur die Realverzinsung ausserordentlich hoch – auch die Deckungsgrade liegen nahe am Rekordniveau von 2021. Die Pensionskassen haben ihre Reserven erneut stark ausgebaut. Ende 2025 lagen die Deckungsgrade der privaten Kassen mit 119,6 Prozent deutlich über dem Vorjahresniveau von 117 Prozent. Die öffentlich-rechtlichen Kassen überboten diesen Rekord sogar und erreichten den höchsten Stand der letzten 25 Jahre.
Werden nun an breiter Front die Umwandlungssätze erhöht?
Dändliker: Nein, wir erwarten keine Rentenerhöhungen durch steigende Umwandlungssätze. Diese bleiben weiterhin die grosse Ausnahme: Lediglich zwei Kassen haben von 2025 auf 2026 den Umwandlungssatz angehoben. Durch den Trend zum Kapitalbezug ist der Umwandlungssatz als Berechnungsgrundlage der Rente ohnehin für immer weniger Versicherte relevant. Stattdessen stehen beim Entscheid «Rente oder Kapital?» persönliche Motive wie etwa die finanzielle Flexibilität im Vordergrund. 2025 wurden 51 Prozent der Altersguthaben in Kapitalform bezogen – damit macht das Kapital erstmals mehr als die Hälfte aus.
Was bedeutet der Trend zum Kapitalbezug für die Pensionskassen und die zweite Säule generell?
Dändliker: Für die Kassen bringt dies Vorteile: Der Anteil an Rentnerinnen und Rentnern sinkt, das reduziert die langfristigen Verpflichtungen und verbessert tendenziell die Risikostruktur. Gleichzeitig verändert diese Entwicklung aber auch den Charakter der zweiten Säule: Die auf langfristige Leistungsversprechen ausgerichtete berufliche Vorsorge kann ihren Anspruch auf kollektive Absicherung von Risiken immer weniger einlösen. Damit wird der Versicherungsgedanke verwässert und die Verantwortung verschiebt sich in der Tendenz von den Kassen zu den Versicherten.
Die Verantwortung verschiebt sich in der Tendenz von den Kassen zu den Versicherten.
Heini Dändliker, Leiter Grossfirmen/Markt Schweiz bei der Zürcher Kantonalbank
Schweizer Pensionskassenstudie 2026
Die Pensionskassenstudie von Swisscanto gilt als Benchmark der Schweizer Vorsorgelandschaft. An der diesjährigen Studie, der 26. Ausgabe in dieser Reihe, nahmen 528 Vorsorgeinstitutionen teil. Das erfasste Vermögen der Umfrageteilnehmenden beläuft sich auf 939 Mrd. Franken. Gesamthaft sind damit 4 Mio. Versicherte repräsentiert.