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«Die Aufteilung des Vermögens sollte keinesfalls dem Zufall überlassen werden.»

Das Thema Vermögensstrukturierung gewinnt zunehmend an Bedeutung. Doch was genau bedeutet es, das eigene Vermögen zu strukturieren, und warum ist das so wichtig? Andreas Habegger, Leiter Finanzplanung & Vorsorge bei der Zürcher Kantonalbank, gibt im Interview Antworten auf die zentralen Fragen und erklärt, wie ein durchdachtes Vermögenskonzept nicht nur Stabilität schafft, sondern auch dabei hilft, finanzielle Ziele zu erreichen.

Nicole Schweizer / Bilder: Simon Baumann, Getty Images

Eine bewusste Vermögensstrukturierung ermöglicht es, die Vorteile jeder Vermögensklasse optimal zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren. (Bild: Getty Images)

Andreas Habegger, immer wieder liest und hört man, dass das Vermögen strukturiert sein sollte. Was versteht man darunter?

Wenn wir von Vermögensstrukturierung sprechen, geht es darum, das gesamte Vermögen bewusst auf verschiedene Vermögensklassen aufzuteilen. Denn Vermögen besteht nicht nur aus dem, was auf dem Bankkonto liegt. Erwerbstätige Personen beispielsweise bauen einen erheblichen Teil ihres Vermögens in der Pensionskasse auf, also in der Vorsorge. Andere haben einen grossen Teil ihres Vermögens in Form von Eigenmitteln in der selbstbewohnten Liegenschaft gebunden.

Grundsätzlich lässt sich das Vermögen in vier Hauptklassen unterteilen: Liquidität, Geldanlagen, Vorsorge und Immobilien. 

Warum ist es wichtig, das Vermögen bewusst zu strukturieren?

Die verschiedenen Vermögensklassen unterscheiden sich in ihren Eigenschaften erheblich. Ein ausgewogener Mix dieser Klassen kann das Gesamtvermögen nicht nur stabilisieren, sondern auch zu einer höheren Rendite führen, indem die Stärken der einzelnen Klassen genutzt und deren Schwächen ausgeglichen werden.

  • Liquidität: Kontoguthaben bieten Sicherheit und sind ideal für laufende Ausgaben oder unvorhergesehene Ereignisse. Allerdings eignen sie sich nicht als langfristige Anlageform, da sie kaum Rendite bringen und damit durch die Inflation an Kaufkraft verlieren.
  • Geldanlagen: Wertschriften bieten die Möglichkeit, in verschiedene Märkte, Branchen und Technologien zu investieren, was attraktive Renditechancen eröffnet. Gleichzeitig sind sie jedoch mit Wertschwankungen verbunden. Eine gut durchdachte Anlagestrategie und Diversifikation können helfen, diese Schwankungen abzufedern.
  • Vorsorge: Die Vorsorge ist ein wichtiger Pfeiler für die finanzielle Absicherung im Alter. Sie bietet insbesondere steuerliche Vorteile, ist jedoch weniger flexibel, da das Kapital in der Regel bis zur Pensionierung gebunden ist.
  • Immobilien: Immobilien gelten als stabile Anlageform und bieten Schutz vor Inflation. Sie binden jedoch viel Kapital und sind nicht so liquide wie andere Vermögensklassen.

Auch Schulden spielen eine Rolle in der Vermögensstruktur. Eine bewusste Vermögensstrukturierung ermöglicht es, die Vorteile jeder Klasse optimal zu nutzen und gleichzeitig die Risiken zu minimieren.

Die Aufteilung des Vermögens sollte keinesfalls dem Zufall überlassen werden. Eine bewusste und durchdachte Strukturierung ist der Schlüssel, um finanzielle Stabilität zu gewährleisten und langfristige Ziele zu erreichen.

Andreas Habegger, Leiter Finanzplanung und Vorsorge

Gibt es die optimale Vermögensstruktur?

Eine pauschale Antwort darauf gibt es nicht, denn die optimale Vermögensstruktur hängt stark von der individuellen finanziellen Situation, den Lebenszielen und den Bedürfnissen ab.

Erwerbstätige haben beispielsweise andere Prioritäten als Frauen oder Männer, die bereits im Ruhestand sind. Zudem gibt es gewisse Rahmenbedingungen, die nicht frei wählbar sind – etwa die obligatorischen Beiträge in die Pensionskasse. Dennoch bleibt Spielraum, den man nutzen sollte, um die eigene Vermögensstruktur an die persönlichen Ziele anzupassen.

Sie haben erwähnt, dass auch Schulden Teil einer Vermögensstruktur sein können. Wie ist das gemeint?

Schulden, oder genauer gesagt Fremdkapital, können in einer Vermögensstruktur eine strategische Rolle spielen. Ich möchte dazu zwei Aspekte hervorheben:

  1. Realisation von Vermögenswerten: Viele Vermögenswerte, wie beispielsweise ein Eigenheim, wären ohne Fremdkapital gar nicht zugänglich. Eine Hypothek ermöglicht es, eine Immobilie zu erwerben, die sonst ausser Reichweite läge.
  2. Diversifikation des Vermögens: Schulden können helfen, das Vermögen bewusster zu verteilen. Nehmen wir an, jemand besitzt ein Eigenheim im Wert von einer Million Franken, auf dem eine Hypothek von 500'000 Franken lastet. Wenn diese Person weitere 500'000 Franken angespart hat, könnte sie die Hypothek vollständig amortisieren. Das gesamte Vermögen wäre dann in der Immobilie gebunden. Alternativ könnte sie die Hypothek beibehalten und die angesparten Mittel in andere Vermögensklassen investieren, um von deren spezifischen Vorteilen zu profitieren.

Richtig eingesetzt, können Schulden also ein wertvolles Instrument der Vermögensplanung sein.

Auch Schulden spielen eine Rolle in der Vermögensstruktur. Sie können – richtig eingesetzt – ein strategisches Element sein, um das Vermögen gezielt zu strukturieren.

Andreas Habegger, Leiter Finanzplanung und Vorsorge

Die Vermögensstruktur hängt von der individuellen Situation ab. Können Sie ein Beispiel geben?

Ein gutes Beispiel ist der Unterschied zwischen den Phasen des Vermögensaufbaus und des Vermögensverzehrs.

In der Vermögensaufbauphase liegt der Fokus darauf, nicht benötigte Liquidität möglichst renditeorientiert zu investieren. Wer langfristig anlegt und das investierte Kapital nicht kurzfristig benötigt, kann grössere Wertschwankungen in Kauf nehmen, um von höheren Renditechancen zu profitieren.

In der Vermögensverzehrphase, etwa nach der Pensionierung, ändern sich die Prioritäten. Hier steht die Verfügbarkeit des Vermögens im Vordergrund. Wertschwankungen können nicht mehr im gleichen Masse toleriert werden, da das Geld zu einem bestimmten Zeitpunkt benötigt wird. In dieser Phase ist es wichtig, einen grösseren Teil des Vermögens liquide zu halten oder die Anlagestrategie so anzupassen, dass die Schwankungen und damit auch die Risiken reduziert werden. 

Stichwort Anlagestrategie: Warum ist der richtige Mix der Anlagenwerte wichtig?

Auch innerhalb der Vermögensklasse «Anlagen» ist die richtige Struktur entscheidend. Hier sprechen wir von Diversifikation. Das bedeutet, dass das investierte Kapital auf verschiedene Regionen, Branchen, Währungen und Anlageklassen verteilt wird.

Die Idee dahinter ist einfach: Durch die Streuung des Kapitals können Risiken reduziert werden, da nicht alle Anlagen gleich auf Marktentwicklungen reagieren. Gleichzeitig eröffnet Diversifikation die Möglichkeit, von unterschiedlichen Chancen zu profitieren.

Zum Schluss: Wie kann ich die richtige Vermögensstruktur für mich finden, und wer kann mir dabei helfen?

Die Grundlage für eine sinnvolle Vermögensstruktur ist ein durchdachtes und individuell abgestimmtes Vermögenskonzept. Dabei werden Ihre persönliche Lebenssituation, Ihre Ziele und Ihre Risikobereitschaft berücksichtigt.

Die Zürcher Kantonalbank unterstützt Sie gerne bei der Entwicklung eines solchen Konzepts. Unsere Expertinnen und Experten stehen Kundinnen und Kunden zur Seite, um gemeinsam eine massgeschneiderte Lösung zu erarbeiten.

Vereinbaren Sie einfach einen Termin – wir freuen uns darauf, Sie auf Ihrem Weg zu einer optimalen Vermögensstruktur zu begleiten.

Vermögensklassen

Dazu zählen in der Regel Kontoguthaben, die kurzfristig verfügbar sind.

Dazu zählen Pensionskassen- und Säule-3a-Guthaben sowie Lebensversicherungen.

Hierzu gehören Wertschriften wie Aktien, Obligationen, Fonds oder auch Edelmetalle.

Das können sowohl selbstbewohnte Liegenschaften als auch Renditeobjekte sein.