Ein Buch, das alle Schweizer Unternehmens­schuldner kennt

Welchem inländischen Unternehmen kann ich Geld leihen – und wie hoch ist das Ausfallrisiko? Wer sich diese Fragen stellt, kommt an einem Buch nicht vorbei: dem Swiss Rating Guide der Zürcher Kantonalbank. Jährlich nimmt das Dokument knapp 150 Unternehmen unter die Lupe und untersucht die aktuellen Trends im Markt.

Text: Alexander Wolski

(Bild: Zürcher Kantonalbank)

Der Emissionsmarkt ist kurz vor seinem Allzeithoch

Vor einem Jahr prognostizierten die Studienautoren, dass die Coronakrise Spuren bei den Schweizer Anleiheemittenten hinterlassen würde. Behielten sie recht? Ein klares Ja: Zwar drückte die Pandemie stark auf die Geschäftsentwicklung, wodurch die Inlandschuldner schlechtere Bonitätskennzahlen hinnehmen mussten, doch der ganz grosse Knall blieb aus. Immerhin konnten einige Branchen an Fahrt aufnehmen, und dennoch legt mit 25% der Anteil der negativen Outlooks im Vergleich zum Vorjahr (21%) nochmals zu. Zeitgleich verdoppelte sich allerdings der Anteil der positiven Bewertungen auf 6%. Ein Grossteil der Schuldner verarbeitet die Krise offensichtlich gut, einige Emittenten haben aber deutlich mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen.

Outlookverteilung (nach Anzahl Schuldner)
Der Anteil der negativen Outlooks legt im Vergleich zum Vorjahr nochmals zu. (Grafik: Zürcher Kantonalbank)

Unverändert sieht es bei den Renditen aus. Wie in den letzten Jahren auch mussten Investoren immer weiter sinkende Coupons bei Unternehmensanleihen hinnehmen – dennoch wächst der Markt kontinuierlich. Nur noch 2% mehr Volumen – und der Anleihemarkt erreicht seinen Rekordwert von 2011. Die ausstehenden Anleihen in Schweizer Franken belaufen sich per Ende Mai auf CHF 545 Mrd. Gesucht sind dabei insbesondere die Inlandsschuldner, während das Auslandssegment weiter sinkt.

Auf der Suche nach Rendite nehmen Investoren mehr Risiko in Kauf

Ratingverteilung (nach Volumen)
Kaum Renditechancen: Investoren sind gezwungen auf risikoreichere Alternativen auszuweichen. (Grafik: Zürcher Kantonalbank)

Vor zwanzig Jahren noch undenkbar, heute Alltag: Firmen aus dem Non-Investment-Bereich drängen an den Emmisionsmarkt und begeben Anleihen. Da Unternehmen mit sehr guten Bewertungen oft keinerlei Renditechancen bieten, sind Investoren sozusagen gezwungen, auf risikoreichere Alternativen auszuweichen. Hiervon profitiert der Non-Investment-Bereich, denn er kann sich am Kapitalmarkt vergleichsweise günstig finanzieren.

Wird dieser Trend anhalten? Studienleiter Holger Frisch sagt: «Ein baldiges Ende des Negativzinsumfelds sehen wir nicht, entsprechend wird die Suche nach Renditen anhalten. Daher erwarten wir im kommenden Jahr ein weiteres Wachstum des Inlandsmarkts – unabhängig vom Investmentgrad der Unternehmung.»

Hypothekarkredite sind weiter gefragt wie nie

Ganz ähnlich ergeht es dem Hypothekarmarkt, der bei der Studienvorstellung als zweites Thema behandelt wurde. Das Volumen der ausstehenden Hypotheken ist nun in etwa doppelt so gross wie der gesamte Schweizer Anleihemarkt – und die tiefen Zinsen befeuern den eidgenössischen Immobilienmarkt weiter. Zum einen locken die tiefen Finanzierungskonditionen viele Private. Zum anderen werfen festverzinsliche Anlagen derzeit kaum noch Renditen ab – ein Problem für viele institutionelle Investoren, die als einen Ausweg ein Immobilieninvestment wählen.

Ob Anleihe oder Immobile: Die Renditensuche wird für Investoren immer herausfordernder.

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