Wenn Nachbarn zusammenziehen

Der Masoala Regenwald und die Lewa Savanne gehören zu den Höhepunkten im Zoo Zürich. Das Besondere an ihnen: Unterschiedliche Arten leben in einer Anlage zusammen. Im Video berichtet Zoo-Direktor Severin Dressen von den besonderen Herausforderungen. Und im Text erklären wir, was es braucht, damit diese tierischen Wohngemeinschaften harmonieren.

Text: Simona Stalder / Video: Mathieu Gilliand / Illustrationen: Joel Roth | aus dem Magazin «ZH» 2/2022

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Auch Faulenzen gehört zur tierischen WG: Nashörner in der Lewa Savanne im Zoo Zürich. Was sonst noch besonders ist in den Gemeinschaftsanlagen, erklärt Zoo-Direktor Severin Dressen im Video.

Es beginnt als Experiment

Ein ähnlicher Lifestyle und gemeinsame Interessen sind gute Voraussetzungen, um zusammenzuziehen. Ob eine Wohngemeinschaft funktioniert, zeigt sich jedoch auch im Zoo erst mit der Zeit. Um der WG einen optimalen Start zu verschaffen, führen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zoo Zürich behutsam eine Art nach der anderen in eine Anlage ein. Dabei gilt: Ladies first. Die Männchen folgen erst, wenn sich die Weibchen aneinander gewöhnen konnten. Zu gross wäre der Aufruhr, wenn zur neuen Umgebung und den neuen Mitbewohnerinnen auch noch männliches Territorialverhalten hinzukäme.

Illustration Zoo: Giraffe und Antilope

Beim Essen hört der Spass auf

An ihr scheiden sich nicht nur die Geister, sondern auch die Arten: der Frage, ob ein Tier Fleisch frisst. An ein friedvolles Zusammenleben von Pflanzenfressern und Karnivoren, wie es bei Menschen zuweilen zu beobachten ist, ist im Zoo nicht zu denken. Zu existenziell ist die Frage. Risse ein Raubtier einen seiner Mitbewohner, gälte dies quasi als Lebendfütterung – sie ist in der Schweiz nur in Ausnahmefällen erlaubt. Somit leben die Hyänen in der Lewa Savanne in einer separaten Anlage.

Illustration Zoo: Strauss und Huhn

Jedem Tierchen sein Pläsierchen

Klettern, rennen, faulenzen – Tiere verbringen ihre Wachzeit unterschiedlich und pflegen verschiedene Vorlieben. Wie beim Menschen führt das auch mal zu Konflikten. Es ist nicht so, dass sich die Bewohner der Lewa Savanne an der Freizügigkeit des Nacktmulls stören würden. Wenn aber der geliebte Kletterbaum auf dem Speiseplan eines Mitbewohners stünde, hinge der Haussegen ganz schnell schief. Entsprechend umsichtig gestalten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Zoo Zürich die Gemeinschaftsanlagen – jede und jeder soll sich wohlfühlen.

Illustration Zoo: Nashorn und Antilope

Einander Raum lassen

Ein Vorteil des WG-Lebens: Es ist immer jemand da, wenn einem nach Gesellschaft ist. Allzu eng aufeinander zu leben, kann jedoch zu Spannungen führen. Da sind sich Mensch und Tier nicht unähnlich. Gut, dass die Aussenanlage der Lewa Savanne 20’000 Quadratmeter gross ist. So können sich die Tiere nötigenfalls aus dem Weg gehen. Vor allem zu den Nashörnern halten die anderen Arten ehrfürchtig Abstand.

Illustration Zoo: Giraffe, Nashorn und Huhn

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