Genf: Heimat vieler internationaler Organisationen
Mit seiner jahrhundertealten Tradition der Neutralität, seiner zentralen Lage in Europa und einer beeindruckenden Ansammlung internationaler Organisationen hat sich Genf zu einem der wichtigsten Zentren der globalen Zusammenarbeit entwickelt. Doch wie wurde die zweitgrösste Stadt der Schweiz zu einem Dreh- und Angelpunkt der Weltpolitik – und welche Vorteile bringt ihr diese besondere Rolle?
Text: Rolando Seger
Die mit ca. 209'000 Einwohnern zweitgrösste Stadt der Schweiz ist als Zentrum der Diplomatie und Heimat zahlreicher internationaler Organisationen bekannt. Wie konnte sich Genf zu einem bedeutenden Ort für die globale Zusammenarbeit entwickeln und welche Vorteile bringt dies der Schweiz?
Genfs besondere Rolle als Standort für internationale Organisationen ist eng mit der Geschichte und den politischen Rahmenbedingungen verknüpft. Seit 1815 ist die Schweiz ein neutraler Staat. Das heisst: Bei internationalen Konflikten schlägt sie sich auf keine Seite. Dank dieser Neutralität hat sich das Land zu einem idealen Ort für Verhandlungen und den Dialog zwischen Staaten entwickelt.
Überdies hat die Schweiz eine lange Tradition der humanitären Hilfe. Sie reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück, als der Schweizer Geschäftsmann Henry Dunant das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) gründete. Dieses hat seinen Sitz bis heute in Genf und ist eine der bekanntesten Organisationen der Stadt. Mit der geografischen Lage im Herzen Europas ist eine gute Erreichbarkeit von überall gewährleistet. Genf sorgt mit guter Infrastruktur, hoher Lebensqualität und multikultureller Atmosphäre für ideale Bedingungen. Zudem bietet die Schweiz attraktive rechtliche und steuerliche Rahmenbedingungen. So geniessen viele internationale Organisationen in der Schweiz Steuererleichterungen und andere Privilegien, die ihre Ansiedlung erleichtern.
Schweiz: Die neutrale Vermittlerin
Heute ist Genf Sitz von über 40 internationalen Organisationen und mehr als 750 Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Zu den bekanntesten Organisationen zählen die Vereinten Nationen (UN) mit ihrem europäischen Hauptsitz im Palais des Nations, die Weltgesundheitsorganisation (WHO), die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), die Welthandelsorganisation (WTO) und das schon erwähnte IKRK. Darüber hinaus beherbergt Genf zahlreiche spezialisierte UN-Agenturen wie das Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) und das Büro der Vereinten Nationen für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA). Daneben finden in Genf viele internationale Konferenzen und Verhandlungen statt. Die Stadt ist ein zentraler Ort für den Dialog in Bereichen wie Menschenrechte, Gesundheit, Handel, Abrüstung und Klimaschutz. Jährlich finden hier Tausende von Treffen statt, die Delegierte aus der ganzen Welt anziehen.
Die Präsenz so vieler internationaler Organisationen bringt der Schweiz zahlreiche immaterielle wie auch materielle Vorteile. Zunächst stärkt sie das internationale Ansehen. Die Schweiz wird weltweit als neutrale Vermittlerin und als Ort des Dialogs wahrgenommen, was ihr eine wichtige Rolle in der globalen Politik sichert.
Gibt es auch wirtschaftliche Vorteile?
Wirtschaftlich profitiert die Schweiz ebenfalls erheblich, denn die internationalen Organisationen schaffen Tausende von Arbeitsplätzen. Einerseits direkt in den Organisationen selbst, andererseits indirekt in den Sektoren Hotellerie, Gastronomie, Transport und anderen Dienstleistungen. Es wird geschätzt, dass allein die internationalen Organisationen in Genf jährlich mehrere Milliarden Schweizer Franken zur lokalen und nationalen Wirtschaft beitragen. Darüber hinaus zieht die Stadt hochqualifizierte Fachkräfte aus aller Welt an, was die Innovationskraft und den internationalen Austausch fördert. Die multikulturelle Atmosphäre, die durch die Präsenz so vieler Nationen entsteht, trägt zum besonderen Flair von Genf bei und macht die Stadt zu einem einzigartigen Ort.