Zum Hauptinhalt springen

Hohe Volatilität bei Edel­metallen

Geopolitische Unsicherheiten und steigende Zinser­wartungen setzen Gold unter Druck. Doch das Edelmetall bleibt ein sicherer Hafen – mit Potenzial für Erholung und Diversi­fikation. Erfahren Sie mehr dazu in der Analyse von Simon Lustenberger, Leiter Anlag­estrategie.

Text: Simon Lustenberger

Simon Lustenberger, Leiter Anlagestrategie Investment Solutions (Bild: Christian Grund)
Trotz kurzfristiger Schwankungen bleibt Gold langfristig attraktiv, insbesondere durch mögliche USD-Abwertungen, Zentralbankkäufe und seine Rolle als sicherer Hafen (Bild: Christian Grund)

Gold steht im Brennpunkt zwischen Inflation und Zinsen. Das gelbe Edelmetall ist mit grossen Schwankungen ins Jahr 2026 gestartet. Solange die kriegerischen Auseinander­setzungen im Nahen Osten rund um die Strasse von Hormus andauern, wird auch die Volatilität von Gold hoch bleiben. In der jüngsten geo­politischen Krise konnte Gold seinen Status als sicherer Hafen jedoch noch nicht ausspielen. Denn die gestiegenen Energie­preise haben die kurzfristigen Inflations­erwartungen erhöht und Zinserhöhungs­fantasien für die nächsten Entscheidungen der Zentralbanken ausgelöst.

Die Erwartungen an restriktivere Finanzierungs­bedingungen haben die Finanzmärkte und auch Gold entsprechend unter Druck gesetzt. In der historischen Betrachtung ist ein Muster erkennbar, dem zufolge steigende Zins­erwartungen Anlage­klassen wie Aktien, Obligationen und eben auch Gold belasten. Evidenz hierfür bietet das Jahr 2022, als die Ölpreise und Zinser­wartungen ebenfalls angestiegen sind (vgl. Grafik). 

Goldpreis profitiert von tieferen US-Zins­erwartungen

OIS Fed Funds 1Y: US-Leitzinserwartungen in einem Jahr / Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Aktuell halten sich die Verkäufe von Gold-ETFs in Grenzen, was nicht für einen ähnlichen Abbau der physisch hinterlegten Bestände wie im Jahr 2022 spricht (vgl. Grafik). Sobald Anzeichen einer Beruhigung der Lage im Nahen Osten erkennbar sind, dürften die Ölpreise wieder fallen und Gold könnte sich erholen. Das Edelmetall kann aber auch eine Versicherung ausserhalb unseres Basis­szenarios bieten und zur Diversi­fikation im Portfolio beitragen, wenn die Ölpreise länger erhöht bleiben und aufgrund konjunktureller Bremsspuren Zins­senkungen am Markt eingepreist werden.

Verkäufe von Goldfonds sind noch gering

ETF-Bestände von Edelmetallen in Tonnen / Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Langfristig spricht das USD-Debase­ment für Gold

Der US-Dollar hat vorüber­gehend wieder den Status eines sicheren Hafens übernommen. Die Suche nach Sicherheit, die Energie­autarkie der USA und eine möglicherweise längere Pause im Zinssenkungs­zyklus der Fed liessen den US-Dollar nach der Eskalation im Nahen Osten aufwerten. Sollte sich die Situation entspannen, würde der Dollar jedoch wieder schwächer tendieren. Die Stabilität der Schwellen­länderwährungen, die damit einhergeht, ist auch eine Voraussetzung dafür, dass Goldbestände von Zentral­banken nicht weiter zur Verteidigung der eigenen Währung eingesetzt werden müssen. So hat die Zentralbank der Türkei in den letzten zwei Wochen 60 Tonnen Gold durch Verkäufe und Swaps in Liquidität umgewandelt, um die Lira zu stabilisieren. Letztendlich könnte sich durch die unberechenbare Aussen­politik der USA die Diversifikation der Fremdwährungs­reserven der Zentralbanken weg vom US-Dollar beschleunigen. Dann wäre mit einer Fortsetzung der Goldkäufe und einer Rückab­wicklung der Swaps zu rechnen. Die steigenden US-Militär­ausgaben werden das hohe Budget­defizit in den USA aufrecht­erhalten und die Schulden­problematik wieder in den Fokus rücken. Davon würden Sachwerte wie Gold ebenfalls profitieren (USD-Debasement).

Gold ist attraktiver als Silber

Während sowohl Gold als auch Silber seit Beginn des Irankrieges an Wert verloren haben, ist das Verhältnis zwischen beiden gestiegen, da Gold als besserer Wertspeicher angesehen wird. Dieses Verhältnis, das steigt, wenn Gold attraktiver wird, liegt derzeit bei etwa 64 und damit unter dem seit Beginn des Jahrhunderts vorherrschenden Mittelwert von knapp 69. Wir bevorzugen aufgrund der attraktiveren relativen Bewertung Gold und sehen einen Vorteil durch die verschiedenen Nachfrage­quellen (unter anderem Zentralbanken und ETFs). Bei Silber sind die ETF-Bestände schon seit Jahresbeginn rückläufig. Es scheint, als stünden Argumente wie das fortbe­stehende Angebots­defizit bei Silber im aktuellen Umfeld weniger im Vordergrund. Im Falle einer Deeskalation im Nahen Osten rechnen wir aber auch bei Silber mit einer Preissteigerung. 

Kategorien

Anlegen