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Wieso steigt der Benzinpreis in den USA?

Trotz Fracking-Boom und Rekord­förderung bleibt der Benzinpreis in den USA hoch. Warum importiert das grösste Ölförder­land der Welt Rohöl – und exportiert es gleichzeitig? Ein Blick hinter die Kulissen.

Text: Silke Humbert

Gas station - fuel nozzle
Bild: Getty Images

Die USA sind durch das hydraulische Fracking zum grössten Ölförder­land der Welt aufgestiegen. Insgesamt produzieren sie etwa 20 Millionen Fass pro Tag an Erdöl und Erdöl­äquivalenten; ihr Verbrauch liegt in einer ähnlichen Grössen­ordnung. Dennoch ist der Benzin­preis an den amerikanischen Tankstellen seit dem Krieg gegen den Iran zwischenzeitlich um über ein Drittel gestiegen. Warum?

Erstens wird für die Herstellung von Benzin Rohöl, englisch «Crude Oil», benötigt. Davon fördern die USA 14 Millionen Fass pro Tag. Sechs Millionen Barrel pro Tag müssen also importiert werden. Der Grossteil davon stammt aus Kanada, etwa 8 Prozent jedoch aus dem Mittleren Osten. Zusätzlich hat Öl als weltweit gehandelte Ware einen Weltmarkt­preis. Sofern die USA keine staatlichen Preiskontrollen einführen, spüren die US-Konsumenten die erhöhte Nachfrage in anderen Teilen der Welt auch an ihrer lokalen Tankstelle. Selbst ein Exportverbot würde die US-Konsumenten nicht besser­stellen. Denn dass die USA Rohöl nicht nur importieren, sondern auch exportieren hat wirtschaftliche Gründe.

Öl ist nicht gleich Öl…

Öl wird nach seiner Dichte und seinem Schwefel­gehalt unterteilt. Bei der Dichte gibt es die Kategorien leicht, mittel, und schwer. Global gesehen macht mittel­schweres Öl mehr als die Hälfte aus, leichtes Öl etwa ein Drittel und der Rest entfällt auf schweres Rohöl. Die Verteilung ist jedoch nicht statisch: So hat sich die Menge an leichtem Rohöl in den letzten 20 Jahren weltweit um fünf Prozent­punkte gesteigert (vgl. Grafik). Ursache hierfür ist die seit etwa 2010 praktizierte Förderung im amerikanischen Schiefer­gestein durch Fracking. Das dabei gewonnene Öl ist leicht und macht in den USA mittlerweile einen viel höheren Anteil aus als das schwere Öl aus dem Golf von Mexiko und Kalifornien. Das Verhältnis von leichtem zu schwerem in den USA gefördertem Rohöl stand vor über 10 Jahren noch im Verhältnis von 5:1 – heute ist es ein Verhältnis von 8:1.

Aufgrund des Fracking-Booms wird immer mehr leichtes Rohöl gefördert

Weltweite Rohölanteile

Quelle: Zürcher Kantonalbank, BNEF

… und Raffinerie nicht Raffinerie

Geologisch deutete im vergangenen Jahrhundert alles darauf hin, dass es immer wichtiger werden würde, schweres Öl verarbeiten zu können. Daher wurden in den USA kapital­intensive Raffinerien gebaut, die sich speziell für die komplexere Verarbeitung von schwerem Öl eigneten. Schweres Öl wird zudem zu einem Preis­abschlag gegenüber leichtem Öl gehandelt, sodass für die auf Schweröl speziali­sierten Raffinerien die Aussicht bestand, ihre hohen Kapital­kosten wieder einfahren zu können. Von der Schiefer­gestein-Revolution und dem schnell gestiegenen Volumen an leichtem Öl wurden die Raffinerien kalt erwischt. Zwar können die für Schweröl ausgelegten Raffinerien sehr wohl auch leichtes Öl verarbeiten, doch die teure Ausstattung dieser Raffinerien kapitalisiert sich so nicht. Es ist für sie daher finanziell attraktiver, importiertes Schweröl zu verarbeiten. Das leichte US-Öl wird umgekehrt an weniger spezialisierte Raffinerien im Ausland exportiert. Das führt dazu, dass die USA Rohöl sowohl exportieren als auch importieren.

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