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Schweiz: Chancen im Nullzinsumfeld

Das anhaltende Tiefzins­umfeld in der Schweiz bringt nicht nur Heraus­forderungen mit sich, sondern eröffnet auch Chancen. Insbesondere Unternehmens­anleihen, Immobilien und Schweizer Small Caps bieten attraktive Investitions­möglichkeiten.

Text: Elias Hafner

Junction of the M4 and M5 motorways. UK.
Der Schweizer Aktienmarkt zeichnet sich durch eine starke Konzentration auf wenige grosse Unternehmen aus (Bild: Getty Images)

Im Oktober 2025 hat die Schweizerische Nationalbank (SNB) die Finalisten der neuen Banknoten­serie bekannt­gegeben. Das Thema der Serie lautet «Die Schweiz und ihre Höhen­lagen» – von den tiefsten Tälern bis zu den höchsten Alpengipfeln. Der topographische Nullpunkt der Schweiz liegt beim Seespiegel des Lago Maggiore auf 193 Meter über Meer.

Dies passt sinnbildlich zur Höhe des Schweizer Leitzinses, den die SNB im Jahres­verlauf aufgrund der niedrigen Inflation auf null gesenkt hat. Gleichzeitig stieg die Nachfrage nach Schweizer Obligationen aufgrund geo- und handels­politischer Unsicherheiten, was die Renditen zeitweise unter das Niveau vom Jahresbeginn drückte.

Sparer werden somit auch 2026 kaum Zinsen für ihre Bank­einlagen erhalten. Anleger sehen sich folglich mit geringen Ertrags­aussichten bei risikolosen Anlagen konfrontiert.

Attraktive Schweizer Unternehmens­anleihen

Verfalls­renditen und relative Marktk­apitalisierung am Swiss Bond Index (SBI)

*Rest (57 Prozent): Pfandbriefe und öffentliche Hand | Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSGE Datastream

Eines vorweg: Trotz tiefer Renditen gibt es nach wie vor gute Gründe, Schweizer Staats­anleihen im Portfolio zu halten: Aufgrund niedriger Inflation ist der Kaufkraft­verlust gering und es lassen sich aufgrund der aufwärts­gerichteten Zinsstruktur­kurve Rolldown-Gewinne erzielen. Ein zentrales Argument, das für Eidgenossen in einem gemischten Portfolio spricht, ist ihre stabilisierende Wirkung. Insbesondere in turbulenten Börsenjahren wie 2025 hat sich das ausgezahlt. Die hohen Anleihen­preise sind auch Ausdruck für die hohe Qualität. Sollten die globalen Risiken zunehmen oder sollte die SNB den Leitzins wider Erwarten in den negativen Bereich senken, besteht weiteres Potenzial für Kursgewinne. Aufgrund der tiefen Rendite­aussichten verstärkt sich jedoch die Suche nach Anlage­alternativen.

Die Nachfrage nach Schweizer Obligationen ist aufgrund geo- und handelspolitischer Unsicherheiten gestiegen

Elias Hafner, Anlagestratege

Unternehmens­anleihen mit Mehrrendite

Trotz Nullzinsen kann im Schweizer Obligationen­markt durch die Übernahme höherer Kreditrisiken eine Mehrrendite erzielt werden. Wir erachten in Franken denominerte Unternehmens­anleihen als eine attraktive, strukturelle Beimischung im Portfolio, sie können im Tiefzins­umfeld einen wertvollen Beitrag zur Lösung des Anlage­notstands leisten. Zudem verfügen Schweizer Unternehmens­anleihen aufgrund der stabilen Schuldner und der kürzeren Duration meistens über tiefere Kurs­schwankungen als Schweizer Staats­anleihen. Nicht zuletzt stellen Unternehmens­anleihen einen beträchtlichen Teil des Schweizer Obligationen­marktes dar.

Sollte die Schweizer Wirtschaft 2026 starkem konjunkturellem Gegenwind ausgesetzt sein, würde das die Unternehmens­anleihen vorübergehend belasten. Wir gehen 2026 allerdings von einer Wiederb­elebung des Wirtschafts­wachstums in der Schweiz aus. Gleiches gilt für die Eurozone, aus welcher der Grossteil der ausländischen Schuldner stammt, sie machen 40 Prozent des Marktes für in Franken denominierte Unternehmens­anleihen aus. Dieses Wachstum könnte das Marktpotenzial für Unternehmens­anleihen zusätzlich stärken.

Immobilien gehören auch 2026 ins Portfolio

Im aktuellen Tiefzinsumfeld bleiben Immobilien­investitionen attraktiv. Börsengehandelte Schweizer Immobilien­fonds bieten eine Ausschüttungs­rendite von etwa 2 bis 2,5 Prozent und damit eine attraktive Mehrrendite im Vergleich zu fest­verzinslichen Anlagen. Gemessen an den Agios befinden sich die Bewertungen jedoch auf erhöhtem Niveau. Zudem bleibt die Anlageklasse regulatorischen und politischen Einflüssen ausgesetzt. Wir erwarten eine anhaltende Tiefzins­phase, ohne signifikanten Anstieg der Leerstands­quoten. Dadurch dürften die Mieteinnahmen gesichert bleiben und die Kurse weiterhin unterstützt werden.

Schweizer Aktien: Des einen Leid, des anderen Freud

Im Tiefzinsumfeld können sich Unternehmen zu günstigeren Konditionen finanzieren, was sich positiv auf die Aktienkurse auswirkt. Zudem erhöhen tiefe Zinsen die Risiko­prämie von Aktien im Vergleich zu Staats­anleihen. Diese Risiko­prämie lag zum Jahresende bei 5 Prozent und damit über dem Langzeit­durchschnitt (vgl. Grafik). Daher könnten die anhaltend niedrigen Zinsen dem Schweizer Aktienmarkt auch 2026 Rückenwind verleihen.

Attraktive Risikoprämien bei Schweizer Aktien 

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Der Schweizer Aktienmarkt zeichnet sich durch eine starke Konzentration auf wenige grosse Unternehmen aus. Zudem ist er bekannt für seinen defensiven Charakter mit einem vergleichsweise geringen Anteil an Technologie. Sie sind meist international diversifiziert, bieten Chancen für stabile Einnahme­quellen und sind daher ein attraktiver Bestandteil langfristiger Anlage­entscheidungen. In einem günstigen konjunkturellen Umfeld bieten sich gar noch höhere Chancen für konjunktur­sensitivere Unternehmen.

Im Schatten der grossen defensiven Unternehmen am Schweizer Aktienmarkt haben sich die Gewinne der kleineren, zyklischeren Unternehmen (Small Caps) positiv entwickelt. Dies ist vor allem der industriellen Erholung in der Eurozone zu verdanken. Davon haben die Schweizer Small Caps profitiert, da sie im Vergleich zu den grösser kapitalisierten Unternehmen eine deutliche Übergewichtung an Industrie­unternehmen aufweisen und höhere Umsatzanteile in Europa erzielen. Unterstützt durch die Wirtschafts­erholung in der Eurozone, die sich 2026 fortsetzen wird, erwarten wir bei den Schweizer Small Caps eine deutlich dynamischere Gewinn­entwicklung als bei den gross­kapitalisierten Firmen. Zusätzliche US-Zinssenkungen dürften die zyklischen Sektoren bei solider globaler Konjunktur unterstützen und den Small Caps weiter Rückenwind verleihen. 

Sinnbildlich steht die Schweiz wieder am zins­mässigen Nullpunkt. Mit Schweizer Aktien, Immobilien und Unternehmens­anleihen bestehen aber attraktive Anlage­alternativen, die auch im Tiefzins­umfeld die Chance bieten, rendite­technisch höhere Lagen zu erreichen.

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