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Turbulente Welt­lage – ruhige Hand der SNB

Wie von den Finanzmarkt­teilnehmern erwartet, belässt die SNB ihren Leit­zins unverändert bei 0%.

Text: David Marmet

Je grösser die geopolitischen Verwerfungen, desto wichtiger eine geldpolitisch ruhige Hand. Unter dieser Prämisse ging heute die vierteljährlich stattfindende geld­politische Lage­beurteilung der Schweizerischen National­bank (SNB) über die Bühne. Wie von den Finanzmarkt­teilnehmern erwartet, hat die SNB ihren Leitzins unverändert bei 0% belassen. Auch die begleitenden Kern­aussagen wurden im Vergleich zum Dezember 2025 kaum angepasst. Die Sicht­guthaben der Banken bei der SNB werden weiterhin bis zu einer bestimmten Limite zum SNB-Leitzins zu 0% verzinst. Der Zins­abschlag auf Sicht­guthaben oberhalb dieser Limite beträgt nach wie vor 0.25 Prozentpunkte. Einzig die Formulierung zum Devisen­markt wurde gegenüber der Presse­mitteilung von Dezember angepasst. Bisher hiess es, die SNB sei bei Bedarf weiterhin bereit, am Devisen­markt aktiv zu sein. Neu heisst es, dass angesichts des Konflikts im Nahen Osten die Bereit­schaft erhöht sei, am Devisen­markt zu intervenieren.

Devisenmarkt­interventionen bleiben erste Wahl

Seit dem Beginn des Iran-Krieges am 28. Februar 2026 stand der Schweizer Franken im Zentrum der geld­politischen Diskussion. In den ersten Kriegstagen hatte die SNB auf den Aufwertungs­druck des Schweizer Frankens ungewöhnlich deutlich reagiert: «Angesichts der internationalen Entwicklung ist unsere Bereitschaft, am Devisen­markt zu intervenieren, erhöht. Wir sind bereit, am Devisen­markt zu intervenieren, um eine rasche und übermässige Aufwertung des Frankens abzudämpfen, die die Preis­stabilität in der Schweiz gefährdet». An der heutigen Presse­konferenz liess sie sich wie gewohnt nicht in die Karten blicken, ob der verbalen Ankündigung auch eine tatsächliche Intervention gefolgt ist. Aufgrund der jüngeren EUR/CHF-Wechselkurs­entwicklung ist indes davon auszugehen. Klar wurde, dass Devisenmarkt­interventionen weiterhin das Mittel erster Wahl sind, um dem Aufwertungs­druck entgegenzuwirken.

Warten bis sich der geopolitische Nebel lichtet

Zurzeit weiss niemand, wie lange dieser Krieg dauern wird. Entsprechend unsicher sind die wirtschaftlichen Prognosen, insbesondere zur Inflation. Es stellen sich folgende Fragen: Bleibt der Erdölpreis für längere Zeit erhöht und kommt es dadurch zu Zweitrunden­effekten? Bleibt der Schweizer Franken als sicherer Hafen weiter nachgefragt? Je nach den Antworten hat die SNB neben Devisenmarkt­interventionen auch zinspolitischen Handlungsbedarf in die eine oder andere Richtung. Höhere Energiepreise, die sich allmählich auf das gesamte Preis­niveau durchschlagen, sprechen für eine Zinserhöhung. Ein starker Franken, der die Preise der Waren­importe sinken lässt, spricht für eine Zins­senkung. Entsprechend ist für die SNB das Gebot der Stunde vorerst zuzuwarten, bis sich der geopolitische Nebel gelichtet hat.

Preis­stabilität gewährleistet, aber Prognose­unsicherheit erhöht

Für die SNB ist die bedingte Inflations­prognose der Hauptindikator für die Geld­politik und ein zentrales Instrument der Kommunikation. Folgerichtig hat sie heute ihren erwarteten Inflations­pfad trotz hoher Prognose­unsicherheit veröffentlicht. Die SNB rechnet für dieses und nächstes Jahr mit einer Inflationsrate von 0.5%. Die bedingte Inflations­prognose liegt für die nächsten Quartale wegen des Anstiegs der Energie­preise höher als bei der letzten Lage­beurteilung im Dezember (0.3%). Der mittel­fristige Inflations­druck hat sich aber gemäss SNB kaum verändert. Was klar gegen eine baldige Zins­erhöhung spricht: Die Prognose befindet sich über den gesamten Prognose­zeitraum im Bereich der Preis­stabilität. Selbst gegen Ende des Prognose­horizonts im 4. Quartal 2028 bleibt die Inflation mit 0.7% unterhalb der Mitte des Ziel­bandes von einem Prozent.

Wachstums­aussichten bis jetzt intakt

Unterstützung für den heutigen Null-Entscheid lieferte wohl auch der makro­ökonomische Datenkranz. So wuchs das Schweizer BIP im 4. Quartal 2025 um 0.2%, nach einem Rück­gang von 0.4% im Vorquartal. Damit stabilisierte sich die gesamt­wirtschaftliche Entwicklung zum Jahresende. Die Konjunktur­daten für das laufende 1. Quartal 2026 sind bisher verhalten positiv ausgefallen. Die Talsohle der konjunkturellen Schwäche­phase scheint durchschritten zu sein – voraus-gesetzt, es kommt aufgrund des Iran-Krieges nicht zu einer Negativspirale. Die SNB geht in ihrem Basis­szenario unverändert davon aus, dass das Schweizer BIP in diesem Jahr um rund 1% wachsen wird.

Keine Anpassung der Geld­politik im Jahr 2026 erwartet

Wie die SNB an ihrer heutigen Medien­konferenz mehrmals betont hat, unterliegen die dem geldpolitischen Entscheid zugrunde­liegenden Prognosen aktuell einer grossen Unsicherheit. Die Energie- und Wechselkurskräfte wirken auf die Schweizer Inflation bei den vorherrschenden geo­politischen Verwerfungen in entgegen­gesetzter Richtung. Dies spricht dafür, dass die SNB eine kurzfristige markante Frankenaufwertung mit Devisenmarkt­interventionen abdämpfen wird, aber auf absehbare Zeit nicht an der Zins­schraube gedreht wird. Entgegen den aktuellen Markt­erwartungen gehen wir weiterhin davon aus, dass der SNB-Leitzins zumindest bis Ende 2026 auf dem heutigen Niveau von 0% verharren wird.

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