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Zwischen Wachstum und Inflation: Ein Balance­akt der Wirtschaft

Stagflation – ein Begriff, der auf den ersten Blick nach düsteren Wirtschafts­aussichten klingt. Doch was steckt wirklich dahinter? Und wie ernst ist die Lage aktuell? Während die Kombi­nation aus stagnierendem Wachstum und steigenden Preisen Anleger­innen und Anleger alarmieren könnte, gibt es auch Lichtblicke.

Text: Dr. Anja Hochberg

CIO Anja Hochberg im Gespräch
Bild: Christian Grund

Um einen bestimmten Umstand im volkswirt­schaftlichen Kontext präzise zu beschreiben, verwenden Ökonominnen und Ökonomen gerne Fach­begriffe. Für Eingeweihte ist vieles klar, doch das Vokabular scheint oft nicht massen­tauglich zu sein, auch ausserhalb der Finanzmarkt­presse. Aus aktuellem Anlass lohnt es sich für Anleger­innen und Anleger, einen Blick auf den Begriff «Stagflation» zu werfen.

Zunächst ist Stagflation ein Kunst­begriff, der sich aus den Wörtern Stagnation und Inflation zusammen­setzt und zwei unterschiedliche Entwicklungen vereint. Bei Stagnation tritt die Wirtschaft auf der Stelle, da sie aus unter­schiedlichen Gründen in ihrem Wachstum einge­schränkt ist. Wenn sich dazu Inflation gesellt, die eine Steigerung des Preis­niveaus beschreibt, haben wir eine sich kaum entwickelnde Wirtschaft plus höhere Preise. Das klingt tatsächlich nicht so toll.

Anja Hochberg

Moderates Wachstum trotz steigender Inflation – eine «Stagflation light»

Dr. Anja Hochberg, CIO

In der aktuellen Situation ordne ich den Grad der Stag­flation jedoch eher einer milderen Form zu, obwohl auch wir unsere Prognose für das Wirtschafts­wachstum etwas nach unten und jene für die Inflation leicht nach oben korrigiert haben.

Warum «Stagflation light»? Zwar hat der hohe Ölpreis den einen oder anderen Kratzer, insbe­sondere beim privaten Konsum, hinterlassen. Allerdings bleibt die Investitions­dynamik beim Thema künstliche Intelligenz hoch und damit das Wachstum insgesamt noch moderat. Auch der Anstieg der Teuerung dürfte über­schaubar sein und sich nicht mit dem Jahr 2022 vergleichen lassen. Die damalige markante Inflations­beschleunigung war auch stark den Corona-bedingten Nachhol­effekten geschuldet. Im Gegensatz dazu basiert die aktuell gestiegene Inflation überwiegend auf den Energie­preisen und trifft auf eine Volks­wirtschaft, die weit von ausge­lasteten Kapazitäten entfernt ist, so dass keine weiteren Preisüber­wälzungen drohen.

Kommen Sie gut durch den Juni und bleiben Sie ausgewogen! 

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