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Gold: US-Zinser­wartungen entscheidend

Steigende Zinsen und ein starker Dollar belasten den Goldpreis. Doch geo­politische Spannungen und Käufe der Zentral­banken könnten ihn bald wieder stützen. Erfahren Sie mehr zu den Aus­sichten von Gold.

Text: Simon Lustenberger

Quelle: GettyImages

Historisch betrachtet zählen fallende US-Zinser­wartungen zu den wichtigsten Argumenten für breit abgestützte Goldkäufe, wie sie bis Februar 2026 statt­gefunden haben. Steigen hingegen die Erwartungen für eine restriktivere US-Geldpolitik, reagiert das zinslose Gold mit Kurs­verlusten. So ist die Markterwartung für das US-Leitzins­niveau in einem Jahr (USD OIS Swap) seit dem Ausbruch des Iran-Kriegs von 3,4 auf 4  Prozent gestiegen und hat damit zu einem Rückgang des Goldpreises geführt (vgl. Grafik).

Durch die Nominierung von Kevin Warsh als Fed-Vorsitzenden wurden die Befürchtungen hinsichtlich einer Aushöhlung der Unabhängigkeit der US-Notenbank gedämpft. Dies befeuerte wiederum Spekulationen um eine restriktivere Geldpolitik. Parallel zum Anstieg der Zinser­wartungen gewann der US-Dollar an Stärke. Da das in USD gehandelte Edelmetall ausserhalb des USD-Währungsraums teurer wurde, dämpfte dies die Nachfrage. Die Experten der Zürcher Kantonalbank gehen davon aus, dass der Gegenwind durch die traditionellen Gegenspieler Zinsen und US-Dollar nur vorüber­gehend ist.

Gold profitiert, wenn erwartete Leitzinsen sinken

Markt erwartet zwei US-Leitzinser­höhungen

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream

Nachlassender Zinsdruck positiv für Gold

Die US-Notenbank beliess die Geldpolitik im Juli unverändert. Bis zur nächsten Sitzung im September werden weitere wichtige Konjunktur­daten veröffentlicht, die Einblicke in die aktuelle Wirtschafts- und Inflations­dynamik gewähren werden. Das Festhalten am jetzigen Leitzins scheint uns nach wie vor wahrscheinlich. Dafür spricht, dass nicht alle FOMC-Mitglieder, die sich für eine Zinserhöhung aussprechen, stimm­berechtigt sind. Zudem dürfte ein Wiederanstieg der Erwerbsquote im Herbst den Arbeitsmarkt weniger angespannt erscheinen lassen. In den kommenden Monaten rechnen wir auch mit einem insgesamt moderaten Inflationsdruck, da die grössten Auswirkungen der Handelszölle auf die Preisent­wicklung bereits eingetreten sind. Damit dürften sich auch die Erwartungen bezüglich Zinser­höhungen durch die Fed wieder reduzieren. Mittelfristig rechnen wir zudem mit einem schwächeren USD.

Geldpolitik als Risiko, Fiskalpolitik als Chance

Die Lage im Nahen Osten sowie ein weiterer Preisanstieg an den Energie­märkten sind nach wie vor die grössten Risiken für die Aussichten auf Inflation und Leitzinsen – und somit auch für den Goldpreis. Ein Anstieg des Rohölpreises schlägt sich normalerweise in höheren Zinser­wartungen nieder. Aktuell sind am Terminmarkt jedoch bereits zwei Zinser­höhungen von jeweils 0,25 Prozent bis Juli 2027 eingepreist. Eine erneute Aufwärts­revision würde somit einen signifikanten und langan­haltenden Anstieg der Ölnotierungen voraussetzen. Der Nahost­konflikt verschärft andererseits das US-Haushalts­defizit. Übt eine Verschlecht­erung der Fiskalposition Aufwärts­druck auf die Anleihen­renditen aus und sinkt dadurch der US-Dollar, kann dies durchaus positiv für die Preisent­wicklung von Edelmetallen sein. In diesem Fall sind die höheren Kapitalmarkt­renditen weniger belastend, da sie nicht über den Kanal der Zinser­wartungen zustande kommen. Eine ähnliche Entwicklung war jüngst bei der Kursschwäche des japanischen Yens zu beobachten. Japan ist der grösste Gläubiger der Vereinigten Staaten von Amerika in Sachen Staats­anleihen. Um sich gegen den Abwertungs­druck der heimischen Währung zu stemmen, könnten US-Staats­anleihen verkauft werden, um anschliessend den Erlös in USD gegen JPY einzutauschen. Auch hier wären steigende Kapitalmarkt­renditen und eine Abschwächung des US-Dollars tendenziell positiv für den Goldpreis. Die koordinierten Währungs­interventionen von Japan und den USA zeigen, dass sich die US-Administration um die fiskalpolitische Situation sorgt.

Zentralbanken bleiben eine Stütze

Die Nachfrage nach börsen­gehandelten ETFs dürfte sich eng an den beschriebenen fundamen­talen Entwicklungen orientieren. Sie wird dem Goldmarkt je nach Entwicklung der Leitzins­erwartungen die Richtung vorgeben. Davon unabhängig dürften die Zentralbanken ihre strukturell höheren Käufe der letzten vier Jahre fortsetzen. Diese beliefen sich auf ca. 1.000 Tonnen pro Jahr, was mehr als 20 Prozent des Angebots entspricht. Laut der jährlichen Umfrage des World Gold Council erwarten dieses Jahr 45 Prozent der befragten Zentralbanken, dass ihre eigenen Gold­reserven in den nächsten zwölf Monaten steigen werden – so viele wie nie zuvor. Die Mehrheit der übrigen Befragten erwartet keine Veränderung, während 1 Prozent davon ausgeht, dass die Gold­reserven ihrer Institution sinken werden. Gold gilt als Teil einer Politik zur Diversi­fizierung der Währungs­reserven. Das ist ein wesentlicher Grund für eine Erhöhung der Goldanteile – mehrheitlich zulasten des US-Dollars. Die Notenbanken glätten damit die hohen Nachfrage­schwankungen auf Investorenseite.

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