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Geo­politische Anspann­ungen erhöhen Druck auf Öl­markt

Geo­politische Spann­ungen im Nahen Osten erhöhen den Druck auf den globalen Öl­markt und treiben die Energie­preise deutlich in die Höhe. Das verstärkt den Inflations­druck in Europa, Asien und den USA und erhöht die Wahrscheinlich­keit weiterer Zins­erhöhungen der US-Fed.

Text: Manuel Ferreira

Die 1'200 Kilo­meter lange Ost-West-Pipeline in Saudi-Arabien musste Ende letzter Woche nach Drohnen­angriffen aus dem Irak vorübergehend still­gelegt werden. Die beschädigte Pipeline transportiert 4 bis 5 Mio. Barrel pro Tag bzw. rund 4% des weltweiten Ölangebots, Reparaturen könnten Wochen oder Monate dauern.

Gleich­zeitig haben die vom Iran unterstützten Houthi-Rebellen die Insel Perim in der Meerenge von Bab al-Mandab eingenommen, was den Schiffs­verkehr für etwa 7% der globalen Erdöl­versorgung und 12% des Welt­handels bedroht. Damit droht die Blockade einer zweiten wichtigen Meeres­enge für den globalen Ölhandel.

In der Woche vom 7. bis 11. September 2026 stiegen die Erdöl­preise der Sorte Brent-Öl auf knapp 110 USD pro Barrel, bevor sie sich bei hoher Volatilität wieder bei 106 USD einpendelten.      

Geo­politische Spann­ungen und regionale Aus­wirkungen

Europas Energie­knappheit erhöht den Inflations­druck

In Europa sind Raffinerie­produkte von Liefer­engpässen und hohen Transport­kosten betroffen. Die Raffinerie­margen für Diesel stiegen allein am Freitag um 4.5%. Die Rohöl­preise steigen, da asiatische Raffinerien verstärkt Rohöl auf dem Spotmarkt kaufen und damit die Verfügbar­keit für europäische Raffinerien einschränken.

Europas LNG-Versorgung ist von den jüngsten Entwicklungen vor allem preislich betroffen. Europa und Asien stehen in einem stärkeren Wettbewerb um verfügbare Ladungen. Die Wintergas­speicher sind insbesondere in den Niederlanden und Deutschland tiefer als vor dem Ukraine-Krieg 2022, wobei die Speicher­ziele bewusst gesenkt wurden, um Lehren aus der Energie­krise 2022 und der Schliessung der Strasse von Hormus zu ziehen.

Die steigenden Energie­preise erhöhen den Inflations­druck, weshalb die Europäische Zentralbank weitere Zins­erhöhungen in Erwägung ziehen könnte, falls die Energie­preise weiter steigen.

Asien kauft, was verfügbar ist

Die Prämien für Cash-Dubai-Öl sind auf 28.34 USD pro Barrel gestiegen, was auf eine physische Verknappung hinweist. Zwar wird erwartet, dass Chinas Öl­bedarf 2026 um 3.9% zurück­geht, dennoch kaufen chinesische und indische Raffinerien derzeit aggressiv alternative Rohöl­sorten, um den Wegfall von Liefer­ungen aus dem Nahen Osten zu kompensieren.

In der Folge haben die zuvor stark rück­läufigen chinesischen Öl­importe zuletzt wieder deutlich zugelegt. Die steigenden Ölpreise treiben die Inflation in Asien an und können die Konjunktur­dynamik belasten.

In den USA erhöht sich die Wahrscheinlich­keit einer Zins­erhöhung

Der nationale Durchschnitts­preis für Diesel stieg in den USA auf über 6 USD pro Gallone, mit einem Höchst­wert von 9.99 USD in Kalifornien. Dies belastet Verbraucher und Unter­nehmen durch höhere Transport-, Landwirtschafts- und Baukosten.

Die Houthi-Offensive hat die Strategie der US-Regierung, den Iran wirtschaftlich zu isolieren, erheblich erschwert. Die US-Inflation liegt bereits bei über 3%. Wir erwarten neu eine Zins­erhöhung um 25 Basispunkte bei der anstehenden Fed-Sitzung am Mittwoch sowie mit hoher Wahrscheinlich­keit einen zweiten Schritt um 25 Basispunkte im Dezember.

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