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Was sind Dark Patterns?

Ob beim Online-Shopping, in Apps oder auf Websites – oft werden wir durch sogenannte «Dark Patterns» manipuliert. Diese versteckten Designtricks lenken unsere Entscheidungen unbewusst und drängen uns zu Handlungen, die nicht immer in unserem Interesse liegen.

Text: Rolando Seger

Vier Hände über einer Computer-Maus
Bild: Getty Images

Bei der Nutzung von Apps, beim Online-Shopping oder beim Surfen im Web: In der digitalen Welt treffen wir täglich Entscheidungen. Und das nicht immer aus freien Stücken, denn oft werden wir durch «Dark Patterns» beeinflusst. Dabei handelt es sich um subtile Designtricks, die unsere Handlungen und Entschei­dungen gezielt steuern.

Bei der Gestaltung von Benutzer­oberflächen für Websites, Apps oder Software werden vermehrt Design­strategien integriert, um Nut-zer zu Aktionen zu drängen, die nicht in ihrem besten Interesse liegen. Den Begriff «Dark Pattern» prägte der britische UX-Designer Harry Brignull im Jahr 2010. Er bezeichnete damit Gestaltungs­elemente, welche die Entscheidungs­freiheit der Nutzer einschränken oder sie in die Irre führen.

Beispiele gefällig? Ein Abonnement abzu­schliessen oder sich für einen Dienst anzumelden ist kinderleicht, sich davon wieder abzumelden oder einen Vertrag zu kündigen gestaltet sich dagegen überaus kompliziert. Klassisch sind vorein­gestellte Checkboxen für Newsletter oder optionale Leistungen, die man gar nicht benötigt. Mit irre­führenden Formu­lierungen, Schalt­flächen oder komplizierter Navigation sollen Nutzer zu ungewollten Käufen oder Aktionen verleitet werden. Beim Kauf von Tickets oder Reisen kommen Countdown-­Timer zum Einsatz, die künstlich Zeitdruck erzeugen, um schnelle Entschei­dungen zu erzwingen. Gleiches gilt beim Vorgaukeln limitierter Angebote mit Pop-Up-Botschaften wie «Nur noch ein Zimmer dieser Kategorie verfügbar».

Ausnutzung von Schwächen

Dark Patterns nutzen gezielt psycho­logische Schwächen und Verhaltens­muster der Menschen aus. Sie spielen mit Emotionen wie Angst, Unsicherheit und dem Wunsch, nichts zu verpassen. Die angeblich knappe Verfüg­barkeit von Hotelzimmern auf Buchungs­plattformen erweckt den Eindruck, dass sofortiges Handeln notwendig ist, obwohl Nutzer diesen Umstand gar nicht überprüfen können. Mit der Architektur des Designs werden Optionen so präsentiert, dass das teurere Produkt gewählt wird, während günstigere Alternativen visuell weniger auffällig dargestellt sind. Nutzerinnen und Nutzer werden subtil gesteuert, ohne sich dessen bewusst zu sein.

Gefährliche Tricks: Wie Dark Patterns Nutzer täuschen

Für Verbraucherinnen und Verbraucher können Dark Patterns zu Frustration, finanziellen Verlusten oder einem Gefühl des Kontroll­verlusts führen. Ein versehentlich abge­schlossenes Abonnement ist nicht nur ärgerlich, sondern auch kostspielig, und dessen Kündigung vielleicht nerven­aufreibend. Dark Patterns untergraben das Vertrauen in Plattformen und Unternehmen. Aus ethischer Sicht sind Dark Patterns höchst problematisch, denn sie widersprechen grund­legenden Prinzipien von Fairness und Transparenz. Nutzer sollten stets autonom und gut informiert Entschei­dungen treffen können, ohne durch Tricks in die Irre geführt zu werden. Dark Patterns nutzen die Informations­asymmetrie aus. Unternehmen verwenden ihre überlegene Kenntnis der digitalen Umgebung, um Nutzer zu benach­teiligen. Rechtlich betrachtet fallen Dark Patterns in eine Grauzone, die zunehmende Aufmerksam­keit erhält. In der EU gibt es bereits Regelungen, die Praktiken wie das vorein­gestellte Einwilligen in Cookies untersagen. Auch kommen Gesetze gegen unlauteren Wettbewerb vermehrt zur Anwendung. Das ist jedoch bloss der Anfang, denn es gibt noch viel zu tun. Da die Grenze zwischen cleverem Design und manipulativer Täuschung nicht immer klar gezogen werden kann, bleibt die Durchsetzung von Regelungen schwierig. 

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