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Wie steht es um die Financial Literacy in der Schweiz?

Der Umgang mit Geld will gelernt sein – doch in der Schweiz fehlt es vielen jungen Menschen an grund­legender finanzieller Bildung. Themen wie Budgetierung, Sparen und Schulden­management kommen oft zu kurz. Dabei ist es gerade in einem Land mit hohen Lebens­haltungskosten entscheidend, frühzeitig Finanz­kompetenzen zu stärken.

Text: Rolando Seger

Mann und Frau arbeiten zusammen
Bild: Getty Images

Der Umgang mit Geld will gelernt sein. Finanz­verhalten (Financial Behaviour) entwickelt sich früh und beschreibt, wie Menschen Geld verdienen, ausgeben, sparen, investieren und mit Schulden umgehen. Psychologische, soziale, kulturelle und wirtschaftliche Faktoren spielen dabei eine Rolle.

Trotz starkem Finanzsystem herrscht in der Schweiz bezüglich finanzieller Bildung (Financial Literacy) gerade bei der jüngeren Generation Luft nach oben. Es wäre wünschens­wert, wenn landesweit alle jungen Menschen bezüglich Konsum­verhalten, dem Vermeiden von Schulden, Sparen, Anlegen sowie dem Kennen des Steuer- und Renten­systems früh und systematisch geschult würden.

Wohl hat man in der Schweiz in den letzten Jahren erkannt, wie wichtig finanzielle Kompetenzen sind, eine einheitliche Strategie existiert dennoch nicht. Im föderalistisch geregelten Bildungs­system integrieren einige Kantone Financial Literacy in den Lehrplan, während andere weniger Wert darauf legen. Studien und Umfragen zeigen, dass viele junge Menschen in der Schweiz grundlegende finanzielle Konzepte wie Budgetierung, Zinsen oder Schulden­management nicht ausreichend verstehen. Dies birgt das Risiko, dass sie später einmal Schwierig­keiten im Umgang mit Geld haben. Gerade in einem Land mit hohen Lebenshaltungs­kosten ist es entscheidend, dass junge Menschen frühzeitig lernen, ihre Finanzen zu planen und zu verwalten.

Lehrplan 21: Ein erster Schritt, aber nicht genug

Der in den deutsch­sprachigen Kantonen eingeführte «Lehrplan 21» integriert zwar Elemente zur finanziellen Bildung mit Mathematik, Wirtschaft, Arbeit und Haushalt. Allerdings werden Budgetplanung, Sparen, Konsum­verhalten und Schulden­prävention in den Schulen oft nur oberflächlich behandelt. Banken und Finanz­institute engagieren sich zunehmend mit Lernspielen und Unterrichts­material bei der finanziellen Bildung, um Schülern den Umgang mit Geld spielerisch näher­zubringen. Zudem bieten auch andere privat­rechtliche Organisationen und gemein­nützige Stiftungen Programme zur Schulden­vermeidung an, die sich an Jugendliche richten. Sie klären über die Risiken von Konsumkrediten, Verträgen für Mobil­telefonie und Online-Shopping auf. In einigen Kantonen gibt es Projekte, bei denen Finanz­experten Workshops zum Umgang mit Geld und Schulden in Schulen durchführen. Daneben existieren verschiedene Apps und Online-Plattformen, die Finanz­wissen spielerisch vermitteln.

Heraus­forderungen im Bildungs­system

Tatsache ist, dass es keine einheitliche, verbindliche und landesweite Strategie für finanzielle Bildung gibt. Sie ist oft bloss ein Randthema und kein eigenständiges Unterrichtsfach, was Umfang und Wirkung begrenzt. Zudem fühlen sich viele Lehr­personen nicht ausreichend vorbereitet, um finanzielle Themen zu unterrichten. Dabei wäre das nötig und sinnvoll in einer zunehmend komplexen Welt. Finanzielle Bildung sollte ein eigenständiger Teil des Lehrplans sein und die Zusammen­arbeit zwischen Schulen, Banken und Organisationen institutionell und einheitlich gefördert werden. Länder wie Australien, Kanada, die USA, Neuseeland, das Vereinigte Königreich und Estland sind gute Beispiele dafür, wie finanzielle Bildung systematisch in den Lehrplan integriert werden kann. Diese Länder vermitteln frühzeitig und strukturiert Finanz­kompetenzen und tragen dazu bei, junge Menschen auf die Heraus­forderungen des finanziellen Alltags vorzubereiten. Die Schweiz könnte von diesen Ansätzen lernen und eigene Programme entwickeln, um die finanzielle Bildung der jüngeren Generation zu stärken.

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