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Wie wirkt sich der Iran­konflikt auf die Schweiz aus?

Seit Ausbruch des Nahost­konflikts Ende Februar sind die internationalen Energie­preise stark angestiegen. Was bedeutet das für die Schweiz? Die Auswirkungen auf die Inflation sind in der Schweiz sicherlich geringer als anderswo. Das Haupt­risiko für die Konjunktur ist die Entwicklung der Welt­wirtschaft und des Schweizer Frankens. Derweil kann die SNB es sich leisten, abzuwarten.

Text: Kevin Gismondi

Swiss Parliament Building in Bern, Switzerland
Bild: Getty Images

Der Nahost­konflikt hat die inter­nationalen Energie­preise seit Ende Februar 2026 stark ansteigen lassen. Die Schweiz ist jedoch vergleichs­weise weniger stark betroffen als andere Länder. Die Gründe dafür liegen in der geringen Energie­intensität der Schweizer Wirtschaft, der starken Währung, einem vorteilhaften Energie­mix, dem niedrigen Gewicht von Energie im Landes­index der Konsumenten­preise (LIK) sowie den staatlich regulierten Energie­preisen.

Starker Franken dämpft die Inflation

Der Schweizer Franken hat sich in der aktuellen Krise als «sicherer Hafen» erneut aufgewertet. Da Erdöl und andere Energie­güter in US-Dollar gehandelt werden, mildert der starke Franken die Energie­preisanstiege. Zudem verbilligt die starke Währung andere importierte Güter, was die Gesamt­inflation zusätzlich dämpft.

Vorteilhafter Energiemix und geringe Abhängigkeit vom Nahen Osten

Die Schweiz profitiert von einem Energie­mix, der stark auf Kern­energie und erneuerbare Energien wie Wasser­kraft setzt. Der Anteil von Erdöl und Gas am Energie­verbrauch ist im internationalen Vergleich kleiner. Zudem bezieht die Schweiz ihr Erdöl hauptsächlich aus den USA und Nigeria. Somit ist die Import­abhängigkeit vom Nahen Osten gering. Die aktuelle Krise hat daher bislang keine wesentlichen Aus­wirkungen auf die Verfügbar­keit fossiler Energie­träger in der Schweiz.

Regulierte Energiepreise glätten Preisschocks

Ein Viertel der Preise im LIK ist in der Schweiz direkt oder teil­weise staatlich reguliert. Besonders die Strom­preise, die rund 40 % der Energie- und Treibstoff­preise ausmachen, werden nur einmal jährlich angepasst. Dadurch werden Energie­preisschocks zeitlich verzögert und gedämpft weiter­gegeben. Allerdings bedeutet dies auch, dass die Aus­wirkungen länger anhalten können.

Elektrizitätstarife sind für ein Jahr fixiert

Energieinflation (YoY), Inflationsbeiträge der Komponenten

Quellen: Zürcher Kantonalbank, Bundesamt für Statistik (BFS)

Energie mit tiefem Gewicht im LIK

Der Anteil der Energie­preise am Index der Konsumenten­preise ist in der Schweiz im inter­nationalen Vergleich niedrig. Unter sonst gleichen Bedingungen ist dies ein weiterer Grund dafür, dass sich Energiepreis­bewegungen in der Schweiz langsamer und weniger stark auswirken als beispielsweise im Euroraum. Der direkte Inflations­impuls durch steigende Energie­preise wird durch das niedrige Gewicht im LIK begrenzt.

Wirtschaftliche Aus­wirkungen: Indirekte Effekte im Fokus

Die Schweizer Wirtschaft ist weniger stark von den direkten Auswirkungen steigender Energie­preise betroffen als andere Länder. Dennoch belasten die höheren Energie­preise und gestiegene Unsicherheit die Kaufkraft der Haushalte und das Investitions­klima der Unternehmen. Schwer­wiegender könnten jedoch die indirekten Effekte sein, etwa durch eine Abkühlung der Welt­wirtschaft oder eine starke Auf­wertung des Schweizer Frankens, die die export­orientierte Schweizer Wirtschaft treffen könnten. Die Schweizer Industrie ist zwar weniger energie­intensiv als jene anderer Länder, doch eine globale Konjunktur­verlangsamung würde die wirtschaftliche Erholung bremsen.

Inflation bleibt im Rahmen

Höhere Energie­preise werden die Inflation in der Schweiz kurzfristig ansteigen lassen. Dank des geringen Anteils von Energie­produkten im Warenkorb, des vorteilhaften Energie­mixes und der regulierten Strom­preise bleiben die Aus­wirkungen im internationalen Vergleich jedoch moderat. Der starke Franken und die verhaltene Konjunktur­lage dämpfen den Inflationsdruck zusätzlich. Mittel­fristig erwartet die Zürcher Kantonalbank eine Inflation, die weiterhin im Ziel­band der SNB von 0 % bis 2 % bleibt.

Vor allem kurzfristig eine höhere Teuerung

Realisierte Inflation und ZKB-Prognose (YoY), Jahresdurchschnitte in Box (Prognose vor Irankonflikt in Klammern)

Quellen: Zürcher Kantonalbank, LSEG Datastream
Kevin Gismondi (Bild: Andreas Guntli)

Der Schweizer Franken wirkt in Krisenzeiten als sicherer Hafen und dämpft durch seine Aufwertung die importierte Inflation

Kevin Gismondi, Economist Switzerland

Geld­politik: Abwarten bleibt die Devise

Die SNB dürfte ihre Nullzins­politik vorerst beibehalten. Die Ausgangs­lage in der Schweiz ist komfortabel: Die Inflation ist niedrig, und die Wirtschaft zeigt sich stabil. Devisenmarkt­interventionen bleiben das bevorzugte Instrument, um eine unkontrollierte Franken­aufwertung zu verhindern. Sollten die Energie­preise jedoch länger­fristig hoch bleiben und sich auf das gesamte Preis­niveau auswirken, könnte mittelfristig eine Zins­erhöhung notwendig werden. Ein markanter Abschwung der Welt­konjunktur und ein noch stärkerer Franken könnten mittel­fristig aber auch für eine Zins­senkung sprechen. Aktuell spricht jedoch vieles dafür, dass der SNB-Leitzins zumindest bis Ende 2026 unverändert bleibt.

Fazit

Die Schweiz ist aufgrund ihres starken Frankens, ihres vorteilhaften Energie­mixes und ihrer geringeren Energie­intensität besser aufgestellt, um die wirtschaftlichen Aus­wirkungen des Nahost­konflikts zu bewältigen. Die Entwicklung der Welt­wirtschaft ist das Hauptrisiko für die Konjunktur. Die SNB wird ihre Nullzinspolitik vorerst beibehalten, während sie die Situation genau beobachtet. Denn trotz einer vorteilhaften Ausgangs­lage und geringerer Betroffen­heit ist auch die Schweiz nicht vor einem starken und anhaltenden Energie­schock gefeit. Je nach Verlauf des Konflikts könnte der zins­politische Handlungs­bedarf in die eine oder andere Richtung zunehmen.

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