Fragile Börsen – So schützt man sich gegen Kursstürze

Anlegerinnen und Anleger stehen oft vor der Herausforderung: Wie am Aktienmarkt investiert bleiben und dabei gleichzeitig gegen mögliche Kursstürze abgesichert sein? Mit einer systematischen Absicherungsstrategie ist dies möglich – wir erklären.

Text: Claude Hess

Im Bergsteigen ist es wie an der Börse – wer gesichert ist, fällt nicht tief. (Foto: iStock.com)

Die Aktienmärkte sind teuer, es droht eine Rezession und auch sonst lauern viele Gefahren am Horizont – eigentlich eine unbekömmliche Mixtur für Aktienmärkte. Gleichwohl ist die theoretisch überfällige Aktienmarktkorrektur noch nicht einge­treten – im Gegenteil. Der S&P 500 Index hat in den ersten sechs Monaten sage und schreibe 17 Prozent zugelegt (in USD) – eine prächtige Rendite.

Diese Kursentwicklung steht exemplarisch für eine immer wiederkehrende Herausforderungen für Anlegerinnen und Anleger: Wie an der langfristigen Performance der Aktienmärkte teilnehmen, sich aber gleichzeitig vor potenziell hohen Kursverlusten schützen?

Absicherungskosten auf «Vier-Jahres-Tief»

Eine Möglichkeit bietet die systematische Absicherung der Aktienquote mit Put-Optionen. Je tiefer der Ausübungspreis einer Put-Option unter dem aktuellen Indexstand liegt, desto günstiger ist diese zwar, aber desto tiefer muss auch der Aktienindex zuerst fallen, bevor die Schutzwirkung der Option greift. In der Praxis haben sich rollierende Absicherungs-Strategien mit einem Ausübungspreis bei 90 Prozent des Indexstands bewährt. Zur Reduktion der Absicherungskosten kann opportunistisch mit dem Verkauf von Call-Optionen eine Prämie dazuverdient werden. Wichtig ist, diese Absicherungsstrategie systematisch, sprich dauerhaft, durchzuführen, damit nicht im falschen Moment die Absicherung fehlt.

Im aktuellen Marktumfeld sind die Prämien für Put-Optionen zur Absicherung der Aktienquote aufgrund der stark gefallenen Marktvolatilität sehr günstig. Die Absicherungsprämie für ein Portfolio mit 100 Prozent US-Aktien kostet etwas mehr als zwei Prozent (Stand: 12.7.23). Dies ist der tiefste Wert seit vier Jahren, wie aus der untenstehenden Grafik ersichtlich ist. Die Absicherung besteht hier in einer Put-Option mit einem Ausübungspreis bei 90 Prozent des Indexstands und einjähriger Laufzeit.

Absicherungsprämien so günstig wie zuletzt 2019

Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen

«Time in the market» statt «market timing»

Institutionelle Investoren versuchen dieses Dilemma zu lösen, indem sie grundsätzlich weiter im Markt investiert bleiben, aber gewisse taktische Abweichungen von ihren Anlagestrategien zulassen. Allerdings: Vor grossen temporären Kursverlusten schützt auch diese Vorgehensweise nicht. Aktuell sprechen genügend Gründe für eine defensive Positionierung, wie beispielsweise die aktuell erhöhte Bewertung, negative konjunkturelle Vorlaufindikatoren oder die erhöhten geopolitischen Unsicherheiten.

Gleichwohl ist der Versuch, den Markt korrekt zu timen, ein schwieriges Unterfangen. Denn: Falsches Markttiming resultiert oft darin, dass statt der Vermeidung der schlechtesten Aktientage die besten Aktientage versäumt werden. Dies kann sich langfristig stark negativ auf die Anlageperformance auswirken, wie die folgende Grafik illustriert:

Performance-Vergleich SPI vs. SPI ohne die 10 besten Tage

Performance SPI vs. Performance SPI ohne die 10 besten Tage. (Quelle: Bloomberg, eigene Berechnungen)

Unter diesen Prämissen ist es erwägenswert, anstatt «market timing» «time in the market» zu betreiben, sich aber mit einer Absicherung gegen grössere Schäden zu wappnen. Letzteres bedeutet, der gewählten Anlagestrategie in Kombination mit einer systematischen Absicherungsstrategie mehr zu vertrauen als der eigenen Fähigkeit, rechtzeitig aus dem Markt aus- und wieder einzusteigen.

Zusätzliche Informationen wie Vermögenswerte gegen potenzielle Verluste geschützt werden können, gibt’s im Video:

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