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Hoch hinaus – zwischen Berg und Beruf

Etienne Rohrbach arbeitet als Relationship Manager Private Banking International bei der Zürcher Kantonalbank. Wer mit ihm spricht, merkt schnell: Ziele setzt er sich nicht nur im Berufsalltag. Neben Kundengesprächen, Strategien und Verantwortung verfolgt er ein aussergewöhnliches Projekt: Er will alle 4'000er der Schweiz besteigen. Was ihn dabei antreibt und welche Parallelen er zwischen Bergsteigen und Beruf zieht, erzählt er im Gespräch.

Text: Mirjam Arn

Etienne Rohrbach im hochalpinen Gelände – Fokus, Verantwortung und verlässliche Partnerschaft zählen für ihn am Berg wie im Beruf. (Bild: zVg)

Etienne, du arbeitest als Relationship Manager. Vorweg: Wo siehst du Parallelen zwischen Bergsteigen und deinem Beruf?

Etienne: In beiden Bereichen sind Planung, Risikobewusstsein und Vertrauen entscheidend. Am Berg wie im Job geht es darum, den Überblick zu behalten, Verantwortung zu übernehmen und sich auf andere verlassen zu können. Grosse Ziele erreicht man nie allein – weder beruflich noch im Gebirge. Es braucht eine stabile Seilschaft.

Wie bist du überhaupt zum ambitionierten Bergsteigen gekommen – und zu deinem Projekt mit den 4'000ern?

Etienne: Das hat sich über Jahre entwickelt. Aus Tageswanderungen wurden mehrtägige Touren, aus kleinen Zielen immer grössere Herausforderungen. Die Via Alpina von Vaduz nach Montreux – 390 Kilometer und 24'000 Höhenmeter – war ein erster Meilenstein. Später folgte die Haute Route von Chamonix nach Zermatt. Nach diesen Erfahrungen war klar: Ich wollte höher hinaus – die eigenen Grenzen bewusster ausloten. Eine Hochtourenausbildung ebnete den Weg zu den 4'000ern.

Was fasziniert dich am hochalpinen Gelände besonders?

Etienne: Das hochalpine Gelände ist ehrlich und kompromisslos. Es lässt keinen Raum für Ablenkung. Jeder Schritt verlangt Konzentration, jede Entscheidung Verantwortung. Auf über 4'000 Metern fühlt man sich klein – das relativiert vieles und schärft den Fokus. Diese Klarheit und Ruhe helfen mir auch im Berufsalltag.

Wie beeinflusst das Bergsteigen deine Haltung im Arbeitsalltag?

Etienne: Es schärft meine Achtsamkeit. Am Berg lernt man, ruhig zu bleiben, Situationen klar einzuschätzen und auch unter Druck bewusst zu entscheiden. Diese Haltung nehme ich mit – gerade in anspruchsvollen Gesprächen oder komplexen Situationen. Ebenso ist Resilienz am Berg von entscheidender Bedeutung, da die Natur oft unvorhersehbare Herausforderungen mit sich bringt.

«Grosse Ziele erreicht man nie allein – weder beruflich noch im Gebirge.», Etienne Rohrbach. (Bild: zVg)

Wie stark spielt Risikomanagement in beiden Welten eine Rolle?

Etienne: Eine sehr grosse. Ich plane Touren sorgfältig, berücksichtige Wetter, Route und mögliche Szenarien. Mentale Stärke ist ebenso wichtig wie körperliche Fitness. Bei anspruchsvollen Routen lasse ich mich von erfahrenen Bergführern begleiten. Und wenn sich die Bedingungen ändern, kehre ich um – selbst wenn der Gipfel schon zum Greifen nah ist. Risiken bewusst zu bewerten, ist am Berg wie im Beruf entscheidend.

Gab es eine prägende Situation, die dies besonders deutlich gemacht hat?

Etienne: Ja, bei einer Tour stimmte die Dynamik in der Gruppe nicht. Vertrauen und gemeinsame Linie fehlten – etwas, das im hochalpinen Gelände schnell riskant werden kann. Wir haben die Tour abgebrochen. Diese Erfahrung hat mir gezeigt, dass Erfolg nicht immer bedeutet, ein Ziel zu erreichen. Manchmal liegt er darin, Verantwortung zu übernehmen und auf das eigene Gefühl zu hören.

Teamarbeit spielt bei euch im Job also eine ähnliche Rolle wie am Berg?

Etienne: Absolut. Im Hochgebirge muss sich jeder auf den anderen verlassen können. Dieses Prinzip leben wir auch im Team – wir haben das Matterhorn bewusst als gemeinsames Symbol für anspruchsvolle Ziele gewählt, die nur gemeinsam erreichbar sind. Das verbindet und motiviert uns, auch im Berufsalltag Höchstleistungen zu erbringen.

Was sagt dein Projekt über deine Arbeitsweise aus?  

Etienne: Es ist Sinnbild für langfristiges Denken und klare Ziele. Grosse Vorhaben entstehen durch Konsequenz, Geduld und Vorbereitung. Fortschritt passiert häufig leise – aber stetig. Diese Denkweise passt sehr gut zu nachhaltiger Kundenarbeit. Die Berge lehren Geduld, Ausdauer und Mut, den eigenen Weg zu gehen – auch wenn er anspruchsvoll ist. 

Wie unterstützt dich dein Arbeitsumfeld dabei, berufliche und private Ziele zu verbinden?

Etienne: Meine Arbeitgeberin gibt mir den Raum, ambitioniert zu arbeiten und gleichzeitig bewusst mit meinen Ressourcen umzugehen. Ich schätze es sehr, dass ich bei der Zürcher Kantonalbank Freiraum und Vertrauen habe, um meine Aufgaben eigenständig zu gestalten. Diese Flexibilität erlaubt es mir, Training und Touren in meinen Alltag einzubauen und einen Ausgleich zu finden. Es ist schön, wenn ein Arbeitgeber versteht, dass persönliche Energiequellen auch beruflich Stärke fördern. Gleichzeitig erlebe ich ein Team, das mich unterstützt und mit dem ich ambitionierte Ziele gemeinsam verfolgen kann – ähnlich wie am Berg.

Welche Ziele stehen als Nächstes an?

Etienne: Im März 2026 starte ich ein Sabbatical mit einer 16-tägigen Trekkingtour im Himalaya, inklusive Besteigung des Island Peak auf über 6'000 Meter. Danach folgen weitere Schweizer 4'000er, darunter das Matterhorn (4'478 Meter), für das ich mich gezielt vorbereite. Das Rimpfischhorn (4'199 Meter) dient als Vorbereitung.

Was würdest du Menschen mitgeben, die sich grosse Ziele setzen – beruflich oder privat?

Etienne: Ein Ziel klar definieren, realistisch planen und Schritt für Schritt dranbleiben. Gleichzeitig den Mut haben, innezuhalten oder den Kurs anzupassen, wenn nötig. Nicht alles muss sofort erreicht werden. Entscheidend ist, loszugehen. Herausforderungen sind Chancen, an sich zu wachsen – wie steil der Berg auch vor einem liegt. Es geht nicht um Gipfel oder Rekorde, sondern darum, das Leben in seiner ganzen Weite zu spüren, den Moment zu schätzen und die eigene Stärke zu erkennen. 

Gemeinsam Grosses bewirken

Ob am Berg oder im Berufsalltag: Grosse Ziele verlangen Klarheit, Ausdauer und Verantwortung – für sich selbst und für andere. Etiennes Weg zeigt, dass echte Leistung dort entsteht, wo Menschen die Möglichkeit haben, ihre Ziele konsequent zu verfolgen und bewusst Entscheidungen zu treffen. Bei uns finden Menschen mit Ambitionen die nötige Unterstützung, Freiraum und ein starkes Team – genau deshalb erreichen wir gemeinsam mehr. (Bild: zVg)