«2025 hat gezeigt – Herausforderungen sind Chancen»
Michelle Tschumi, Leiterin Start-up Finance bei der Zürcher Kantonalbank und Jurymitglied des ZKB Pionierpreises Technopark, spricht über die Highlights und Herausforderungen des Jahres 2025 – und gibt einen Ausblick auf 2026.
Text: Simone Wyder / Bilder: Boris Adolf
Der ZKB Pionierpreis Technopark hat für dieses Jahr ein Rekordhoch bei der Zahl der Bewerbungen gemeldet. Sie sind Teil der achtköpfigen Pionierpreis-Jury. Was sagen Sie zu diesem Erfolg?
Mit 76 Bewerbungen – einem Anstieg von 40 Prozent – erreichte der Pionierpreis ein Rekordhoch und bestätigte seine Bedeutung in der Schweizer Start-up-Szene. Wenn ich bei den Start-ups nachfrage, warum sie sich bewerben, dann ist die Motivation klar: Einerseits ist die hohe Summe an Preisgeld begehrt, andererseits auch die starke Präsenz im Start-up-Ökosystem und in den Medien, die einen Gewinn, aber auch nur schon eine Nominierung mit sich bringt. Der ZKB Pionierpreis Technopark ist also eine wichtige Plattform, um die eigene Marke und das Produkt einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Die mediale Aufmerksamkeit kann entscheidend sein, um Investoren oder Kunden auf sich aufmerksam zu machen.
Wie läuft der Auswahlprozess ab?
Als Jurorin habe ich verschiedene Start-ups besucht und ihre Projekte genau geprüft. Wir haben 13 Deep-Tech-Start-ups für die nächste Runde des ZKB Pionierpreis Technopark 2026 ausgewählt. Diese Vorauswahl bildet die Grundlage für die Nominierung der fünf Finalistinnen, die ihre Projekte bei der Preisverleihung am 12. Mai 2026 im Technopark Zürich vorstellen und dann die Chance haben, 100'000 Franken zu gewinnen.
Gibt es Trends bei den Bewerbungen?
Dieses Jahr gab es wieder viele starke Bewerbungen aus verschiedenen Industrien. Der weitaus grösste Teil der Start-ups, nämlich 64.5 Prozent der gesamten Bewerbungen, befasst sich mit künstlicher Intelligenz (KI), maschinellem Lernen oder anderen KI-Technologien. Mehr als die Hälfte der Top 13 entwickeln Lösungen für eine nachhaltigere Zukunft. Drei kommen aus der Biotech-Branche und zwei aus der Robotik. Es bleibt spannend, die vielversprechendsten Ideen für langfristigen Erfolg auszuwählen.
Wie erkennen Sie genau diese Ideen?
Es gibt mehrere Punkte, die Gründerinnen und Gründer erfüllen müssen, um herauszustechen. Zuerst einmal braucht es natürlich eine neue Technologie, die kommerzialisiert werden kann. Zudem ist der Typ Mensch wichtig: Neugierig und wissbegierig sollte er sein und ein agiles Mindset haben, um sich und sein Produkt laufend an ein sich ständig veränderndes Umfeld anzupassen. Darüber hinaus legt der Pionierpreis grossen Wert darauf, dass die sich bewerbenden Start-ups nicht nur innovative Lösungen auf den Markt bringen, sondern auch einen gesellschaftlichen Mehrwert bieten. Besonders hervorgehoben werden Innovationen, die wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Anwendungen miteinander verbinden, denn nur so kann die Innovation langfristig Wirkung entfalten.
Diese 13 Deep-Tech-Start-ups sind für den ZKB Pionierpreis Technopark 2026 nominiert
- Aseptuva (Bern)
- CCRAFT (Neuenburg)
- Chiral Nano (Dübendorf ZH)
- FimmCyte (Basel)
- GlycoEra (Wädenswil ZH)
- KLARK (Landquart GR)
- NovaMea (Saint-Sulpice VD)
- RoBoa (Zürich)
- RTDT Laboratories (Zürich)
- Scrimber CSC (Thun BE)
- SolidWatts (Pully VD)
- Unbound Potential (Thalwil ZH)
- Winduction (Zürich)
(in alphabetischer Reihenfolge)
Welche Herausforderungen bot das Jahr 2025 für Start-ups?
Geopolitische Unsicherheiten und handelspolitische Spannungen haben die Planbarkeit erschwert und die Kostenrisiken, insbesondere in den Lieferketten, erhöht. Besonders betroffen waren exportorientierte Deeptech Start-ups, mit einer grossen Hardware Komponente, deren internationale Wachstumspläne ins Stocken gerieten.
Gleichzeitig war das Umfeld für die Kapitalbeschaffung herausfordernd: Obwohl in der ersten Jahreshälfte mehr als 1.4 Milliarden Franken in Schweizer Start-ups investiert wurden – ein Anstieg von 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr –, sank die Zahl der Finanzierungsrunden. Das zeigt, dass Investoren ihr Kapital auf weniger, dafür grössere Investitionsrunden konzentrieren. Zudem hatten einige Venture-Capital-Firmen selbst Schwierigkeiten, neue Gelder zu beschaffen, was den Wettbewerb um Investitionen für Start-ups weiter verschärfte.
Wie haben sich diese Herausforderungen auf Ihre Arbeit in der Start-up-Finanzierung ausgewirkt?
Die schwierigen Rahmenbedingungen haben auch unsere Arbeit beeinflusst, wenn auch anders als bei vielen unserer Mitinvestoren. Da unser Kapital direkt von der Bilanz der ZKB stammt, waren wir nicht von den Herausforderungen betroffen, die Venture-Capital-Fonds bei der Kapitalbeschaffung hatten.
Unsere grösste Herausforderung lag in den deutlich längeren Entscheidungsprozessen: Finanzierungsrunden, die früher etwa drei Monate dauerten, zogen sich 2025 häufig über sechs Monate hin. Das lag weniger an uns, sondern vielmehr an den komplexeren Abstimmungsprozessen mit Start-ups und Co-Investoren.
Zu Jahresbeginn war unsere Pipeline noch relativ leer, aber wir haben bewusst gegengesteuert: durch eine verstärkte Präsenz am Markt, intensive Beziehungspflege und ein hohes Engagement im operativen Bereich. Das Ergebnis spricht für sich: Mit 59 abgeschlossenen Finanzierungsrunden und einem Investitionsvolumen von CHF 20.7 Millionen war 2025 eines der aktivsten Jahre in der Geschichte unserer Abteilung.
Welchen besonderen Meilenstein gab es im vergangenen Jahr?
Besonders erfreulich war der Börsengang von BioVersys. Mit einem Eröffnungskurs von CHF 36.50 erreichte das Schweizer Biotechnologieunternehmen eine Marktkapitalisierung von rund CHF 216 Millionen. Damit markiert BioVersys den ersten Biotech-Börsengang an der Schweizer Börse seit acht Jahren. Wir sind stolz, dass einem Start-up aus unserem Portfolio dieser Schritt gelungen ist. Wir sind seit 2013 in BioVersys investiert und konnten so die vielen Etappen ihrer beeindruckenden Reise im Kampf gegen Antibiotika-Resistenzen begleiten.
Über den ZKB Pionierpreis Technopark
Der ZKB Pionierpreis Technopark wird seit über 25 Jahren von der Zürcher Kantonalbank und der Stiftung Technopark Zürich verliehen. Er gilt als einer der bedeutendsten Deep-Tech-Innovationspreise der Schweiz. Ausgezeichnet werden Projekte am Übergang von der innovativen Idee zur Marktreife. In dieser Phase sollen 100'000 Franken Preisgeld für das Gewinner-Start-up und jeweils 10'000 Franken für zwei weitere Finalisten die Weiterentwicklung der Projekte unterstützen. Ausserdem wird ein mit 5'000 Franken dotierter Publikumspreis vergeben. Mit dem Engagement leistet die Zürcher Kantonalbank einen Beitrag zur Stärkung der Jungunternehmerkultur und zur Innovationsförderung im Kanton Zürich.
Weitere Informationen zu den Nominierten und zum ZKB Pionierpreis Technopark
Sie blicken auch auf ein Jubiläumsjahr zurück.
2025 war ein besonderes Jahr für uns, denn wir durften 20 Jahre Start-up-Finanzierung bei der Zürcher Kantonalbank feiern. Seit zwei Jahrzehnten investieren wir in Schweizer Innovation und haben in dieser Zeit über 300 Start-ups unterstützt. Dabei haben wir ein starkes Netzwerk aus Gründerinnen und Gründern, Co-Investorinnen und Partnern aufgebaut, das uns hilft, Start-ups gezielt bei ihren Herausforderungen zu begleiten.
Als wir damals anfingen, war das Schweizer Start-up-Ökosystem noch in den Anfängen. Heute ist es deutlich professioneller und internationaler geworden, aber unsere Rolle als langfristige und verlässliche Investorin bleibt wichtig – gerade in herausfordernden Zeiten.
Unser Ansatz hat sich über die Jahre weiterentwickelt: Wir investieren heute gezielt in Start-ups aus verschiedenen Branchen und begleiten sie nicht nur in der Frühphase, sondern auch in späteren Wachstumsphasen. Gleichzeitig engagieren wir uns aktiv für die Weiterentwicklung des Schweizer Start-up-Ökosystems – durch Vernetzung, Partnerschaften und Co-Investments. Auch nach 20 Jahren sehen wir uns nicht als Verwalter des Status quo, sondern als aktive Gestalterin der Zukunft.
A propos Netzwerk – gibt es da neue Entwicklungen?
Letztes Jahr haben wir unsere Netzwerk-Anlässe weiterentwickelt und mit den Breakfast-Events ein neues Format eingeführt. Der erste Event drehte sich um Skalierungsstrategien, bei dem ein erfahrener Branchenpartner praktische Einblicke in die Herausforderungen und Chancen der internationalen Expansion gab. Im Anschluss konnten die Teilnehmenden ihre eigenen Erfahrungen teilen und gemeinsam Lösungsansätze diskutieren.
Auch unser Flagship-Event, das Get2gether, bleibt ein zentraler Treffpunkt für das gesamte Start-up-Ökosystem. Hier kommen Gründerinnen und Gründer, Investoren und Branchenexpertinnen zusammen, um sich auszutauschen, Ideen zu entwickeln und Partnerschaften zu knüpfen. Solche Events sind entscheidend, um Wissen und Ressourcen zu teilen und langfristige Beziehungen aufzubauen – ein wichtiger Erfolgsfaktor für Start-ups in einem dynamischen Umfeld.
Gibt es weitere Highlights?
Wir haben das Netzwerk Social Impact Catalyst entwickelt, das wirkungsorientierte Start-ups mit Investoren verbindet. Diese Social Impact Start-ups stellen den gesellschaftlichen Nutzen in den Mittelpunkt ihrer Geschäftsmodelle. Nach einer erfolgreichen Pilotphase wird das Programm nun von der ZKB Philanthropie Stiftung und weiteren Partnern weitergeführt. Wir bleiben weiterhin involviert, den genauen Umfang unseres weitergehenden Engagements gilt es noch zu konkretisieren.
Welche Ziele verfolgen Sie für 2026?
Dieses Jahr möchten wir unsere Position als führende Bank für Start-ups in der Schweiz weiter stärken. Mit dem neuen ZKB Start-up Desk bündelt unsere Bank alle bankbezogenen Anliegen von Start-ups an einem Ort. Das ermöglicht uns, noch enger mit diesem spezialisierten Team zusammenzuarbeiten und Start-ups gezielt zu unterstützen.
Unser Ziel ist es, Start-ups in jeder Phase ihrer Entwicklung zu begleiten: von der frühen Phase, in der häufig nur eigene Mittel oder unser Venture Capital als Finanzierungsmöglichkeit zur Verfügung stehen, bis hin zur Wachstumsphase. Durch eine enge Zusammenarbeit zwischen unseren Teams wollen wir die Prozesse für Start-ups noch effizienter gestalten und sicherstellen, dass sie die bestmögliche Unterstützung erhalten, um ihre Visionen zu verwirklichen.