Schlaue Algorithmen und smarte Prozesse
Die thermischen Sensoren von greenteg sind im Spitzensport und in der Medizin gefragt. Machine Learning macht die Systeme zu den präzisesten der Welt. Auch bei operativen Prozessen setzt das KMU aus Rümlang vermehrt auf KI – und hat klare Regeln für den Umgang damit.
Text: Ralph Hofbauer (awp) / Bilder: Ennio Leanza
Heat Training hat sich im Ausdauersport etabliert. Marathonläufer, Triathletinnen und Radrennfahrer trainieren gezielt bei hohen Temperaturen, um noch schneller zu werden. Fast alle Radprofis überwachen ihre Körpertemperatur dabei mit «CORE» Sensoren aus Rümlang. Wer sich gegen die Hitze auf der Vuelta wappnen will, tut dies mit der Technologie von greenteg. «Die Methode bringt Leistungssteigerungen von bis zu vier Prozent», weiss COO und CFO Etienne Schwyter. Mit Wearables wie Fitnesstrackern und Smartwatches lassen sich Körperdaten in Echtzeit dokumentieren. Was bei der Herzfrequenz oder beim Schlafverhalten relativ einfach ist, gestaltet sich bei der Körpertemperatur deutlich schwieriger: «Es reicht nicht aus, die Temperatur der Hautoberfläche zu messen», erklärt Schwyter. «Wer die Körperkerntemperatur ermitteln möchte, muss zusätzlich wissen, wie viel Wärme in den Körper hinein oder aus ihm herausfliesst.»
Neben dem Wärmefluss müssen auch Störgrössen wie Wind, Schweiss oder Kleidung berücksichtigt werden – und hier kommt KI ins Spiel: «Weil wir die intelligentesten Algorithmen haben, sind unsere Sensoren die präzisesten auf dem Markt», sagt Schwyter. Mit Machine Learning hat das KMU seine Wearables in den letzten Jahren laufend optimiert. Der Teilbereich der künstlichen Intelligenz erlaubt es den Systemen, aus grossen Datenmengen zulernen und sich kontinuierlich zu verbessern.
Intelligente Lösungen für die Pflege
Die hochpräzisen Lösungen sind nicht nur im Spitzensport gefragt. Auch in der Pflege sind die Wearables im Einsatz, um die Körpertemperatur von Patientinnen und Patienten zu überwachen. So können die teuren medizinischen Ressourcen gezielter eingesetzt werden – und im Unterschied zum punktuellen Fiebermessen bleibt dabei kein Fieberschub unbemerkt. Die Sensoren werden zudem in Medtech-Geräten verbaut, die alle relevanten Vitalparameter gleichzeitig messen. «Die intelligenten Systeme lösen automatisch einen Alarm aus, sobald sich die Werte signifikant verschlechtern», erklärt Etienne Schwyter. Zentausende «CORE» Wearables und bis zu mehrere Millionen Sensoren entstehen pro Jahr in Rümlang. Das Unternehmen ist zuversichtlich, dass sich das Volumen weiter stark steigern lässt. Potenzial sieht Etienne Schwyter vor allem bei Lösungen für die Arbeitssicherheit, um Mitarbeitende vor Überhitzung zu schützen. Dabei denkt er nicht nur an die Feuerwehr oder die heisse Arbeitsumgebung in Raffinerien und Giessereien: «Weit mehr als die Hälfte der Menschen arbeitet unter freiem Himmel. Durch die globale Erwärmung wird das vielerorts zu einem immer grösseren Risiko.»
Vom Sensorhersteller zum Systemanbieter
Auch Maschinen oder Gebäude lassen sich mit den Sensoren von greenteg überwachen. So hat das Unternehmen beispielsweise eine Lösung für die Optimierung von thermischen Sanierungen entwickelt. «Solche Komplettlösungen werden für uns immer wichtiger. Wir haben uns in den letzten Jahren vom Sensorhersteller zum Systemanbieter entwickelt», fasst Schwyter zusammen. Die kleinsten Sensoren von greenteg sind gerade einmal 2x2 Millimeter gross. Obwohl die Systeme immer kleiner werden, können sie immer mehr: «Ein Sensor ist längst mehr als ein Stück Hardware», erklärt Etienne Schwyter: «Wir investieren viel in intelligente Software, die Situationen erkennen und sich den Gegebenheiten anpassen kann. Auch die Interpretation der gemessenen Daten gewinnt für uns laufend an Bedeutung», sagt Etienne Schwyter.