Die multilateralen Hüte der SNB
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) agiert nicht nur als Hüterin der Preisstabilität und des Geldwerts, sondern spielt auch eine zentrale Rolle auf der internationalen Finanzbühne – meist abseits des Rampenlichts. Doch wie genau trägt die SNB zur Stabilität des globalen Finanzsystems bei?
Text: David Marmet
«Die Schweizer Wirtschaft ist international stark verflochten» – eine Binsenwahrheit und eine Aussage, bei der wir meistens an Schweizer Warenexporte, multinationale Unternehmen oder an Tourismusströme denken. Seltener verbinden wir diese Internationalität dagegen mit der Schweizerischen Nationalbank (SNB).
Ihre Kernaufgabe ist es, die Geld- und Währungspolitik so zu gestalten, dass das Geld seinen Wert behält und die Preise stabil bleiben. Zur Erfüllung dieser Aufgaben ist ein gut funktionierendes internationales Finanzsystem indes sehr hilfreich. Daher engagiert sich die SNB in multilateralen Institutionen und Foren, oft fernab der medialen Aufmerksamkeit.
Die Schweiz und der IWF: Ein starkes internationales Netzwerk
Am ehesten dürfte die Mitwirkung der SNB beim Internationalen Währungsfonds (IWF) bekannt sein. Die Schweiz ist seit 1992 Mitglied des IWF, der sich für die Stabilität des Währungs- und Finanzsystems seiner 191 Mitgliedsländer einsetzt. Dabei vertritt SNB-Präsident Martin Schlegel die Schweiz im Gouverneursrat, dem obersten Entscheidungsgremium des IWF. Die Schweiz bildet gemeinsam mit Aserbaidschan, Kasachstan, Kirgisien, Tadschikistan, Turkmenistan, Usbekistan, Polen, Serbien und seit Herbst 2024 auch mit Liechtenstein eine Stimmrechtsgruppe im 25 Mitglieder umfassenden Exekutivrat des IWF. Da das Fürstentum Liechtenstein über keine eigene Zentralbank verfügt, übernimmt die SNB wesentliche Funktionen für unser Nachbarland beim IWF. Die Hauptfinanzierungsquelle des IWF sind die Quoten seiner Mitgliedsländer. Dadurch ist die Schweiz verpflichtet, dem IWF zur Finanzierung der regulären Kredite maximal rund 22 Milliarden Schweizer Franken zur Verfügung zu stellen. Diese Beiträge werden durch die SNB finanziert, wobei der Bund die Kredite garantiert.
Das Engagement der SNB für ein funktionierendes internationales Finanzsystem ist von immenser Bedeutung
Dr. David Marmet, Chefökonom Schweiz
Die vielfältigen Aufgaben der SNB
Naheliegend ist auch, dass die SNB bei der «Bank der Zentralbanken», also der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) mitwirkt. Seit deren Gründung im Jahr 1930 ist die SNB im Verwaltungsrat vertreten. Zudem wirkt sie in vier ständigen Ausschüssen und engagiert sich im BIZ-Innovations-Hub. Dabei fokussiert sich das Schweizer Zentrum dieses Hubs auf die Tokenisierung von Vermögenswerten und auf neuere Ansätze zur Datenanalyse.
In der Öffentlichkeit weniger bekannt ist das 1999 ins Leben gerufene Financial Stability Board (FSB), welches wie die BIZ seinen Sitz in Basel hat. Das FSB soll Schwachstellen des internationalen Finanzsystems identifizieren, Vorschläge zu deren Beseitigung unterbreiten und die Umsetzung überwachen. Es vereinigt Zentralbanken, Aufsichtsbehörden, Finanzministerien und internationale Organisationen. Die SNB ist Mitglied des Steuerungsausschusses, der Plenarveranstaltung und des Ausschusses für die Beurteilung der Risiken im Finanzsektor.
Darüber hinaus engagiert sich die SNB zusammen mit dem Bund in verschiedenen Komitees der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Und auch beim Network for Greening the Financial System (NFGS) ist die SNB vertreten. Das NFGS dient als Forum zum Austausch über die Risiken des Klimawandels für Volkswirtschaften und Finanzsysteme. Die Schweiz hat einen bedeutenden Finanzplatz, sie ist stark mit der globalen Wirtschaft verflochten und verfügt über eine starke Währung, die gerade in turbulenten Zeiten im Fokus steht. Dementsprechend ist das Engagement der SNB für ein funktionierendes internationales Finanzsystem von immenser Bedeutung.