Die Rückkehr der Atomenergie
Atomkraft feiert ein Comeback als stabiler, CO2-armer Energiepfeiler. Ende 2025 standen weltweit bereits wieder über 60 Kernreaktoren im Bau und die Uran-Nachfrage wird in den nächsten zehn Jahren um knapp ein Viertel ansteigen. Trotz politischer Risiken lockt die Branche mit Potenzial, auch wenn Gewinne oft erst langfristig realisiert werden.
Text: Jens Schweizer
In der globalen Energiepolitik zeichnet sich aktuell ein Wandel ab. Wurde die Energiewende bisher lange durch den Klimaschutz getrieben, gewinnen heute aufgrund der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von Importen fossiler Energieträger an Bedeutung. Neben der Elektrifizierung ist die Diversifizierung das Gebot der Stunde, das auch die Atomkraft wieder in einem neuen Licht erscheinen lässt.
Atomenergie als Systemstabilisator
Erneuerbare Energien wären fast unbegrenzt vorhanden, liefern jedoch nicht die für Stromnetze erforderliche konstante Spannung. Die Stromerzeugung muss sich jedoch dem Verbrauch anpassen. Dies wurde bisher unter anderem durch fossile Kraftwerke sichergestellt. Durch die Repriorisierung hat sich auch Atomenergie wieder als alternative Energiequelle ins Spiel gebracht, denn sie kann beständig, nahezu CO2e-emissionsfrei und in grossen Mengen Strom liefern. Gleichzeitig fällt jedoch radioaktives Abfallmaterial an. Die Klimakonferenz COP28 im Jahr 2023 markierte ein Umdenken zur Atomkraft. 22 Länder bekundeten ihre Absicht, den Einsatz von Kernenergie bis 2050 zu verdreifachen. Ende 2025 standen weltweit bereits wieder über 60 Kernreaktoren im Bau. Laut Bloomberg New Energy Finance (BNEF) wird die Nachfrage nach Uran in den nächsten zehn Jahren um knapp ein Viertel ansteigen, wobei das Angebot ohne zusätzliche Investitionen bald seinen Höhepunkt erreicht (vgl. Grafik).
Steigende Nachfrage nach Uran (in Tonnen)
Spezielle Gewinnsituation der Branche
Die Rückkehr der Atomenergie macht sich am Aktienmarkt mit einer positiven Performance bemerkbar. Die Bewertung der in gängigen Indizes vertretenen Unternehmen ist zuletzt zum Gesamtmarkt auch deutlich angestiegen, während die schwierig quantifizierbaren Gewinnerwartungen für die nächsten Jahre konstant blieben. Speziell an den Unternehmen der Branche ist nämlich, dass viele aktuell gar keinen Gewinn erzielen. Dies ist nicht unüblich, da die Zyklen der Atomenergie bekanntlich Jahrzehnte dauern können und zunächst bedeutende Investitionen in den Uranabbau und Reaktorenaufbau erfordern. Ihre Aktienkurse schwanken damit auch stärker als der Gesamtmarkt. Als Teil des Energiesektors betreiben die engagierten Unternehmen die Exploration, Erschliessung und den Handel von Uran und einige Industriewerte den Bau und die Wartung von Kernkraftwerken sowie die Entwicklung von Nukleartechnologien (vgl. Grafik). Zu den Risiken der Branche zählt die wankelmütige Unterstützung aus der Bevölkerung und Politik. Der Konflikt im Iran hat die Energiesicherheit und alternative Energieträger jedoch erneut in den Fokus der politischen Agenda gerückt.
Verteilung nach Sektoren
WisdomTree Uranium and Nuclear Energy UCITS Index (NTR