Keine Elektrifizierung ohne Stromnetze
Elektrifizierung braucht starke Netze. Der Strombedarf wächst rasant, doch veraltete Infrastruktur bremst. Investitionen in smarte Netze und Speicherlösungen sind essenziell. Analysten und Anlegerinnen sind zuversichtlich und sehen eine positive Gewinnentwicklung, trotz Risiken wie Lieferkettenproblemen.
Text: Jens Schweizer
In der globalen Energiepolitik zeichnet sich aktuell ein Wandel ab. Wurde die Energiewende bisher lange durch den Klimaschutz getrieben, gewinnen heute aufgrund der anhaltenden geopolitischen Unsicherheiten die Versorgungssicherheit und Unabhängigkeit von Importen fossiler Energieträger an Bedeutung. Dies verleiht der Energiewende neuen Schub.
Elektrifizierung braucht Stromnetze
Strom gewinnt als zentraler Energieüberträger der Energiewende dabei an Bedeutung. Er kann theore-tisch überall aus erneuerbaren Quellen produziert werden und ist effizienter in der Anwendung als fossile Brennstoffe. Deshalb stellen Mobilität, Gebäudetechnik und Industrie auf Elektrizität um und neue Nutzer wie Rechenzentren kommen hinzu. 2024 stieg der Stromverbrauch erstmals seit drei Jahrzehnten stärker als die Wirtschaftsleistung. Laut Bloomberg New Energy Finance wird der Strombedarf bis 2050 um über 70 Prozent ansteigen (vgl. Grafik). Da die steigende Energieerzeugung und der Verbrauch zunehmend an unterschiedlichen Orten und zu unterschiedlichen Zeitpunkten stattfinden, sind Speichertechnologien und leistungsfähige Stromnetze notwendig. Der Ausbau der Stromnetze wurde jedoch lange vernachlässigt, was auch den Bau zusätzlicher Projekte zur Gewinnung erneuerbarer Energien verzögert. Die IEA rechnet vor, dass von 2025 bis 2030 die Investitionen in Stromnetze um über 50 Prozent von den heute jährlich USD 400 Mrd. steigen müssen, um den Stromverbrauch zuverlässig zu decken. Auch der Umbau zu intelligenten Netzen, die die Erzeugung und den Verbrauch besser in Einklang bringen, sind erforderlich.
Zunahme des Strombedarfs
Treiber der Stromnachfrage in tausend TWh
Analysten sehen Gewinnentwicklung positiv
Die anhaltende Elektrifizierung, der KI-Boom und die zu erwartenden Investitionen in Stromnetze machen Anlegerinnen und Finanzanalysten zuversichtlich für die Branche. Die Performance war beispielsweise im Branchenindex «Nasdaq Global Electrification Technologies and Smart Grid Net Total Return Index» dieses Jahr überdurchschnittlich. Auch die erwartete Gewinnentwicklung war dieses Jahr deutlich stärker als im Gesamtmarkt. Die engagierten Unternehmen gehören einer breiten Wertschöpfungskette an. Dies sind vor allem Industriewerte wie Hersteller von elektrischer Ausrüstung wie Schaltanlagen, Transformatoren und Energieübertragungs- und Energiemanagementlösungen sowie IT-Unternehmen der Halbleiterbranche (vgl. Grafik). Auch Unternehmen aus asiatischen Schwellenländern wie Korea, Taiwan und China sind prominent vertreten. Zu den Risiken der Branche zählen die global exponierten Lieferketten, die Marktmacht chinesischer Anbieter und regulatorische Hindernisse. Das Potenzial für eine angespannte Versorgungslage bei fossilen Energieträgern ist aber trotz der vordergründigen Entspannung im Iran-Konflikt weiterhin gegeben, was die Energiewende unterstützt.
Verteilung nach Sektoren
Nasdaq Global Electrification Technologies and Smart Grid Net Total Return Index