Kleine Länder zuweilen ganz gross
Kleine Staaten überraschten nicht nur an der FIFA Fussball-WM 2026, sondern auch in der Schweizer Aussenhandelsstatistik: Pro-Kopf-Exporte nach Slowenien, den Vatikan oder Curaçao zeigen, wie ungleich sich die Handelsströme verteilen – und dennoch dem Gravitationsmodell folgen.
Text: David Marmet
An der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft 2026 trumpften kleine Länder zuweilen gross auf. So erkämpften die Kapverden sensationell drei Unentschieden gegen Spanien, Uruguay und Saudi-Arabien und überstanden die Gruppenphase. Fordern kleine Länder auch bei der Schweizer Aussenhandelsstatistik die Grossen heraus? Exportiert die Schweiz mehr Waren pro Kopf nach Curaçao als nach Deutschland? Wer sich mit dem Schweizer Aussenhandel beschäftigt, weiss, dass Slowenien diese Statistik anführt. Die Schweiz exportiert grosse Mengen an Pharmaprodukten in das Alpenland mit seinen rund 2.1 Mio. Einwohnern. Im Jahr 2025 entfielen pro Einwohner Sloweniens Schweizer Warenexporte im Wert von CHF 12'500. Demgegenüber wurden aus Slowenien Waren im Wert von CHF 12'250 pro Kopf importiert.
Kleine Staaten, grosse Pro-Kopf-Exporte
Überraschend folgt der Vatikan an zweiter Stelle bei den Schweizer Exporte nach Ländern pro Kopf. In den kleinsten Staat der Erde (knapp 500 Einwohner) exportiert die Schweiz Waren im Wert von über CHF 3 Mio. An dritter Stelle folgt das britische Überseegebiet Gibraltar vor Österreich und dem Stadtstaat Singapur. Am anderen Ende der Statistik finden sich Länder wie Burundi, Westsahara, Salomonen und Somalia. Nach Burundi, einem Land mit immerhin 14 Mio. Einwohnern, exportierte die Schweiz 2025 Waren im Wert von CHF 113'000, bzw. CHF 0.008 pro Kopf. Wie an der WM beeindruckt Curaçao auch bei der Exportstatistik. Pro Kopf exportiert die Schweiz auf die kleine Karibikinsel mehr Waren als an andere WM-Teilnehmer wie Ecuador, Ägypten, Algerien, Irak, Iran, Ghana oder Senegal. Das Schlusslicht in der Statistik bildet Haiti, das ärmste Land Amerikas.
Gold als Treiber der Importstatistik
Importseitig liegen die Vereinigten Arabischen Emirate hinter Slowenien, insbesondere aufgrund der Goldeinfuhren. 2024 besetzte noch Suriname diesen Platz und liegt aktuell immer noch auf Rang drei. Auch für das etwas mehr als 600’000 Einwohner zählende Suriname sind die Goldimporte für die Spitzenplatzierung ausschlaggebend. Sie machen 99.95% aus. Wie bei den Exporten liegt auch bei den Importen unser Nachbar Österreich an vierter Stelle, gefolgt von Deutschland, Hongkong und Italien. Eine Aussage aus welchen Staaten wir pro Kopf am wenigsten importieren, gestaltet sich schwieriger. So gibt es Kleinstaaten wie Tonga, Tuvalu, Kiribati oder Vanuatu, die 2025 keine Güter in die Schweiz geliefert haben. Aus dem Südsudan mit seinen rund 12 Millionen Einwohnern wurden im letzten Jahr Güter im Wert von bescheidenen CHF 27’500 importiert, so dass dieses afrikanische Land am Ende der Importstatistik figuriert.
WM-Überraschungen und das Gravitationsmodell des Handels
WM-Teilnehmer Curaçao überraschte zwar mit einem 0:0 gegen Ecuador, beim Import pro Kopf in die Schweiz hingegen weniger. 2025 wurden gerade einmal Waren im Wert von CHF 13'000 in die Schweiz importiert. Indes wurden von den kapverdischen Inseln 2025 offiziell gar keine Waren importiert und aus dem Kongo sowie dem Irak pro Kopf weniger als aus Curaçao, so dass der Karibikstaat unter den 48 WM-Teilnehmern bei den Importen pro Kopf an viertletzter Stelle auftaucht. Diese anekdotischen Ausführungen untermauern das Gravitationsmodell des Handels: Je grösser der Wohlstand und je geringer die geografische Distanz, desto mehr Handel findet zwischen zwei Ländern statt. Selbst überraschende Resultate an der FIFA Fussball-Weltmeisterschaft vermögen an diesem etablierten Gesetz kaum zu rütteln.