Der Kompass für den Goldmarkt

Die Zürcher Kantonalbank wird Anfang 2022 ihr Goldprodukte-Angebot erweitern, so dass sämtliche Barrengrössen entweder als Fairtrade oder «Traceable Gold» mit forensisch gesicherter Rückverfolgbarkeit angeboten werden.

Text: Alexander Wolski

Kompass im Sand
Die neue Kurzstudie ist ein verlässlicher Kompass durch den Goldmarkt. (Bild: StockSnap)

Investoren fragen immer mehr rückverfolgbares Edelmetall nach, und die Bank möchte diesem Kundenbedürfnis gerecht werden. Es ist aktuell gar nicht so einfach, im Dschungel der Labels und Zertifikate den Überblick zu behalten – allein in der Schweiz gibt es derzeit acht. Abhilfe schafft eine neue Kurzstudie der Zürcher Kantonalbank: Erklärungen zu den erhältlichen Labels und ihren Grenzen finden sich dort, vor allem aber beleuchtet das Papier verschiedene Techniken für eine lückenlose Rückverfolgung der Goldbarren.

Die Nachfrage nach Gold steigt ungebremst 

Wichtig ist dies besonders bei der Goldproduktion, die sich aktuell auf Rekordniveau befindet: Weltweit wurden 2020 knapp 4’800 Tonnen aus dem Boden geholt, wobei durchschnittlich ein Drittel der Nachfrage auf Finanzinstitute entfällt. Die Haupthersteller von frisch geschürftem oder wiederaufbereitetem Gold waren China, Russland und Australien, wobei kein Land mehr als zehn Prozent der Gesamtmenge förderte. Ebenfalls auf dem Markt vertreten sind weitere zahlreiche Schwellen- und Entwicklungsländer. Viele eint dies: erhebliche Gouvernance-Probleme und teils undurchsichtige Produktionswege.

Dank Innovation zu mehr Transparenz im Goldhandel.

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Diese Intransparenz entwickelt sich zunehmend zum Problem für institutionelle Investoren, denn für sie steigen die Anforderungen an Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG). Zudem verlangen neue Reporting-Pflichten nach einer lückenlosen Dokumentation der angelegten Werte. Gleiches gilt für private Anlegerinnen und Anleger: Von Kindern geschürftes Gold oder illegale Abbaupraktiken soll in ihren Vermögenswerten nicht zu finden sein.

Die Antwort der Zürcher Kantonalbank war im Frühjahr die Einführung von «Traceable Gold». Dieses neu entwickelte Goldprodukt bietet eine Antwort auf eines der Lieferkettenprobleme, in dem ein PCR-Test die Integrität und Reinheit von der Mine bis hin zum Schmelzer garantiert. Damit ist die Zürcher Kantonalbank eine Vorreiterin: Nur wenige Finanzinstitute sind in der Lage, grössere Volumen an vollumfänglich zuordbarem physischem Gold aus vollständig rückverfolgbaren Lieferketten anzubieten. «Traceable Gold» geht dabei einen Schritt weiter als die üblichen Branchenstandards – denn jene basieren nicht auf technischer, sondern auf dokumentenbasierter Compliance und regelmässigen Audits.

Erst nach erfolgreichem PCR-Test wird ein rückverfolgbarer Goldbarren hergestellt.
Erst nach erfolgreichem PCR-Test wird ein rückverfolgbarer Goldbarren hergestellt. (Bild: Argor-Heraeus)

Transparenz und langfristiges Engagement

So funktioniert's: Am Anfang steht ein sorgfältiger Auswahlprozess, bei dem in Zusammenarbeit mit der Raffinerie Produktionsstandorte ausgewählt werden, die sämtliche branchenüblichen Risikokriterien erfüllen. Im nächsten Schritt besprühen Mitarbeiter in der Mine das geschürfte Gold mit einem DNA-Marker von Haelixa. Bei der Ankunft der Lieferung testet die Tessiner Raffinerie das Material und ermittelt eben per PCR-Tests die eindeutige Herkunft des Edelmetalls. Ist alles in Ordnung, werden die Barren in einer separaten Produktionslinie hergestellt. Dank der Barrenseriennummer kann später nachgeprüft werden, aus welcher Mine das Gold stammt. (Lesen Sie dazu auch unsere Reportage im Kundenmagazin ZH.)

Das Engagement steht ganz im Zeichen der Nachhaltigkeitspolitik der Bank, denn mit dem Vertrieb von «Traceable Gold» sollen soziale und Umweltaspekte in den Minen verbessert werden. Dazu gehört auch die Hilfe zur Selbsthilfe an den Produktionsorten: In Nordkanada wird beispielsweise die Integration der lokalen, indigenen Bevölkerung gefördert, damit diese die Mine entlang der gesamten Prozesskette selbstständig betreiben können. Für diesen Weg sind mittelfristig gezielte Investitionen in Ausbildung, Schulungen und eine entsprechende Infrastruktur notwendig. Finanziert wird die Unterstützung über eine zweckgebundene Prämie, die pro verkauftem Kilogramm «Traceable Gold» anfällt.

Für kleinere Volumen bietet die Zürcher Kantonalbank ihren Kundinnen und Kunden ausschliesslich rückverfolgbares Gold an. Alle eingekauften und verkauften 1-, 2-, 5-, 10- und 20-Gramm Barren tragen das Max Havelaar Fairtrade Gold Label. Grössere Barren sind mit der beschriebenen «Traceable Gold»-Methode markiert. Mittelfristig sollen auch Silberbarren aus vollständig rückverfolgbarer Produktion angeboten werden – auch für Platinum und Palladium wird bereits an Lösungen gearbeitet.

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