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«Ein Umfeld für grosse Emotionen schaffen»

Seit etwas mehr als einem halben Jahr leitet Samuel Scheidegger den Informatikbereich DevOps Products & Core Banking bei der ZKB. Darin verantwortet er die Entwicklung und den Betrieb verschiedener IT-Applikationen. In seiner Freizeit schlägt das Herz des Solothurners indessen für den Sport. Als Präsident der Ersten Liga und als Vizepräsident des Schweizerischen Fussballverbands (SFV) ist er einer der wichtigsten Exponenten des organsierten Fussballs in der Schweiz.

Text: Othmar Köchle, Bilder: Simon Baumann

Samuel Scheidegger: Seit 2021 Vizepräsident des Schweizerischen Fussballverbands anlässlich des WM-Vorbereitungsmatchs der Schweizer Nati in St. Gallen gegen Jordanien.

Kybunpark in St. Gallen. Noch 90 Minuten bis zum Anpfiff des vorletzten Testspiels der Nati vor der WM 2026. Erste Schweizer Fans sind schon auf den Rängen und proben das Ausrollen der sicher 300 m2 grossen Schweizer-Flagge in der Fankurve. Wir treffen ihn dort, wo er am liebsten ist: auf dem grünen Rasen mit bereit liegenden Fussbällen. «Wenn ich einen Ball sehe, habe ich sofort das Bedürfnis dagegen zu treten», erwähnt er später im Interview. Auf seinem eleganten Jackett prangt das Logo des Schweizerischen Fussballverbands (SFV). Samuel – oder eher Sämi wie ihn hier alle nennen – Scheidegger empfängt uns herzlich. Sportlich und überraschend jung für einen Top-Verbandsfunktionär wirkt er. Rundherum grüsst er, winkt anderen Verbandsoffiziellen zu und macht hier und dort einen kollegialen Spruch. Er ist in seinem Element. Der Dialekt verrät den Solothurner.

Jenseits der Nadelstreifen

Im Kreis der Mitarbeitenden der Zürcher Kantonalbank sind viele aussergewöhnliche Menschen mit besonderen Talenten. Wir wollen sie sichtbar machen und die Möglichkeit bieten, sich mit ihnen zu vernetzen.

Seit der Kindheit in den Fussballschuhen

Fabian Rieder, früherer Top-Spieler aus den Reihen des FC Solothurns und heutiger Bundesligist beim FC Augsburg kommt während der Stadionrunde der Spieler kurz zur Seitenlinie. Man kennt sich und tauscht sich aus.
 

Samuel Scheidegger mit Natistar Fabian Rieder
Kurzer Austausch an der Seitenlinie: Fabian Rieder und Sämi Scheidegger

Die zweite Karriere für den Fussball

2014 war der FC Solothurn in einer kniffligen Situation und suchte nach einem neuen Präsidenten. Man klopfte bei Sämi Scheidegger an. «Ich hatte etwas Erfahrung aus einem anderen Fussballverein, dennoch war ich mit knapp 30 noch recht jung für den Posten. Ich schaute mir die Situation genau an und kam dann zum Schluss, dass ich etwas bewegen kann.» Er setzte auf junge, frische Kräfte und brachte mit neuen Ideen die finanzielle Schieflage des Vereins wieder ins Lot. «Durch meinen beruflichen Hintergrund im IT-Umfeld sah ich alternative Wege, um die Kasse des Clubs mit neuen Mitteln zu alimentieren.» Der junge Vereinspräsident des Erstligavereins machte gute Arbeit und das fand Beachtung über den Club hinaus.

2021 war es der SFV, der für die Abteilung Erste Liga einen Präsidenten suchte. Sämi Scheidegger war einer der Kandidaten. Wiederum schien er, der noch keine 40 Jahre alt war, eine ungewöhnliche Besetzung. Sportfunktionäre sind nicht selten im gesetzteren Alter, doch Sämi Scheidegger mit seiner unaufgeregten und sachlichen Art gepaart mit seinem IT-Hintergrund überzeugte die Delegierten aus der ganzen Schweiz. Als Präsident der Abteilung Erste Liga, war er jetzt automatisch auch Vize-Präsident des Schweizerischen Fussballverbands und damit in einem Gremium, das die nationalen und internationalen Geschicke des Schweizer Fussballs steuert.

Wie schon in seiner Funktion als Vereinspräsident des FC Solothurn analysierte er den Erstliga-Betrieb, ortete Verbesserungspotenzial. Unter seiner Führung hat die 1. Liga – bestehend aus Promotion League und 1. Liga Classic – u.a. die Statuten modernisiert, die Headset-Kommunikation der Schiedsrichter installiert, die Digitalisierung vorangetrieben und ganz wichtig: mit einem Medienpartner das Live-Streaming aller Erstliga-Spiele ins Leben gerufen. Diese Massnahme ermöglicht es den Vereinen heute, ihren Sponsoringpartnern eine weit grössere Plattform zu bieten.

Die internationalen Turniere sind die Höhepunkte

Natürlich gehören die Auftritte der Schweizer Nationalteams an den internationalen Turnieren zu den Höhepunkten im Verbandsjahr des SFV. Für Sämi Scheidegger gehört da die Erinnerung an die Frauen-EM im eigenen Land in spezieller Weise dazu, war er doch als Verwaltungsrat der Women’s Euro 2025 SA, ein 100-Millionen-Euro-Joint Venture der UEFA und des SFV, in besonderer Weise und an verantwortlicher Stelle involviert. «Die Stimmung, die vollen Stadien, das Medieninteresse waren genial. Unser Ziel, die beste Frauen EM aller Zeiten zu organisieren, haben wir vollumfänglich erreicht», sagt er rückblickend. Für ihn ist in den letzten Jahren eines klar geworden: «Die Emotion und die Leidenschaft des Fussballs, die ich immer gesucht und geschätzt habe, liegt zwar auf dem Platz. Im Laufe der Jahre wurde mir aber auch bewusst, dass es Menschen im Hintergrund braucht, die ein Umfeld schaffen, damit die Emotionen in einem geordneten und gesunden Umfeld ausgelebt und geteilt werden können.»
 

Der offizielle WM Ball 2026
Die offiziellen Bälle FIFA World Cup 26 Trionda liegen bereit. Am Samstag, 13. Juni 2026 spielt die Schweiz ihr erstes Spiel in der San Francisco Bay Arena gegen Katar.

Vor uns liegt aber die FIFA-Weltmeisterschaft der Herren mit einem vielversprechenden Schweizer Team. Hier in St. Gallen bejubeln die Zuschauer vier Schweizer Tore gegen Jordanien, ein Team, das den ersten WM-Gegner aus Katar simulieren soll. Sämi Scheidegger trifft viele Offizielle im Umfeld der Nati zum letzten Mal, bevor diese am nächsten Tag in die USA fliegen. Und in der VIP-Loge begrüsst er Prinz Ali bin al-Hussein, der auch die Funktion als Präsident des jordanischen Fussballverbands innehat. Das hatte sich der kleine siebenjährige Sämi wohl nicht erträumen, als er das erste Mal seine Fussballschuhe schnürte. Das Vorbereitungsspiel, das 4 :1 ausgeht und mit einem gewaltigen Gewitter und Regenschauer endet, ist vorbei. Ein Unwetter macht Sämi Scheidegger aber nicht nervös. Die WM kann kommen.

Samuel Scheidegger; Handshake mit Murat Yakin
Ein letzter Handshake mit Teamchef und Coach Murat Yakin, bevor die Nati und ihr Staff in die USA fliegen. Sämi Scheidegger wünscht ihm viel Erfolg: «Macht es wie die Eishockey-Nati!»

Swiss Football Home in Thun

Unter der Führung von SFV-Präsident Peter Knäbel treibt der Verband das Projekt eines neuen Fussballzentrums für die Schweiz voran. Es soll nach dem Vorbild anderer Fussballverbände mehr als ein Verwaltungsgebäude sein. Ausbildungszentrum, Treffpunkt, Verbandshauptsitz mit Trainingsplätzen, einem Hotel und einem öffentlichen Bereich. Die Finanzierung ist eine Herausforderung: Der Kanton Berns und die Stadt Thun haben finanzielle Unterstützung schon gesprochen. Als Ausbildungszentrum ist das Projekt auch ein bedeutendes Projekt für die jungen Nachwuchstalente aus der Ersten Liga. Sämi Scheidegger ist als Mitglied des Hat-Trick Komitees in der UEFA, das genau solche nationalen Projekte mitfinanziert auch hier wichtiges Bindeglied. Die Eröffnung ist, sollte alles nach Plan laufen, für 2030 geplant.

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